Lohnrunde
Löhne wachsen nicht in den Himmel

Die Firmen in der Region heben die Gehälter an, aber das Ausmass differiert stark. So viel wie bei Google muss es aber nicht sein.

Franz Schaible
Merken
Drucken
Teilen

Solothurner Zeitung

Zehn Prozent mehr Lohn plus ein Weihnachtsbonus von 1000 Dollar für alle 22000 Angestellten – so viel wie bei Google muss es nicht gerade sein. Aber ein wenig mehr darf es auf 2011 schon sein. Dieser Meinung ist die Gewerkschaft Unia. Mehrere Betriebskommissionen der Metall- und Maschinenindustrie hätten sich für «deutliche generelle Lohnerhöhungen» ausgesprochen, meldete die Sektion Biel-Seeland/Kanton Solothurn im Vorfeld der Lohnverhandlungen. «Die Arbeitnehmenden haben die Krise mit Entlassungen und Kurzarbeit bezahlt. Jetzt haben sie Anspruch auf eine anständige Lohnerhöhung», ergänzt Markus Baumann, Leiter der Unia Region Solothurn.

«Einsatz ist zu honorieren»

Zumindest teilweise wird diese Forderung auch umgesetzt, wie die jüngste Lohnumfrage der Ökonomen der UBS zeigt. Demnach dürften die Löhne im Durchschnitt nominal um 1,6 Prozent steigen. «Nach dem überraschend starken Aufschwung der Schweizer Wirtschaft besteht nun vielerorts Nachholbedarf – insbesondere in der Metall- und Elektroindustrie.»

Die Forderung und die Prognose explizit umgesetzt hat die Branche der Elektroinstallationsfirmen. Die Lohnsumme wird auf 2011 um über drei Prozent angehoben. An dieses in paritätischen Verhandlungen erzielte Resultat hält sich auch Kurt Jäggi, Inhaber der Firma Jäggi Elektroinstallationen in Balsthal. «Es gilt, die Leistung und den Einsatz unserer 15 Angestellten entsprechend zu honorieren.»

Gewinn, um Löhne zu zahlen

Dass dies nicht die Regel sein wird, beobachtet Christoph Erb, Direktor Berner KMU. Der Verband mit Sitz in Burgdorf zählt rund 22000 Mitglieder aus den unterschiedlichsten Branchen. «Nach unserer Einschätzung werden in den meisten Fällen Lohnerhöhungen im Bereich von einem Prozent gewährt werden.» 2010 als gutes Geschäftsjahr dürfe nicht isoliert betrachtet werden. «Wichtig ist auch, was vorher war und wie die Zukunftsaussichten beurteilt werden», erklärt Erb weiter. Die Ausfälle aus den Vorjahren seien noch nicht gedeckt und in einigen Betrieben seien auch Investitionen hinausgeschoben worden, was zu einem Nachholbedarf führe. Sein Fazit: «Die Situation ist individuell sehr verschieden. Für generell grosszügige Lohnerhöhungen besteht kein Anlass.»

Andreas Gasche, Geschäftsführer des Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverbandes, registriert eher individuelle Anpassungen. Zwar seien die Umsätze in vielen Betrieben tatsächlich gestiegen, aber die Rentabilität habe nicht Schritt halten können. «Und um die Löhne zahlen zu können, brauchen die Firmen schliesslich einen Gewinn.»

Mehr Lohn, mehr Konsum?

So überrascht es nicht, dass Gewerkschafter Baumann die Verhandlungen als «sehr schwierig» bezeichnet. Er gesteht aber ein, dass die Ausgangslage nicht ganz einfach sei. «Die stark exportorientierte Industrie leidet enorm unter dem starken Franken.» Zudem sei die Auftragslage im Gewerbe zwar weiterhin gut, aber die Margen tief. Trotzdem müsse etwas für die Arbeitnehmenden drin- liegen, und Nullrunden dürften kein Thema sein. Schliesslich trage eine Lohnerhöhung zur Kaufkrafterhaltung bei und stütze damit die Binnenkonjunktur. «Das hat sich im laufenden Jahr bestätigt, der Privatkonsum ist trotz schwieriger Lage auf dem Arbeitsmarkt nicht eingebrochen.» Dies hat dieser Tage das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bestätigt. Die Schweizer Wirtschaft ist in den ersten drei Quartalen gut gewachsen, vor allem dank der Inlandnachfrage.

Grossfirmen erhöhen Löhne

Die angefragten Grossunternehmen in der Region zahlen allesamt etwas mehr Lohn (siehe Kasten). Trotz schwierigen Bedingungen will etwa die Papierfabrik Sappi in Biberist den Angestellten ihre Kaufkraft erhalten und erhöht die Lohnsumme um 0,7 Prozent, was ungefähr der Teuerung entspricht. «Basierend auf unserem Geschäftsverlauf und der Situation in der Papierindustrie, wäre eigentlich eine Nullrunde angesagt», erklärt Sappi-Schweiz-Chef Nicolas Mühlemann. Er nennt den Eurokurs und die hohen Zellstoffpreise. «Wir wollen aber die Schwierigkeiten nicht auf dem Buckel unserer Mitarbeitenden austragen.» Auch der Maschinenbauer Ammann in Langenthal, das Stahlwerk Gerlafingen und der Elektrowerkzeughersteller Scintilla (Bosch) in Zuchwil geben an, den Mitarbeitenden 2011 ein höheres Salär auszuzahlen.