Unterengstringen
Künstler des Limmattals - Staffelei kommt nach Hause

Das Ortsmuseum widmet mit dem bekannten Grafiker Otto Baumberger und dem Maler Herman Hofmann gleich zwei lokalen Künstlern eine Ausstellung.

Sandro Zimmerli
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Unterengstringer Ortsmuseum widmet Künstlern eine Ausstellung
9 Bilder
Otto Baumberger. Der Grafiker und Maler wohnte von 1931 bis 1953 auf dem Landsitz Weid in Unterengstringen.
Auch die Staffelei von Hermann Hofmann ist eine Schenkung, die das Ortsmuseum nun zeigt.
Hermann Hofmann. Der Maler wurde 1920 in Ems geboren und zog acht Jahre später nach Unterengstringen. Dort lebte er ununterbrochen bis zu seinem Tod 1996.
Bruno Weber Max Gubler Ausstellung.
Bruno Weber Max Gubler Ausstellung.
Bruno Weber Max Gubler Ausstellung.
Bruno Weber Max Gubler Ausstellung.
Gubler: Selbstbildnis von 1959.

Unterengstringer Ortsmuseum widmet Künstlern eine Ausstellung

zvg

Der Boden war von Farbflecken übersät, die Tapeten hingen teilweise in Fetzen von der Wand. So präsentierte sich Otto Baumbergers neue Wohnung, als er sie 1931 zum ersten Mal sah. Gleichwohl blieb er mit seiner Familie 22 Jahre in der Weid wohnen. Dort, auf dem altehrwürdigen Unterengstringer Landsitz, richtete der damals 42-jährige Lehrbeauftragte an der Architekturabteilung der ETH sein Atelier ein. Baumberger hatte sich da bereits einen Namen als Grafiker gemacht. Unter anderem gestaltete er Plakate für das Modehaus PKZ, für die er heute als Erneuerer der Schweizer Plakatkunst gelobt wird. Auch als Bühnenbildner und Mitarbeiter beim Satire-Magazin «Nebelspalter» war Baumberger vor seiner Unterengstringer Zeit schon tätig.

Das Werk des 1889 in Altstetten geborenen Künstlers umfasst jedoch wesentlich mehr als seine Plakate. Baumberger war auch bekannt für seine Buchillustrationen. Für die Landesausstellung 1939 schuf er ein 45 Meter langes Wandbild mit Darstellungen aus der Schweizer Geschichte. Die Limmat oder das Kloster Fahr waren immer wieder Sujets für seine Bilder. Sie alle entstanden in Unterengstringen. So auch die sogenannte Weid-Mappe. In ihr sind über 50 Bleistift- und Farbstiftzeichnungen sowie Aquarelle des gleichnamigen Landsitzes gebündelt. Auch nach seinem Wegzug aus Unterengstringem im Jahr 1953 blieb Baumberger dem Limmattal treu. Bis zu seinem Tod 1962 wohnte er auf dem Bruderberg oberhalb von Weiningen.

Nun, 52 Jahre später, kehrt Baumbergers Staffelei samt Arbeitstisch, Pinseln und anderem Werkzeug wieder zurück in die Weid. Dort wird der ehemalige Arbeitsplatz des Künstlers zusammen mit einigen Werken, unter anderem Bilder aus der Weid-Mappe, im Ortsmuseum ausgestellt. Oscar Bamert, Obmann des Ortsmuseums, sagt: «Vor rund eineinhalb Jahren hat uns Otto Baumbergers Sohn Rudolf den Arbeitsplatz seines Vaters vermacht. Seither war für uns klar, dass wir ihn in irgendeiner Form der Öffentlichkeit präsentieren müssen.»

Nun ist es so weit. Am kommenden Sonntag sind die Exponate erstmals zu sehen. Allerdings nicht so, wie es vor eineinhalb Jahren ursprünglich geplant war. Dafür verantwortlich ist eine weitere Staffelei. «Von der Dietiker Künstlerin Anna Helfer haben wir eine weitere Staffelei erhalten. Sie gehörte Hermann Hofmann, mit dem Helfer befreundet war», so Oscar Bamert.

Ihre Kunst erlangte schweizweite Bedeutung

Das Ortsmuseum Unterengstringen widmet Otto Baumberger und Hermann Hofmann eine Ausstellung. Beide Künstler waren in der Gemeinde tätig, erlangten aber weit über die Region hinaus Bekanntheit. Baumberger wird für seine grafischen Arbeiten heute als Erneuerer der Schweizer Plakatkunst gefeiert. Hofmann erfreute viele Kunstfreunde mit seinen Landschaftsbildern und später mit seinen abstrakten Werken.

