Religion
Konfessionelle Grenzen überschreiten und näher Zusammenrücken

Am Bettag feiern sämtliche Kirchen der Stadt Langenthal einen gemeinsamen Gottesdienst in der Markthalle. Man ist willens, Grenzen zu überschreiten.

Tobias Granwehr
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Die Organisatoren des überkonfessionellen Bettagsgottesdienstes: Simon Kuert, Roland Knobel, Stefan Thalmann, Robert Zemp und René Hefti (v. l.). tg

Die Organisatoren des überkonfessionellen Bettagsgottesdienstes: Simon Kuert, Roland Knobel, Stefan Thalmann, Robert Zemp und René Hefti (v. l.). tg

Solothurner Zeitung

Kommenden Sonntag findet in Langenthal ein Gottesdienst der besonderen Art statt. Anlässlich der 1150-Jahr-Feierlichkeiten der Stadt haben sich sämtliche Kirchen zusammengetan, um in der Markthalle einen gemeinsamen Bettagsgottesdienst zu feiern.

Vorsitzender des Organisationskomitees für diesen Anlass ist René Hefti. Der Vorstand der Evangelischen Allianz Langenthal habe sich im Frühling 2010 überlegt, was die Kirchen zum Jubiläumsjahr beitragen könnten, sagte er gestern vor den Medien.

Die Evangelische Allianz ist ein Zusammenschluss von staatsunabhängigen Kirchen und Gemeinschaften.

Dazu gehören in Langenthal die Evangelisch-methodistische Kirche, das Evangelische Gemeinschaftswerk, die Schweizerische Pfingstmission, die Familiengemeinde, Vineyard, die freie Missionsgemeinde und als assoziiertes Mitglied die Freie Evangelische Gemeinde.

Der Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag habe sich anerboten, einen kirchlichen Akzent zu setzen, sagte Hefti. Ziel sei, die Bedeutung des Bettages ins Bewusstsein der Menschen zu rücken und zu beleben. Ein weiteres Ziel ist, den Bettag als gemeinsame Institution der Kirchen zu feiern.

Bemühungen für konfessionelle Einigkeit

Auch wenn die diversen christlichen Kirchen in ihrem Gedankengut nicht immer einen gemeinsamen Nenner finden, sind die Vertreter der verschiedenen Kirchen im Vorfeld des Bettags bemüht, Einigkeit zu zeigen.

Roland Knobel, Vizepräsident des Kirchgemeinderates der reformierten Kirchgemeinde, betonte: «Mit diesem Gottesdienst soll der Respekt vor politisch und konfessionell Andersdenkenden in den Vordergrund gerückt werden.» Und: Das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen solle gestärkt werden.

Die Mitglieder der römisch-katholischen Kirche sind in Langenthal eine klare Minderheit, wie Robert Zemp, der Präsident der römisch-katholischen Kirche, feststellte. Es sei für sie dennoch selbstverständlich gewesen, bei diesem Anlass mitzuarbeiten.

«Zusammenrücken und Konfessionsgrenzen überwinden.» So formulierte Stefan Thalmann die Ziele des gemeinsamen Gottesdienstes.

Er ist Pfarrer des Evangelischen Gemeinschaftswerkes und Vorstandsmitglied der Evangelischen Allianz.

Es sei schon lange dessen Ziel, gemeinsame Projekte zu realisieren. «In Langenthal können wir ein Zeichen setzen, dass die Christen willens sind, Grenzen zu überschreiten», so Thalmann. Zemp ergänzte: «So können wir verschiedene Ansichten zusammenbringen.»

Politischer Beitrag zum religiösen Anlass

Laut Simon Kuert, Pfarrer der reformierten Kirche Langenthal, war der Bettag früher stark konfessionell geprägt.

Der Bettag sei ein staatlicher Feiertag, der erst später an die Kirche delegiert worden sei. Deshalb soll auch die Politik in den Anlass am Sonntag involviert werden.

Dafür holte das OK Gemeinderätin Paula Schaub an Bord. Es sei nicht einfach gewesen, jemanden zu finden, der im kirchlichen Kontext einen politischen Beitrag zum Bettag leisten wolle, so Hefti.

Der gemeinsame Bettagsgottesdienst ist ein sogenannter Parallelanlass zu den Jubiläumsfeiern 1150 Jahre Langenthal.

Ursprünglich planten die Kirchen ein grosses Volksfest. Doch das OK der Jubiläumsfeierlichkeiten redimensionierte den Anlass, weil in Kürze die Einweihung des Wuhrplatzes auf dem Programm steht.

Für ein Miteinander

Dennoch sprach Hefti von einem historischen Anlass, denn: Erstmals arbeiten die Landeskirchen in diesem Rahmen mit den staatsunabhängigen Kirchen zusammen.

Laut Hefti erwarten die Organisatoren etwa 400 bis 500 Besucher in der Markthalle. Diese sei zwar nicht gerade ideal für kirchliche Anlässe, dafür wenigstens neutral, sagte er.

Zum morgendlichen Brunch vor dem Gottesdienst sollen 300 Personen kommen. Das sei eine Möglichkeit, sich zu treffen und Menschen anderer Konfessionen kennen zu lernen. Etwa 50 Helferinnen und Helfer aller Kirchen werden im Einsatz sein.

Der Gottesdienst dauert satte eineinhalb Stunden – mit liturgischem Einstieg und Kurzbeiträgen zur Vergangenheit (Simon Kuert), Gegenwart (Paula Schaub) und Zukunft (Team aus verschiedenen Kirchen).

Es werde jedoch nicht langweilig, verspricht Stefan Thalmann: «Wir haben den Anspruch, dass dieser Gottesdienst die Leute anspricht, nicht abschreckt.»

Programm Bettagsgottesdienst:
Ab 8.30 Uhr Brunch in der Markthalle;
10 Uhr Beginn Bettagsgottesdienst;
11.45 Uhr Apéro. Parallel zum Gottesdienst besteht ein Kinderprogramm
für Kinder von 4 bis 12 Jahren im reformierten Kirchgemeindehaus Geissberg.