Stadttheater
Lieder aus dem halben Erdkreis

Dodo Hug und ihre Band nahmen das Publikum im Langenthaler Stadttheater mit auf eine abenteuerliche Entdeckungsreise durch verschiedene Länder, Musikstile und Stimmungen.

Brigitte Meier
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Solothurner Zeitung

Singend und erzählend, sinnierend und ausschweifend: Dodo Hug nahm das Publikum im Langenthaler Stadttheater mit auf abenteuerliche Entdeckungsreisen. Den Abend eröffnete sie mit «La culture est une aventure». Ihre Kreise durch die verschiedensten Länder, Musikstile und Stimmungslagen zieht sie nicht allein, sondern begleitet von ihrer Band, die mit viel Drive und unbändiger Spielfreude überzeugte.

Inspiriert von den Kreuzen in Irland, in welchen sich das Kreuz und der keltische Kreis verbinden, hat sie ein Programm zusammengestellt, mit dem sie seit drei Jahren erfolgreich auf Tournee ist. Das Gastspiel in Langenthal ist das zweitletzte dieser Tour. «Unser Leben wird von vielen Kreisen geprägt; dem Lebenskreis, dem Naturkreislauf oder dem Teufelskreis. Wir wollen das Thema aufbrechen und ausdehnen», betonte die Sängerin.

Bunte Klangfacetten

Die Bernerin, die seit langem in Zürich lebt, besingt in schönstem Dialekt: «I bi zBärn gebore im Frouespital.» In Zürich sei zwar alles viel grösser, aber der «hennengeilste» Sound und die schönsten «Meitschi» kämen trotzdem aus Bern, heisst es in dem Lied weiter. Sie spielt mit den Worten und der Musik, verlässt den Kreis und öffnet damit Freiräume.

Zusammen mit Efisio Contini, ihrem langjährigen Bühnen- und Lebenspartner, hat sie viele der Lieder selbst geschrieben, einige Texte oder Songs von anderen Musikern sind vertont und neu arrangiert worden. Dazu kommen Covers von überall auf der Welt. Der sardische Musiker und Komponist beeindruckte mit seiner sonoren Stimme und exzellentem Gitarrenspiel. Bereichert wird die Band durch den kolumbianischen Multiinstrumentalisten Augusto Salazar. Neben seinem differenzierten Spiel mit den tiefen Tönen überraschte er mit einer wohlklingenden Stimme und einer Jodeleinlage. Der junge Akkordeonist Geert Dedapper aus Belgien kam vom klassischen Klavier zum Jazz und komplettiert das internationale Quartett.

Lustvoll, mit viel weiblichem Charme und oft einem Augenzwinkern, betörte sie die Zuhörer und verblüffte mit Sprachwitz: «A woman’s success is a man’s stress.» Temperamentvoll verband sie Tragik und Komik und bezauberte mit ihrem Lächeln und ihrer herzlichen Art. Ihre Mimik variierte sie ebenso wie die Klangfarben ihrer Stimme; dazu spielte sie Gitarre oder Perkussion.

Sie singt, was ihr gefällt

Eigenkompositionen wechselten ab mit Folklore aus Südeuropa, und Chansons reihen sich an Mundartlieder und Covers. Zwei haitianisch-kreolische Lieder weckten Lebensfreude, ebenso der Gesang über die afrikanische Trommel Djembe. Orientalisch angehaucht beschrieb Madame Dodo den Duft, das unsichtbare Fluidum, während in einer Ballade melancholische Akkordeonklänge übers Meer zogen. «Ballerina» erzählte von einer sardinischen Banditin, die im Kugelhagel tanzen konnte, ohne getroffen zu werden. In dem Song der «Living doll» rufts nicht Kuckuck, sondern Botox aus dem Wald. Virtuos wechselt die Wortakrobatin zwischen verschiedenen Sprachen hin und her.

Ganz allein auf der Bühne interpretierte sie das Lied «Die Verdächtigen» des Liedermachers Fritz Widmer. Mit einem kolumbianischen Volkslied eroberte das Quartett die Herzen des Langenthaler Publikums endgültig. Dodo Hug singt, was ihr gefällt. Die vielsprachige Sängerin kümmert sich nicht um stilistische Grenzen, und ihre Melodien stammen vom halben Erdkreis. Kreisrund geschliffen ist der Kreis deswegen nicht. Wie das Leben auf der Erdkugel, die sich zwar um sich selbst dreht und sich trotzdem ständig verändert.

Neues Programm: Am 20. Mai 2011 ist Premiere von «Jokerwoman» in Zug.