Langenthal
Langenthaler Jugend ist auf den Spuren des Nashorns

Im Rahmen der Kinder-Kulturtage Langnethal erforschen Kinder die Natur am Stadtrand. Der Kurs ist in Zusammenarbeit des Museums Langenthal und dem Verein für Vogelkunde und Vogelschutz Langenthal entstanden.

Jana Fehrensen
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Ueli Marti mit den neugierigen Kindern im Sängeli. jfl

Ueli Marti mit den neugierigen Kindern im Sängeli. jfl

Solothurner Zeitung

Eine kleine Kindergruppe versammelt sich diese Woche am Waldeingang im Sängeli. Ausgerüstet mit Rucksäcken, Lupen und Feldstechern, lauschen die Kinder aufmerksam den Worten Ueli Martis. Er zeigt ihnen gerade eine Spechthöhle in einem morschen Ast. Es handelt sich bei der Gruppe um den Ferienkurs «Auf den Spuren des Langenthaler Nashorns». Dieser Kurs ist in Zusammenarbeit des Museums Langenthal und dem Verein für Vogelkunde und Vogelschutz Langenthal (VVVL) entstanden und wird im Rahmen der diesjährigen Kinder-Kulturtage angeboten.

Dieses Angebot wurde vergangenes Jahr von den fünf Institutionen der Regionalen Kulturkonferenz (Regionalbibliothek, Chrämerhuus, Kunsthaus, Museum und Stadttheater) ins Leben gerufen und beinhaltet Kunst- und Kulturkurse in den Frühlingsferien (wir berichteten). Was vergangenes Jahr als Pilotprojekt lanciert wurde, soll sich zu einer festen Institution entwickeln, die Kindern eine valable Alternative zur Spielkonsole und dem Fernsehprogramm bietet. Um möglichst viele Kinder anzusprechen, beschlossen die Organisatorinnen dieses Jahr eine Mehrfachführung der Kurse – und tatsächlich sind neben Langenthaler Kindern auch viele aus den umliegenden Gemeinden in den Kursen anzutreffen.

Vor Millionen von Jahren

Das Ferienabenteuer im Sängeli steht unter der Leitung von Karin Liechti und Ueli Marti (beide VVVL). Mit ihnen begeben sich die Kinder tiefer in den Wald und versuchen, die verschiedenen Vogelarten am Gesang zu erkennen. Immer wieder fällt die Frage, ob es nun wirklich ein Nashorn im Sängeli gebe. Joel und Marta, die den Kurs bereits im vorigen Jahr besucht haben, lächeln geheimnisvoll in sich hinein, verraten den anderen Kindern jedoch nichts. Das Geheimnis wird bei einer Zwischenstation gelüftet, als Liechti mit den Kindern einen gedanklichen Exkurs in die Vergangenheit unternimmt. Sie erzählt vom warmen Meer, Palmen und Haien und von Nashörnern, die tatsächlich mal in Sängeli-Gebiet vor Millionen von Jahren lebten. Den Beweis dafür lieferten die Knochen, die in der Lehmgrube im Sängeli vor knapp 75 Jahren entdeckt wurden. Ein Foto des im Museum Langenthal ausgestellten Nashorn-Models wird von den Kindern ausgiebig betrachtet.

Doch auch die heutige Natur hat immer wieder Überraschungen für die Kinder parat. So brütet direkt am Ufer des Weihers ein Blässhuhn. Aus nächster Nähe können die Kinder den Vogel und die Eier im Nest beobachten. Ein wahrlich nicht alltägliches Erlebnis. Als eigentliche Fundgruben erweisen sich die Wassergräben in den Matten. Auf einem knappen Quadratmeter wimmelt es dort nur so von unbekannten Tieren: Posthornschnecken und Bachflohkrebse, Wasserskorpione und Köcherfliegenlarven. Für die Kinder eröffnet sich eine neue Welt, die ausgiebig mit den Lupen untersucht werden muss. Das Objekt der Begierde scheinen die Kaulquappen zu sein, die von den jüngsten Kindern in «Qualquappen» umgetauft werden.