Attiswil
Kulturundum löst ein rundum positives Echo aus

Zur Halbzeit von Kulturundum treffen sich Künstlerinnen, Künstler und Landbesitzer. Sie zeigen sich zufrieden mit dem Anlass. Der Kunstweg ist noch bis zum 30. Oktober geöffnet.

Renate Bigler-Nägeli
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Landwirt Adrian Kurth mit den Künstlerinnen Astrid Pauli und Anna-Elisabeth Hofer. rbw

Landwirt Adrian Kurth mit den Künstlerinnen Astrid Pauli und Anna-Elisabeth Hofer. rbw

Solothurner Zeitung

Gerade als die Organisatoren des Halbzeitfestes Tische und Festbänke beim Attiswiler Schützenhaus bereitgestellt hatten, brach der Regen wie aus Kübeln vom Himmel herunter. Alles musste ins Schützenhaus gezügelt werden. Trotzdem zeigt sich OK-Präsidentin Nicole Rebholz gegen Ende des Nachmittags zufrieden mit dem Anlass: «Zwei Drittel der eingeladenen Künstlerinnen und Künstler sind gekommen.» Warum von den ebenfalls eingeladenen Landbesitzern nur drei erschienen waren, konnte sie sich hingegen nicht ganz erklären.

Adrian Kurth, Landwirt aus Attiswil, liess sich den Anlass nicht entgehen. Auf seinem Grundstück südlich der Umfahrungsstrasse in Richtung Kiesgrube stehen zwei Objekte, und «em Schmid Sämi si Bank». Letztere, die Bank von alt Bundesrat Samuel Schmid, wird von den Wanderern rege benutzt. Und weil der Rundweg direkt an seinem Hof vorbeiführt, richtete Kurth eine kleine Besenbeiz ein. Diese Initiative wird vom OK sehr gelobt. Auf Kurths Land stehen die «Lebensschleifen» von Astrid Strahm: «Strahms haben mich selber gefragt, ob sie hier aufstellen dürfen.»

Lieblingsobjekte der Landwirte

In der Regel wurden die Landbesitzer allerdings vom Ortsverein angefragt. «Niemand hat sich dagegen gesperrt», sagt Peter Hohl, Altlandwirt. Auf dem Land seines Sohnes Hanspeter befinden sich die «Fünflinge», die «fliegenden Menhire» und das Kunstobjekt seines Bruders Jörg, «Aufbruch» genannt. Herzstück von «Aufbruch» ist ein alter Pflug, deshalb spricht es Peter Hohl an. Hier spürt er einen Bezug, etwas das ihn berührt.

Er zeigt im Kunstweg-Führer, welche der Kunstobjekte ihm noch gefallen. Nummer 38 beispielsweise, «motion xy». Gemäss Führer: «Vom Winde bewegte gerade Linien des kinetischen Objekts, die im Gegensatz stehen zu den starren, aber bewegten Horizontlinien, Landschaftslinien, Architekturlinien». Das fasziniert Hohl: «Es ist nie gleich, es verstellt sich immer wieder.» Adrian Kurth findet Nummer 23 ebenfalls originell, die mit der Motorsäge aus einem Baumstamm geschnittene «Kultura».

Kann man Kunst definieren?

Zusammen mit den Künstlerinnen Nicole Monard (ihre 15 Erdeier scheinen Kunst-Wanderer so angesprochen zu haben, dass gleich drei verschwunden sind) und Ursula Steiner, die am selben Tisch sitzen, entsteht eine rege Diskussion darüber, was nun eigentlich Kunst genau ist. Kann man sie definieren? «Eine der Künstlerinnen hat mir gesagt, Kunst sei, wenn etwas jemandem Freude mache und man sich mit einem Objekt auseinandersetze», sagt Hohl. «Kunst muss im Betrachter ein Gefühl auslösen», betont Ursula Steiner, und die Anwesenden nicken. Man ist per Du, die Stimmung ist locker.

Auf ihrem Arbeitsweg hätten sie die Kunstobjekte alle schon mehrmals betrachten können, sagen die Landwirte. Der Aufwand vor dem Aufstellen oder jetzt während der Vegetation sei nicht gross. Man müsse halt um das Objekt «drum umemäje». Mehr nicht. Dass der Rundweg sauber bleibt, dafür sorgen die Mitglieder des OK. «Wir gehen jedes Wochenende den Abfall einsammeln», betont Präsidentin Nicole Rebholz.

Landwirt als Kunstobjekt

Wenn ganze Gruppen unterwegs seien, dann würde er von den Besuchern manchmal selber als Kunstobjekt angesehen, meint Adrian Kurth und schmunzelt. «Die gehen einfach nicht auf die Seite, wenn ich mit dem Traktor komme.»

Ebenfalls Landbesitzer, wenn auch von Pachtland, ist der Posthalter und Hobby-Pferdehalter Ruedi Schaad. Auf seinem Land an der Umfahrungsstrasse steht das grosse Rad, welches – wie der rosarote Kirchturm – schon von weit her sichtbar ist.

Die Pferde hätten schon etwas verwundert geschaut, als das Rad plötzlich auf ihrer Weide stand, meint er. Doch sie hätten sich schnell daran gewöhnt. Der Rundweg führt an seinem Wohnhaus vorbei, und so kommen seine Frau und er immer wieder mit Besuchern ins Gespräch. «Das Echo ist durchwegs positiv, wir spüren eine grosse Anerkennung, dass die Attiswiler so etwas auf die Beine stellen konnten.»

Der Kunstweg ist noch bis zum 30. Oktober geöffnet. Neu wird ein Fotowettbewerb lanciert. Infos darüber auf www.kulturundum.ch

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