Sie sind nicht die einzigen Künstler, die vom Limmattal aus die Kunstwelt eroberten. Wie Baumberger und Hofmann wirkte auch Max Gubler in Unterengstringen. 1937 zog es den 1898 in Zürich geborenen Künstler ins Limmattal. Vor allem die Landschaft rund ums Kloster Fahr, in dessen Nähe sich sein Atelier befand, inspirierte ihn. Bis 1957 war seine Schaffenskraft ungebrochen, dann wurde sie infolge eines nervlichen Zusammenbruchs stark beeinträchtig. 1961 nach, dem Tod seiner Frau, erlosch sie ganz. Gubler starb 1973 in der Klinik Burghölzli.

Im Limmattal hat Gubler nicht nur mit seinen Bilder Spuren hinterlassen. Für den jungen Bruno Weber war ein Treffen mit Gubler die Initialzündung selber Künstler zu werden. Der Dietiker startete seine Karriere ebenfalls als Maler, ehe er ab den 1960er-Jahren mit dem Bau seines Skulpturenparks auf dem Grenzland zwischen Dietikon und Spreitenbach begann. 2012 wurde der Wassergarten eingeweiht und damit Webers Werk vollendet. Der Künstler war da bereits tot. Er starb 2011 im Alter von 80 Jahren.

Ebenfalls in Dietikon tätig war der 1931 in Baar geborene Josef Staub. Auch er war zuerst als Maler tätig, bis er sich Mitte der 1960er-Jahre zur Plastik hinwendete. Seine Chromstahl-Arbeiten wurden unter anderem auch in den USA aufgestellt. Staub, der 1957 nach Dietikon zog, starb 2006 in Schlieren.

Wie Baumberger war auch Jörg Hamburger ein renommierter Grafiker und Plakatkünstler. Zwei seiner zahlreichen Plakate wurden ins Museum of Modern Art in New York aufgenommen. Hamburger lebte seit 1967 in Dietikon. Er starb dieses Jahr mit 78 Jahren.

Bruno Weber in einem Selbstporträt.
3 Bilder
Josef Staub
Selbstporträt: Max Gubler.

Bruno Weber in einem Selbstporträt.

zvg

Vom Flach- zum Kunstmaler

So firmiert der neue Ausstellungsteil jetzt unter dem Namen «Lokale Künstler. Die Arbeitsplätze und Bilder von Otto Baumberger und Hermann Hofmann». Denn auch Hofmann war in Unterengstringen tätig. 1920 in Ems geboren lebte er ab 1928 bis zu seinem Tod ununterbrochen in Unterengstringen.
Im Gegensatz zu Baumberger, der sich nach einer abgebrochenen Textilzeichnerlehre zum Lithografen ausbilden liess und schon früh zwecks Studienaufenthalten ins Ausland reiste, schlug Hofmann einen anderen Weg ein. Nach einer Lehre als Flachmaler gründete er bereits mit 22 Jahren sein eigenes Malergeschäft. Es befand sich damals im alten Dorfteil von Unterengstringen.

Seine ersten Ölbilder entstanden im Winter 1946/1947. Weil in der kalten Jahreszeit die Bautätigkeit praktisch eingestellt war, versuchte Hofmann, mit Bildern etwas dazuzuverdienen.
Der Drang, als Kunstmaler tätig zu sein, wurde durch die Nachbarschaft zum Künstler Max Gubler, der sich ebenfalls in Unterengstringen niederliess, weiter verstärkt (siehe Text unten). Inspiriert wurde er unter anderem von Gublers Motivwahl. Schon bald bannte auch Hofmann die Klosterdächer, den Klosterkanal, das Weininger Feld oder das Schlieremer Gaswerk auf die Leinwand.

Mit den ersten Ausstellungen folgten auch die ersten Erfolge. Hofmann entschloss sich deshalb, sich immer mehr der Kunst zuzuwenden und sein Tätigkeit auf seinem angestammten Beruf weiter einzuschränken, bis er ihn bald darauf ganz aufgab. Mit der Zeit wandte sich Hofmann immer stärker ab von konkreten Landschaften und widmete sich der abstrakten Malerei.

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Marek Okula 54, Dietikon «Ich bin ein Fan von H.R. Giger, da er etwas Neues ausprobiert hat.»
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Filippo Di Caprio 75, Glanzeberg «Mir gefallen die Landschaften von Da Vinci sehr.»
Patrizia Reuz 31, Dietikon «Monets Seerosen sind sehr schön und beeindruckend.»
Eveline Ackermann 55, Dietikon «Mir gefällt Anker wegen seiner Motive sehr gut.»

Marek Okula 54, Dietikon «Ich bin ein Fan von H.R. Giger, da er etwas Neues ausprobiert hat.»

Olivier Meier