Treibstoffpreise
Kunden in der Region profitieren vom Benzinkrieg an den Tankstellen

Beim Vorbeifahren an Tankstellen reiben sich Autopendler seit einigen Wochen die Augen: Bis zu elf Rappen kostet Benzin bleifrei derzeit im Raum Langenthal/Oberaargau weniger als an Tankstellen am Jurasüdfuss und anderswo.

Bruno Utz
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Benzinkrieg

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AZ

Für Diesel liegt der Preisvorteil sogar bei zwölf Rappen. Und das bei den gleichen Tankstellenmarken wie Coop oder Ruedi Rüssel.

«Der Oberaargau und der Raum Neuenburg sind die historischen Benzinpreis-Schlachtfelder», kommentiert Rolf Hartl die aktuelle Preissituation. Laut dem Geschäftsführer der Schweizerischen Erdölvereinigung entsprechen die Oberaargauer Preise in etwa den Selbstkosten. «In Zürich bezahlt man für einen Liter bleifrei Fr. 1.70.» Wegen des seit vielen Jahren sinkenden Benzinverbrauchs in der Schweiz versuchten die Tankstellenbetreiber, ihre Marktanteile über den Preis zu halten oder gar zu steigern. Hartl: «Lange Zeit sind solche Tiefstpreise aber nicht möglich.»

Spätestens in einem Monat vorbei

Herbert Schüpbach – der Besitzer der 23 Gustoil-Tankstellen gilt als «Oberaargauer Tankstellenkönig» – bestätigt Hartls Einschätzung: «Ich gehe davon aus, dass der Preiskrieg in einem Monat zu Ende ist.» Schüpbach nennt die Eröffnung der grossen Landi-Tankstelle in Melchnau von Mitte November 2010 und den wenig später erfolgten Tankstellenwechsel der Garage Gautschi in Langenthal von BP zu Ruedi Rüssel als Auslöser. «Die Absatzvolumen sind verteilt. Nur wer mit den Tiefpreisen mithält, behält seine Kunden, die anderen verlieren sie», sagt Schüpbach.

Derzeit werde im Raum Langenthal zum Einstandspreis verkauft. Ein solches Marktverhalten sei jedoch nur punktuell möglich. «Am besten wäre, wenn sich das lokale Preisspielchen zu einem Flächenbrand ausweiten würde. Würden auch die Tankstellen in Niederbipp und Solothurn mitmachen, so wäre der Krieg bald zu Ende.»

Dem aktuellen Treiben schaut Bruno Fankhauser eher gelassen zu. Der Langenthaler Velo-/Moto-Händler hat seine Kleintankstelle an Avia verpachtet und die verlangt derzeit für den Liter bleifrei Fr. 1.57. Es sei jedoch noch nicht sicher, ob Avia den in anderthalb Jahren auslaufenden Vertrag erneuern wird. «Im Moment scheint es mir, als ob die Grossen die Kleinen vernichten wollten», sinniert Fankhauser.

Nichts wissen von einem Preiskrieg will Markus Oppliger, Leiter Tankstellen bei der Oel-Pool AG. Die zur Holding der Lagerhäuser der Zentralschweiz gehörende Firma betreibt mittlerweile rund 300 Tankstellen der Marken Ruedi Rüssel, Flamol, Vollan und Miniprix. Es sei üblich, einen «Eröffnungsrabatt» zu gewähren, verweist er auf die Übernahme der Gautschi-Tankstelle. «Wir wollen den Kunden zeigen, dass wir auf dem Platz sind.»

Das Mitmachen der lokalen Coop-Tankstellen begründet der Mediensprecher der Coop Mineralöl AG, Jürg Kretzer, so: «Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, dass wir zu den Günstigsten gehören.» Coop sei aber nie der Vorreiter und verkaufe auch nie ohne Gewinn. «Wir reagieren, agieren aber nicht.»