Niederbipp
Künstler stellen im Räberstöckli aktuelle und frühere Werke aus

Die neue Ausstellung im Räberstöckli erinnert an die Sommerakademien von 1976 bis 1981. Damals übten sich Studenten in Öl- und Aquarellmalen, Zeichnen und anderen künstlerischen Bereichen. Nun werden diese Werke mit einem aktuellen Werk ausgestellt

Brigitte Meier
Merken
Drucken
Teilen
Bei den Vernissage-Besuchern lebt nicht nur ein Teil ihrer Geschichte auf, sie hören im Hier und Jetzt gebannt den Musikanten zu. fotos: Felix Gerber

Bei den Vernissage-Besuchern lebt nicht nur ein Teil ihrer Geschichte auf, sie hören im Hier und Jetzt gebannt den Musikanten zu. fotos: Felix Gerber

Solothurner Zeitung

«Nur über die Provinz kommt man in die Welt». Die Worte des Niederbipper Dichters Gerhard Meier sind bezeichnend für die legendären Sommerakademien – und werden von Silvia Bögli zur Eröffnung der Ausstellung im Räberstöckli zitiert. Die Präsidentin des Kulturvereins bedankt sich bei Edith Wagner. Ohne sie und ihren verstorbenen Ehemann Hans Rudolf Wagner wäre die Internationale Akademie für Bildende Künste (IABK) nicht möglich gewesen.

30 Jahre nach dem letzten Seminar hat Edith Wagner auch die Idee der Ausstellung unterstützt und den Organisatorinnen all ihre vorhandenen Unterlagen überlassen. «Ich freue mich über die vielen Begegnungen anlässlich der Vernissage. Gleichzeitig ist diese Feier auch ein schwieriger Moment», sagt Edith Wagner, als sie vor dem Ölbild mit dem Porträt ihres Mannes steht.

Erinnerungen an eine frühere Zeit

Den Stein ins Rollen brachte Ueli Dolder: «Ich bin in Niederbipp aufgewachsen und hatte die Vision: Künstler sollten wie eine Familie zusammenleben». Seine Idee, etwas ähnlich Spannendes wie die Kokoschka Sommerakademie in Salzburg auf die Beine zu stellen, begeisterte die Kunstförderer Hans Rudolf und Edith Wagner. Unter ihrer Regie entstand im alten Spital ein «Haus der Kunst». Unterstützt wurden sie dabei vom Amsterdamer Professor Kurt Löb.

Am 26. Juli 1976 wurde das erste Sommerseminar der IABK eröffnet. Während dreier Wochen übten sich Studenten in Öl- und Aquarellmalen, Zeichnen, Landschaftsmalerei, Plastik, Keramik und freier Grafik. Darunter auch Ueli Dolder: «Ich habe viel über die Lasurtechnik gelernt. Ich malte vorwiegend Frauenporträts – und unter anderem meine Mutter», sagt der Künstler aus Eggiwil und erinnert sich an diese Zeit. Als Dozenten unterrichteten bekannte Künstler wie Martin Ziegelmüller, Peter Travaglini, Jürg Häusler, Heini Bürkli, Walter Geissberger, Arthur Moll sowie Stefan Bieri.

Apéro von der Wildsauzunft

Im Erdgeschoss sind die diversen Künstler mit einem aktuellen und einem früheren Werk vertreten. Eine Chronologie über die sechs Seminare wird dabei im Spycher aufgezeigt. Dort steht unter anderem eine Staffelei neben einer Originalliege des alten Spitals Reberhaus. Im ersten Stock hängen gerahmte Drucke aus den damaligen Mappen, die käuflich sind. Die Seminararbeiten finden Besucherinnen und Besucher in entsprechenden Zeichnungsmappen.

«Für uns vom Kulturverein bedeuten die Sommerakademien einen interessanten geschichtlichen Teil unseres Dorfes. Für viele der Vernissagebesucher sind sie ein faszinierender Teil ihrer eigenen Geschichte», sagt Silvia Bögli. An der musikalisch umrahmten Eröffnung wird der Apéro von der Wildsauzunft serviert. Dazu kennt Bögli eine schöne Geschichte: «Gegründet wurde die Zunft von Hans Rudolf Wagner. Die Mitglieder haben an jeder Akademie mitgeholfen und speziell die ausländischen Teilnehmer erfreut. Ihre Vereinsfahne wurde von Dozent Peter Travaglini entworfen und im Kloster Solothurn gestickt».

Auch Amateure profitierten

Herzlich begrüsst wurde Martin Ziegelmüller: «Ehrlich gesagt, war ich anfänglich ziemlich skeptisch. Aber die enthusiastischen jungen Künstler liessen sich nicht abhalten, diese Verrücktheit zu tun.» Ziegelmüller dozierte an allen Akademien: «Wir boten ein anspruchsvolles Programm. Gerade deshalb profitierten auch Amateure von dieser Ausbildung», sagt der 76-Jährige. Zu seinen talentiertesten Schülern zählte Bäckermeister Hans Schweizer aus Eptingen BL, dessen Aquarell «Wintertag» zusammen mit anderen Werken von IABK-Teilnehmern ausgestellt ist. Übrigens ist Wolfgang Zät, der Sohn von Martin Ziegelmüller, ein Künstler aus jener Zeit, der wirklich durchgedrungen ist.

«Vielleicht ist die IABK in hundert Jahren vergessen – und vielleicht heisst Niederbipp dann Amrain, wie Gerhard Meier sein Dorf nannte», sagt Ziegelmüller und fügt an: Aber bestimmt ist diese Ausstellung ganz im Sinn des Schriftstellers: «So ist Kultur nicht eine elitäre Sache.»