Marktgasse
Marktfahrer sind stocksauer wegen Umplatzierungen

Wegen des Sees werden einige Stände verschoben – das passt nicht allen Verkäufern. Die betroffenen Standbetreiber bemängeln, sie seien zu spät über die geänderten Standorte informiert worden.

Tobias Granwehr
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Solothurner Zeitung

Es ist Dienstagmorgen in der Marktgasse. Das Wetter ist herrlich, die Marktfahrer haben ihre frischen Produkte bereitgelegt und begrüssen ihre Kundschaft. Diese erscheint zahlreich. Doch die Idylle täuscht: Die Stimmung bei den Marktfahrerinnen und -fahrern war schon besser – zumindest bei einem Teil davon. Unten in der Marktgasse beim Choufhüsi bauen diverse Arbeiter am künstlichen See, der für zehn Tage erstellt wird (das az Langenthaler Tagblatt berichtete). Gleich daneben vor der Metzgerei Stettler wird zudem ein Zelt aufgestellt.

Genau dort liegt der Hund begraben: Wegen des Sees und des Zelts stehen die Stände einiger Marktfahrer nicht an gewohnter Stelle. Das war gestern so und wird noch dreimal so bleiben. Der Markt findet jeweils am Dienstag- und Samstagmorgen statt. Bei einem Augenschein am Märit zeigt sich im Gespräch: Die Marktfahrer sind nicht gegen ein Stadtfest.

Doch sie bemängeln die Information. Die betroffenen Standbetreiber seien zu spät über die geänderten Standorte informiert worden. «Es war sehr kurzfristig. Ich wurde erst vergangenen Freitag orientiert, dass mein Wagen während der Zeit des Sees weiter oben steht», sagt Hans Bolliger aus Gontenschwil. Er verkauft in seinem eigenen Fahrzeug Pasta. Er vermutet, dass der für den Markt zuständige Mitarbeiter der Stadt selbst nicht im Bild war, was der See für die Marktfahrer bedeutet. «Wir müssen Standortwechsel frühzeitig unseren Kunden mitteilen können», sagt Bolliger. Gegen den See hat er indes nichts einzuwenden. Dieser bringe Leben in die Stadt. Das Wichtigste für einen Markt sei die Atmosphäre – diese fehle in Langenthal ohnehin ein wenig, sagt er.

Verschiebung hat Auswirkungen

Sabine Ryf aus Bleienbach nimmt erst seit kurzem am Markt teil. Doch auch sie ist überzeugt: «Es ist wichtig, immer am gleichen Ort zu stehen.» Ryf verkauft ebenfalls Teigwaren. Sie habe ziemlich Unmut gespürt bei den Kolleginnen und Kollegen, die den Stand wegen des Sees umplatzieren müssten. Das bestätigen ein betroffener Gemüseverkäufer und ein Ehepaar, dass am Märit Käse verkauft.

Sie wollen ihren Namen nicht in der Zeitung sehen. Sie seien seit Oktober 2003 immer am gleichen Platz am Langenthaler Märit, sagt das Ehepaar aus Melchnau. «Wir haben es deutlich gespürt heute. Hier oben haben wir weniger Kundschaft als am üblichen Standort», sagen die Käseverkäufer. Das sei schlecht, «schliesslich leben wir davon.» Der Gemüseverkäufer ist im Allgemeinen zufrieden mit dem Märit. Aber den Stand vorübergehend zu verschieben, sei nicht gut. Das spüre er sofort beim Umsatz. Auch er sagt: «Wir wurden zu kurzfristig informiert.»

Ebenfalls aus Erfahrung spricht Silvia Kiefer von der gleichnamigen Holzofenbäckerei in Lotzwil. Sie stellt ihren Stand immer samstags am Anfang des Märits fast beim Choufhüsi unten auf. Ihr wurde gesagt, das sei wegen des Sees vorübergehend nicht möglich. 95 Prozent seien Stammkunden, so Kiefer. «Die fragen uns dann, ob wir nicht am
Märit waren, weil sie unseren Stand nicht gefunden haben.» Deshalb müsse man die Kunden informieren, wenn der Stand verschoben werde. Sie habe jedoch erst am vergangenen Samstag erfahren, dass sie während des Jubiläumsanlasses umplatziert werde. Silvia Kiefer führt die Bäckerei zusammen mit ihrem Mann Michael. Manchmal fehlt ihr die Wertschätzung der Marktfahrer: «Wir bringen ebenfalls Leute in die Stadt. Es kommen sogar Auswärtige nur wegen des Märits», sagt sie.

Der Wochenmarkt gehört in den Zuständigkeitsbereich des Amtes für öffentliche Sicherheit (AföS). Vorsteher Andreas Ryf will die Standverschiebungen nicht überbewerten: Es seien ja keine riesigen Distanzen in der Marktgasse. Einige Stände müsse man halt etwas suchen. Es sei allerdings schon lange bekannt, dass in dieser Zeit das Stadtfest stattfinde und dass es für einige Marktfahrer Konsequenzen habe könnte, sagt Ryf. Lange sei unklar gewesen, ob und wo das Zelt aufgestellt werde. «Wir hätten gern früher informiert, das war jedoch nicht möglich», sagt der AföS-Chef und wehrt die Kritik der fehlenden Information der Marktfahrer ab.

«Müssen ja nicht an den Stadtrand»

Es ist kaum erst seit vergangener Woche bekannt, wie die Infrastruktur des Jubiläumsanlasses aussieht. Deshalb bleibt die Frage: Warum wurden die Marktfahrer so spät informiert? Ryf reagiert leicht gereizt: «Ich habe Mühe, wenn man daraus jetzt ein Problem macht. Die Details dieses Sees und der Umgebung waren nicht Monate im Voraus klar.» Man habe die Marktfahrer ja nicht an den Stadtrand gezügelt, sagt er. Es brauche ein gewisses Verständnis, wenn ein solcher Anlass durchgeführt werde. «Das Fest hat zudem auch etwas Positives: Es wird sicher viele Leute anlocken.» Ryf ist überzeugt: Davon profitiert auch der Wochenmarkt.

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