Ratgeber Gesundheit
Leidet meine Mutter an Altersdepression?

Meine Mutter (80) klagt oft über Müdigkeit, Schlafstörungen und Vergesslichkeit. Auch hat sie weniger Interesse an sozialen Kontakten und an Aktivitäten, die ihr früher Spass gemacht haben. Könnten dies Zeichen einer Altersdepression sein?

Dr. med. Dan Georgescu
Dr. med. Dan Georgescu
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Gesundheit Aargau
Dr. med. Dan Georgescu Bereichsleiter und Chefarzt, Bereich Alters- und Neuropsychiatrie PDAG

Dr. med. Dan Georgescu Bereichsleiter und Chefarzt, Bereich Alters- und Neuropsychiatrie PDAG

Gesundheit Aargau

Viele ältere depressive Patienten fürchten das Stigma einer psychischen Krankheit und den Verlust der Selbstständigkeit. Deshalb klagen sie eher über Schmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Schlafprobleme oder Vergesslichkeit als über Traurigkeit und Angst. Die abnehmende Lebensfreude und den sozialen Rückzug sollte man nicht bloss als Ausdruck des Alters betrachten, sondern als möglichen Hinweis auf eine Depression. Wichtig ist eine medizinische Untersuchung beim Hausarzt; sie kann eine allfällige körperliche Krankheit oder Nebenwirkungen von Medikamenten als Auslöser der Veränderungen und Beschwerden ausschliessen. Falls sich dabei jedoch der Verdacht auf eine Depression erhärtet, muss eine genauere psychiatrische Differenzialdiagnose erfolgen. Neben der psychischen Befunderhebung und den Fragen zur aktuellen Lebenssituation (Trauer, Sorgen, Ängste, Verlustgefühle, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit) werden dabei auch medizinische Untersuchungen durchgeführt, um hormonelle oder Stoffwechselstörungen zu erfassen. Eine genaue Diagnose ist zwingend, da zwischen einer Depression, die oft Konzentrations- und Gedächtnisstörungen verursacht, und einer hirnorganischen Störung – wie die Alzheimerkrankheit oder die vaskuläre Demenz, die sich durch depressive Symptome manifestieren kann – unterschieden werden muss. Die Diagnose ist Voraussetzung für eine angemessene Aufklärung des Patienten und der begleitenden Angehörigen. Auf dieser Basis sollte ein Behandlungsplan erstellt werden, der bei schwereren Fällen typischerweise neben Psychotherapie und Medikamenten auch andere Therapiemethoden umfasst. Bei leichteren Formen können Gesprächstherapie, Entspannungsverfahren, Bewegung und Sport allenfalls ausreichen. Interdisziplinäre Abklärung, Behandlung und Beratung für ältere Personen mit Depression und anderen psychischen Erkrankungen finden Sie in den Sprechstunden des alterspsychiatrischen Ambulatoriums der PDAG an den beiden Standorten in Aarau und Windisch, siehe www.pdag.ch.