BVK-Affäre
Kommentar zur BVK: «Die Regierung hat versagt»

Jürg Krebs, Chefredaktor der az Limmattaler Zeitung nimmt in seinem Kommentar Stellung zur BVK-Affäre und stellt die Frage, wieso der angeklagte Anlagechef Daniel Gloor während Jahren selbstherrlich schalten und walten konnte.

Jürg Krebs
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Der Hauptangeklagte, Daniel Gloor, schreitet zum Zürcher Bezirksgericht (Archiv)

Der Hauptangeklagte, Daniel Gloor, schreitet zum Zürcher Bezirksgericht (Archiv)

Keystone

Markus Bischoff, Präsident der Parlamentarischen Untersuchungskommission (PUK), die den Korruptionsfall bei der Personalvorsorge Kanton Zürich (BVK) aufarbeitete, spricht Klartext: «Die Hauptverantwortung (...) trägt der Regierungsrat als oberstes Organ der BVK.» Der Schaden aufgrund der Unterlassungssünden beträgt aus heutiger Sicht einige Hundert Millionen bis 1,5 Milliarden Franken.

Natürlich, die zentrale Figur in diesem Fall ist der wegen Korruption angeklagte ehemalige BVK-Anlagechef Daniel Gloor. Die zentrale Frage aber lautet: Warum konnte er über Jahre hinweg so selbstherrlich schalten und walten, wie es im PUK-Bericht ausführlich beschrieben ist? Es gibt eine klare Antwort: Der Regierungsrat nahm seine Verantwortung bezüglich Führung und Kontrolle nicht wahr.

Erschreckend ist: Es hat bereits seit 1996 an internen wie externen Warnhinweisen nicht gefehlt. Sie wurden aber offensichtlich nicht ernst genommen. Erst 2010 wurde den Versäumnissen und dem Laisser-faire mit der Verhaftung von Gloor Einhalt geboten.

Am Ende bleibt ein zwiespältiges Fazit. Befriedigend ist, dass Verantwortung, Strukturen und Kontrolle der BVK nun klar geregelt werden, eine Wiederholung des Desasters sollte künftig also unterbleiben. Und dennoch: Dass über 15 Jahre und vier Finanzdirektoren hinweg und trotz warnender Hinweise auf das Geschehen ein derartiges Desaster überhaupt entstehen konnte, ist unverständlich. Das Schlimmste ist jedoch: Trotz gerichtlicher und politischer Aufarbeitung bleibt die Unterdeckung der BVK massiv. Das Loch zu stopfen kostet Steuerzahler wie Versicherte Milliarden.