Langenthal
Langenthal erhält Zentrum für Drogenkranke

Die Stadt erhält ein eigenes Zentrum für ambulante Suchtbehandlung: eine Methadonabgabestelle. Die Stelle wird morgens und bis zu zweimal die Woche auch am Abend geöffnet sein.

Urs Byland
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Solothurner Zeitung

Langenthal erhält ein Zentrum für ambulante Suchbehandlung (ZAS). Was etwas abgehoben tönt, ist ganz einfach eine Methadonabgabestelle. Dies vermeldete Kurt Bachmann, Präsident der Genossenschaft Solidarität, an der Generalversammlung im «L’Auberge». Eigentlich sei dies nicht der richtige Zeitpunkt für diese Information, erklärte noch während der Generalversammlung Franziska Reist, Regionalstellenleiterin Oberaargau-Emmental von Contact Netz. Die bernische Stiftung für Jugend-, Eltern- und Suchtarbeit wird das ZAS führen.

Bachmann jedoch hatte guten Grund, dies seinen Genossenschaftern bereits mitzuteilen. Denn «Solidarität» will im Merkur-Gebäude an der Bahnhofstrasse eine Tagesstätte für Erwachsene mit einer psychischen Behinderung einrichten, die «kaum aus ihren eigenen vier Wänden kommen». Laut Bachmann sollen in der Tagesstätte, die von 9 bis 16 Uhr geöffnet sein wird, Beschäftigungsprogramme angeboten werden. Möglich wurde die Tagesstätte, nachdem ein Gesuch des kantonalen Alters- und Behindertenamts bewilligt worden sei. «Die Personaldecke wird aber dünn sein», erklärte Bachmann. 180 Stellenprozente seien vorgesehen, was eine vernünftige Personalplanung verunmögliche. Deshalb sei man auf die Suche nach einem Partner gegangen und habe diesen mit Contact Netz gefunden.

Dieses wird das ZAS beinahe vis-à-vis dem Merkurgebäude auf der anderen Seite der Bahnhofstrasse im Unia-Gebäude einrichten. Geöffnet ist das ZAS jeweils morgens von 7 bis 9 Uhr sowie ein-, zweimal in der Woche am Abend von 17 bis 18 Uhr. «Ideal für ein Jobsharing also», sagte sich Bachmann. Gemeinsam komme man auf 260 Stellenprozente und könne für die Tagesstätte wie auch für das ZAS durchs Jahr hindurch eine Zweierbesetzung garantieren.

Bessere Betreuungsqualität

Beim Kanton begrüsst Sabine Schläppi, Gesundheits- und Fürsorgedirektion, die Zentralisierung der Abgabe von Methadon, nachdem ein Hausarzt in der Region mit der Methadonabgabe aufgehört hat. Sie sei überzeugt, dass sich auch die Betreuungsqualität für die Klienten verbessere. Laut einer Umfrage bei den Hausärzten darf das Zentrum mit 30 bis 40 Benutzern rechnen. Insgesamt leben in der Region 160 bis 180 Methadonbezüger. Erfahrungen mit dem ZAS in Bern seien bisher positiv verlaufen. «Es kommt nicht zu einer Szenenbildung. Die Klienten kommen, konsumieren ihr Methadon und gehen wieder.» In Bern werden Methadon und Heroin an getrennten Zentren abgegeben. In Langenthal soll nur Methadon abgegeben werden. In Thun, Biel und Burgdorf werden Methadon und Heroin am gleichen Ort abgegeben.

Die Einrichtung eines Zentrums entspreche der Empfehlung des Kantonschemikers, erklärt Schläppi. Dennoch werde der Kanton noch eine Bewilligung für den Umgang mit Betäubungsmitteln geben müssen.

Professionalisierung erwünscht

Bereits im Bild über das ZAS-Projekt ist auch Reto Müller. Der Gemeinderat Soziales begrüsst auf Anfrage die «Zentralisierung und Professionalisierung» in Langenthal. Mit dem neuen Angebot falle für viele Drogenabhängige die Pendlerei nach Burgdorf oder sogar Bern weg. Vorab in der Hauptstadt ist die überlaufene Drogenanlaufstelle an der Hodlerstrasse ein Dauerbrenner; doch der Kanton verweigert der Stadt die Eröffnung einer zweiten Drogenanlaufstelle zur Entlastung des Berner Bollwerk-Areals.

Die Tagesstätte der Langenthaler Genossenschaft «Solidarität» läuft seit gestern Nachmittag im Probebetrieb – und öffnet offiziell am 1. Juli. Die ZAS-Eröffnung soll am 1. ugust folgen.Mitarbeit: S. Thomi

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