Dietikon
Krebskrank und wunderschön: Ein Workshop verhilft Frauen zu mehr Selbstbewusstsein

Die Stiftung «Look Good Feel Better» bietet Schminkkurse für krebskranke Frauen an – diese Woche fand der erste Kurs im Limmattal statt.

Aline Ilk
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Aline Ilk

Als die Krebspatientinnen den Raum betreten, sind sie noch ein wenig angespannt und nervös. Sie alle sind das erste Mal am Beauty-Workshop der Stiftung «Look Good Feel Better», welcher diese Woche seine Premiere in der Tucare Praxis im Limmatfeld in Dietikon gefeiert hat. Als der Kurs anfängt, lockert sich die Stimmung aber schnell und die Patientinnen fangen an, sich untereinander auszutauschen.

Im kostenlosen Schminkkurs erhalten krebskranke Frauen von erfahrenen Kosmetikerinnen, die ehrenamtlich für die Stiftung arbeiten, hilfreiche Tipps zur Hautpflege und praktische Anleitungen zum Schminken. Erika Baumann, Programmmanagerin und Teamleiterin der Stiftung, ist stolz als eine von über 100 Kosmetikprofis für einen guten Zweck zu arbeiten: «Heutzutage ist es nicht selbstverständlich, dass man seine kostbare Zeit ehrenamtlich zur Verfügung stellt», sagt sie.

Die Kosmetikerinnen (v.l.) Erika Baumann, Lucia Castronuovo und Vita Pellegrino.
8 Bilder
Vita Pellegrino erklärt, wo sie den Stift anlegen müssen.
Mithilfe einer Zeichnung
Die Anwesenden warten auf Anweisungen.
Um diese dann auszuführen.
Konzentriert wird die Wimperntusche aufgetragen.
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Die Kosmetikerinnen (v.l.) Erika Baumann, Lucia Castronuovo und Vita Pellegrino.

Aline Ilk

Laut Josephina Bol, Pflegefachfrau von Tucare, geht es im Workshop vor allem darum, das Selbstvertrauen der krebskranken Frauen zu stärken und ihnen eine Freude zu bereiten. Der Kurs bietet eine gute Ablenkung zum Therapie-Alltag. «Das Aussehen der Patienten verändert sich durch die Krebstherapien und die Medikamente stark», sagt sie. «Mit nur schon ein bisschen Farbe im Gesicht wirken die Patientinnen anders – sie sehen viel frischer aus.» Im Kurs machen sich die Frauen gegenseitig Komplimente. Als einige zu Beginn ihre Perücken absetzen, sagt eine Patientin zur anderen: «Wow, du siehst aber gut aus.» Genau diese Komplimente sind laut Bol sehr wichtig für das Selbstbewusstsein.

Kein üblicher Schminkkurs

Bol betont, es handle sich nicht um einen gewöhnlichen Schminkkurs. «Die Krebstherapien haben verschiedene Nebenwirkungen: extrem trockene Haut, starke Augenringe, Haarausfall oder Flecken im Gesicht.» So sei es beispielsweise für Patientinnen, die während der Therapie ihre Haare verlieren, wichtig, zu erfahren, wie man eine Augenbraue nachschminkt. Und: «Die Patienten zittern zum Teil sehr, was das präzise Schminken erschwert», sagt sie. Auch was die Hygiene betrifft, müssen die Kosmetikerinnen besonders vorsichtig sein. Laut Caroline Kiefer von der Stiftung haben Krebspatienten ein geschwächtes Immunsystem. «Wenn eine Kosmetikerin erkältet ist, suchen wir einen Ersatz für sie, da die Ansteckungsgefahr der Patientinnen erhöht ist», sagt sie. Die Teilnehmerinnen dürfen aus Hygienegründen auch nur im Notfall angefasst werden und die Hände müssen immer desinfiziert sein.

Der zweistündige Kurs ist in zwölf Schritte aufgeteilt. Nach einer kurzen Einleitung wird als Erstes erklärt, wie man sein Gesicht optimal reinigt und seine Haut pflegt. Wenn die Haut vorbereitet ist, kann das Schminken losgehen. Die Krebspatientinnen sollen jeden gelernten Schritt sofort praktisch üben. «Natürlich ist niemand verpflichtet, alle Schminkschritte mitzumachen», sagt Kiefer. Wenn eine Teilnehmerin Schwierigkeiten hat, ist immer eine Kosmetikerin zur Unterstützung da.

Positive Rückmeldungen

Die Stiftung «Look Good Feel Better» feiert dieses Jahr ihr 10-Jahr-Jubiläum in der Schweiz. Entstanden ist die Idee 1989 in den USA. Heute ist das Programm auf allen Kontinenten in 26 Ländern vertreten. In der Schweiz findet der Schminkkurs in 39 Spitälern statt. Laut Kiefer werden seit 2009 sogar Jugendprogramme angeboten, die in Kinderspitäler stattfinden. Auch für Männer gibt es individuelle Angebote.

Mehr zur Stiftung erfahren Sie hier.

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