Zürich
Lehrerversammlungen stehen vor dem Aus

Primarschülerinnen und -schüler im Kanton Zürich dürften bald weniger schulfrei haben. Der Zürcher Kantonsrat hat sich heute Montag grundsätzlich für die Abschaffung der Schulkapitel und die Einführung eines Delegiertensystems ausgesprochen.

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Leere Schulzimmer sollen durch die Abschaffung des Schulkapitels seltener werden (Archiv)

Leere Schulzimmer sollen durch die Abschaffung des Schulkapitels seltener werden (Archiv)

Limmattaler Zeitung

Der Besuch der Schulkapitel ist für die Zürcher Volksschullehrerinnen und -lehrer obligatorisch. Sie finden mindestens zwei mal jährlich an einem Nachmittag statt und befassen sich unter anderem mit Lehrmitteln und Lehrplanänderungen. Für die Schülerinnen und Schüler fällt in dieser Zeit der Unterricht aus.

Die vorberatende Kommission für Bildung und Kultur (KBIK) erachtet diese Form der heutigen Schulkapitel als nicht mehr zeitgemäss, wie Kommissionspräsident Ralf Margreiter (Grüne, Zürich) sagte. Für eine Abschaffung sprächen sowohl praktische als auch politische Gründe. Die Leitungsgremien könnten heute in vielen Fällen nur noch unter Zwang besetzt werden.

Der Vorschlag der KBIK sieht neu ein System von Delegierten vor. Die Delegiertenzahl entspricht der Hälfte der Kantonsratssitze eines Wahlkreises. Das führt insgesamt zu etwa 95 Vertreterinnen und Vertretern. Gewählt werden die Delegierten und die Ersatzdelegierten von allen kantonal angestellten Lehrerinnen und Lehrern.

Breite Zustimmung für Abschaffung

Der Systemwechsel wurde von den Kantonsratsfraktionen weitgehend begrüsst. Markus Späth (SP, Feuerthalen) etwa sprach von einer «überragenden Neuregelung». In einem Minderheitsantrag plädierte Späth indes für eine Erhöhung der Delegiertenzahl auf zwei Drittel der Sitzzahl im Kantonsrat.

Diese Änderung würde zu etwa 120 Delegierten führen. Mit dieser Erhöhung käme man den Lehrerorganisationen entgegen, die für eine Zahl von 180 Vertretern plädiert hatten, sagte Späth. Zudem würde mit der Erhöhung eine ausgewogene Vertretung der Bezirke ermöglicht. Den von den Grünen und der EVP unterstützten Antrag lehnte der Rat mit 113 zu 60 Stimmen ab.

Die zwei bis vier vorgesehenen Delegiertenversammlungen sollen allesamt in der unterrichtsfreien Zeit stattfinden. Damit wird die Forderung «Schule findet statt» umgesetzt, die bereits in einer kantonsrätlichen Motion erhoben wurde. Die Vorlage, die eine Änderung des Volksschulgesetzes vorsieht, geht jetzt an die Redaktionskommission. Die Schlussabstimmung findet in etwa vier Wochen statt.