Schlieren
Limmattaler Mädchen finden heraus, wie die FC-Luft riecht

Wie viel Spass man in einem Fussballclub haben kann, will das Projekt «Girls wanted» am Mittwoch an einem Fussballturnier zeigen – FC-Juniorinnen werden auch dort sein.

Darina Schweizer
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Sandra Steinmann macht sich auf dem Fussballplatz für das Turnier am Mittwoch bereit.

Sandra Steinmann macht sich auf dem Fussballplatz für das Turnier am Mittwoch bereit.

Darina Schweizer

Die Einzige unter lauter Jungs: So geht es manchem Mädchen, das beginnt, in einem Fussballclub zu spielen. Da vielerorts reine Mädchenmannschaften fehlen, bleibt nichts anders übrig, als bei den Jungen mitzumachen. «Oft sind ihnen die Jungs technisch voraus, nicht etwa weil sie talentierter sind, sondern weil sie schon jahrelang mit ihren Kollegen Fussball gespielt und somit mehr Übung haben», sagt Pascal Pauli. Mit dem Projekt «Girls wanted» wollen er und Sandra Steinmann vom Zürcher Verein «Raumfang» deshalb mehr Mädchen für Fussball begeistern und ihnen den Zugang zu einem Fussballclub erleichtern. Am kommenden Mittwoch fällt der Startschuss: Dann stellen sie von 14 bis 17 Uhr das «Girls-Fussballturnier» auf dem Schlieremer Sportplatz Zelgli auf die Beine.

1968

Der erste Schweizer Frauenfussballclub wurde vor 48 Jahren unter dem Namen «Damenfussballclub Zürich» gegründet. 1970 folgte die Nationalliga A. Die erste Schweizer Fussballnationalmannschaft der Frauen entstand 1972. Zwar gelang der Mannschaft der Eintritt in die Europameisterschaft bislang noch nicht, 2015 konnte sie aber erstmals an der Weltmeisterschaft teilnehmen. Heute spielen in der Schweiz rund 26 000 Mädchen und Frauen in einem Verein Fussball. Der Frauenfussball werde von der Öffentlichkeit aber immer noch kaum wahrgenommen, findet Pascal Pauli von «Girls wanted»: «Wegen medienwirksamer Produkte wie Champions-League und Weltmeisterschaften dominiert der Männerfussball noch immer.»

Sechs- bis sechzehnjährige Mädchen aus dem ganzen Limmattal treten dort auf dem in drei Spielfelder aufgeteilten Kunstrasen gegeneinander an. Die Mannschaften bilden sie vor Ort selber, deshalb müssen sich die Mädchen einzeln anmelden. «Wir wollen damit verhindern, dass sie nicht teilnehmen können, weil sie kein Team zusammenbringen», so Pauli. Bis jetzt haben sich erst sechs Mädchen für das Fussballturnier eingeschrieben. Stattfinden wird es aber so oder so, egal wie viele Anmeldungen bis zum Spieltag eingehen. «Wir haben auch noch ein Alternativprogramm. Aber vielleicht stossen ja noch einige unangemeldet mit ihren Sportkleidern zu uns und machen mit», sagt Steinmann.

Weg in Verein nicht immer leicht

Um die Mädchen am Mittwoch schon das erste Mal einem Fussballclub näherzubringen, werden B-Juniorinnen des FC Schlieren als Schiedsrichterinnen vor Ort sein – sie sind etwa im gleichen Alter wie die Mädchen und finden leichteren Zugang zu ihnen. Viele Mädchen würden den Weg in einen Verein wie den Fussballclub nicht so einfach finden, so Pauli. Dem stimmt auch Steinmann zu. «Gerade Mädchen mit Migrationshintergrund kennen das Vereinsleben oft wenig», sagt sie. Damit sie Einblick in den Alltag eines Fussballclubs erhalten, dürfen alle Mädchen, die am Mittwoch am Fussballturnier mitmachen, ab dem 11. Mai zwei Mal an Schnuppertrainings teilnehmen. Trainiert werden sie dort von Spielerinnen des FC Schlieren. Es gehe nicht darum, die besten Spielerinnen für den Club zu gewinnen, betont Pauli. «Nein», meint auch Steinmann, «die Mädchen sollen einmal miterleben, wie so ein Training abläuft. Sie sehen zum Beispiel, dass nicht der Trainer, sondern sie selbst das Tor aufstellen und daran denken müssen, ihre Trinkflaschen und Sportsachen mitzubringen.» Dadurch lernen sie, Verantwortung für ihr Team und sich selbst zu übernehmen. Und auch ihr Selbstvertrauen, das oft kleiner als jenes der Jungen sei, werde gestärkt, so Steinmann. Die Trainings sollen aber auch auf das «Girls-Fussballfest» am 18. Juni auf dem Hönggerberg vorbereiten und «Gluscht» auf die Fussballcamps im Sommer und Herbst machen.

Die Fussball-Anlässe, die Pauli und Steinmann mit «Girls wanted» und der Unterstützung anderer Organisationen in den nächsten Monaten organisieren, sollen später auch ausserhalb des Limmattals stattfinden. «Unser Ziel ist es, in allen zwölf Bezirken des Kantons Zürich dasselbe umzusetzen», so Steinmann. «Schlieren ist erst der Anfang.» Steinmann ist schon ein bisschen nervös. Nicht wegen des Fussballspiels – die ehemalige Masseurin des FC Schlierens trainiert bereits seit vier Jahren Mädchen in dieser Sportart – sondern weil sie noch nicht weiss, wie das Projekt ankommen wird. «Ich bin mir aber sicher, dass die Mädchen, die am Mittwoch kommen, mit strahlenden Gesichtern vom Fussballplatz gehen werden», so Steinmann.

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