Kreditkarten: Jetzt funkt es an der Kasse

Bei Migros, ZVV und SBB können Konsumenten schon bald schnell und ohne PIN-Code mit Funk-Kreditkarten bezahlen.

SaW Redaktion
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Mit einer kurzen Mitteilung hat die Migros ein neues Zeitalter eingeleitet. «Im Herbst» seien alle Kassen auf die neue «Contactless»-Funktechnologie für Kreditkarten umgerüstet, teilte die Detailhändlerin am Freitag mit. Wer eine entsprechende Visa oder Mastercard besitzt, muss diese an der Kasse nur noch kurz ans Lesegerät halten, und schon ist der Einkauf bezahlt – bist zu einem Betrag von 40 Franken ohne PIN-Code.
Ein Datum für den Start nennt die Migros noch nicht. Informationen der «Schweiz am Sonntag» zufolge dürfte die Umstellung Ende Oktober stattfinden. Bis dahin muss die Geräteanbieterin SIX Group alle Kassen mit neuen Lesegeräten auf die Technologie Near Field Communication (NFC) umgerüstet haben.
Die Meldung lässt aufhorchen. Zwar gibt es die Zahlsysteme «PayWave» von Visa und «PayPass» von Mastercard schon lange. Bereits 2007 wedelte die damalige Miss Schweiz Christa Rigozzi medienwirksam mit einer Mastercard und bezahlte auf diese Weise einen theoretischen Einkauf. Die Kioske von Valora und Filialen von Starbucks akzeptieren inzwischen standardmässig NFC-Kreditkarten. Doch dem Vernehmen nach mit eher mässigem Erfolg. Viele Konsumenten wissen noch gar nicht, dass es das gibt. «Schon bei EC-Direct kam der Durchbruch in der Schweiz erst, als die Grossverteiler einstiegen», sagt Thomas Heldner, der bei SIX Payment Services für nationale und internationale Grosskunden zuständig ist. «Entsprechend bedeutend ist die Lancierung durch die Migros.» Auch Coop rüstet seine Kassen um, wenn auch nicht ganz so schnell. Im Verlauf des Jahres sollten die meisten Terminals ersetzt werden, sagt Pressesprecherin Denise Stadler.
Recherchen zeigen, dass weitere Unternehmen ihre Systeme umstellen. So lanciert auch der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) das kontaktlose Bezahlen an seinen Billettautomaten. 28 Geräte würden in den nächsten Tagen als Versuch aufgeschaltet und entsprechend gekennzeichnet, bestätigt Pressesprecher Thomas Kellenberger. Laufe alles problemlos, führe man die Funktion nach rund einem Monat flächendeckend ein.
Auch die SBB stellen demnächst die ersten Billettautomaten auf, an denen die Funkbezahlung funktioniert. In einer Grossaktion wechseln die Bundesbahnen ab Herbst die 1000 ältesten Touchscreen-Automaten gegen solche einer neuen Generation aus, wie Sprecherin Franziska Frey erklärt. «Die kontaktlose Kreditkartenzahlung bis 40 Franken ist an diesen Automaten ab dann möglich.» Der Ersatz der Automaten dauere bis ins Jahr 2015, sagt Frey. Daneben sollen die 400 Touchscreen-Automaten der 2. Generation nachträglich für «Contactless» aufgerüstet werden. Dafür gebe es jedoch noch keinen Zeitplan.
Viele Kreditkarteninhaber besitzen schon eine Karte, die das schnelle Bezahlen unterstützt (sie sind mit entsprechendem Logo gekennzeichnet). Heldner schätzt, dass bereits mehr als eine Million Schweizer Kreditkarten funken können. Mastercard liegt dabei etwas vor Visa, denn einige Banken haben erst nur Mastercard aufgemotzt. So auch die UBS. Im Lauf des 4. Quartals 2013 stellt sie nun auch Visa mit Funk-Technik aus, wie Sprecherin Dominique Scheiwiller sagt. Andere Anbieter wie die Cornèr Bank haben bereits beide Marken umgestellt. American Express, die Nummer 3 im Schweizer Kreditkartenmarkt, arbeite ebenfalls an einem Funkprodukt, sagt Evelyn Ruckstuhl von Herausgeberin Swisscard. Es sei vorgesehen, die Karten ab 2014 mit «expresspay» auszurüsten.
Vorläufig kein Thema sei die Funktechnologie bei der Debitkarte Maestro, heisst es bei der SIX Group, welche für die Banken dieses System betreibt. Der Grund dürfte in der Gebührenstruktur liegen. An Kreditkartenzahlungen verdienen die Banken schlicht mehr.
Ins Spiel haben sich auch die Handyhersteller gebracht. Bereits können erste Mobiltelefone über den NFC-Standard funken. Coop und Migros arbeiten zusammen mit Telecom-Unternehmen an Pilotprojekten, solche Telefone zu Bezahl-Geräten zu machen. Zusammen mit Orange und Sunrise habe man eine NFC-Arbeitsgruppe gebildet, sagt Swisscom-Sprecherin Annina Merk.
Doch bis zur Einführung der Kredit-Handys gilt es noch einige Nüsse zu knacken. Voraussichtlich werden die sensiblen Kreditkarten-Daten auf der SIM-Karte des Mobiltelefons gespeichert. Telecom-Betreiber und Kreditkartenfirmen müssen sich daher auf einen Standard einigen. Hinzu kommen die Detailhändler und Firmen, welche die Lesegeräte für die Kassen anbieten. Wo so viele Parteien an einem Produkt werkeln, geht die Entwicklung meist etwas länger.
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