Comedy
Komiker Dirk Stermann: «Österreicher sind brutaler als Deutsche»

Die Komiker Stermann und Grissemann treten im Zürcher Miller’s Studio beim «Österreich Special» auf. Dirk Stermann erklärt im Interview, warum man oft überhört, wenn Österreicher grausige Dinge sagen.

Florian Niedermann
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Die österreichischen Comedians Stermann (rechts) und Grissemann treten im Miller’s Studio in Zürich gemeinsam mit dem Sänger Oliver Welter (Mitte) auf.

Die österreichischen Comedians Stermann (rechts) und Grissemann treten im Miller’s Studio in Zürich gemeinsam mit dem Sänger Oliver Welter (Mitte) auf.

Zur Verfügung gestellt

Herr Stermann, in der Schweiz kennt man viele Österreicher-Witze. Über welchen Schweizer-Witz lachen Sie als austria-assimilierter Deutscher?

Dirk Stermann: Ehrlich gesagt, habe ich keinen Bezug zu Witzen. Und Nationalitäten-Witze sind wegen des Internets und der Globalisierung ohnehin überholt.

Wie meinen Sie das?

In Wien klingen heute die meisten Kinder wie Synchronstimmen der TV-Serie «Emergency Room». Fatalerweise verschwinden nur schon die sprachlichen nationalen Eigenheiten immer mehr. Die Menschen haben sich angeglichen.

Was Sie offenbar bedauern.

Na ja, ich empfinde Eigenheiten als etwas Gutes. Aber heute wirkt es fast gekünstelt, wenn man daran festhält.

Noch immer spricht man aber bestimmte Formen von Humor einzelnen Nationalitäten zu. Das «Österreich Special» im Miller’s Studio ist eher harzig angelaufen. Verstehen Schweizer also den Humor ihrer eigenen Nachbarn nicht?

Ich glaube, das Problem liegt eher darin, dass Schweizer und Österreicher einander nicht gut kennen. Und das, obwohl sie nah beieinander leben. Es kann gut sein, dass die Zwinglianischen Zürcher mit den barocken, saufenden und verfressenen Katholiken aus dem Nachbarland auch aus historischen Gründen nichts anfangen können.

Weil die Protestanten zum Lachen in den Keller gehen?

Das sagen die Österreicher aber vor allem über die Deutschen. Und das, obwohl alle Welt weiss, was die Österreicher in ihren Kellern so treiben. Es ist definitiv besser, im Keller zu lachen als die eigenen Kinder dort einzusperren.

Den Österreichern sagt man einen schwarzen, zynischen Humor nach. Woher kommt der?

Die Österreicher haben eine sehr melodiöse Sprache. Wenn die so reden, klingt das so schön, dass man nicht merkt, was für grausige Dinge sie sagen. Österreicher sind im Vergleich brutaler als etwa deutsche Comedians. Und sie nehmen sich gerne selbst auf die Schippe, suhlen sich geradezu in ihrem Elend, während Deutsche eher über andere Witze machen.

Sie und Grissemann oder auch der Chansonnier Georg Kreisler sind hierzulande vielen ein Begriff. Welche Schweizer finden Sie lustig?

Ohne Rolf finde ich grandios. Die haben eine eigene Kunstform geschaffen.

Nach harzigem Start stieg die Nachfrage

Dirk Stermann (50) und Christoph Grissemann (49) sind als Satiriker weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt. Ihre Late-Night-Show «Willkommen Österreich» auf ORF 1 hat auch hierzulande eine grosse Fangemeinde. Ab morgen Donnerstag treten Stermann und Grissemann drei Abende hintereinander am «Österreich Special» im Miller’s Studio Theater beim Bahnhof Tiefenbrunnen auf. Die Reihe mit ausgewählten österreichischen Comedians findet nach 2015 bereits zum zweiten Mal statt. Sie begann Ende März und endet kommendes Wochenende. Die ersten diesjährigen Veranstaltungen, bei denen unter anderen Severin Groebner oder Flo und Wisch auf der Bühne gestanden haben, waren schlecht besucht. Dass der Vorverkauf so harzig angelaufen sei, habe vor allem an der Publicity gelegen, sagt Miller’s-Co-Direktor Matthias Riesenhuber auf Anfrage: «Als kleines Theater ist es schwierig, das Zielpublikum zu erreichen. Für uns ist es sehr wichtig, dass Medien über unsere Veranstaltungen berichten.» Nachdem erste Zeitungsartikel zum «Österreich Special» erschienen waren, seien auch die Verkaufszahlen gestiegen. «Der Auftritt von Gunkl vom Mittwochabend oder jene von Stermann und Grissemann sind schon fast ausgebucht», so Riesenhuber. Der Austria-Schwerpunkt wird gemäss Miller’s Studio auch 2017 fortgesetzt. Dafür zugesagt hat etwa Alfred Dorfer, der den diesjährigen Schweizer Kabarett-Preis Cornichon gewonnen hat. (fni)

Und wie finden sie Victor Giacobbo und Mike Müllers Satire-Sendung?

Ich mag die beiden. Aber ich muss gestehen, dass ich ihre Sendung kaum kenne, weil ich sehr selten fern sehe.

Ach wirklich?

Ja. Zappen macht mich wahnsinnig. Und das Fernsehen vermag mich nicht mehr in den Bann zu ziehen.

Liegt das am Programm oder an Ihnen?

Sicher an mir. Ich finde aber auch, es reicht, in dieser Branche zu arbeiten. Zahnärzte bohren sich ja auch nicht selbst die Löcher.

Im Miller’s Studio treten Sie mit Ihrem Programm «Etwas perverses für die Eltern» auf. Fokussieren Sie nun auf ein älteres Publikum?

Nein, keinesfalls. Was wir machen, ist ein komplettes Dada-Stück. So ein bisschen wie Samuel Beckett auf Speed.

Können Sie etwas mehr verraten?

Das Programm dreht sich um zwei alternde Komiker, die sich nichts mehr zu sagen haben. Der eine kauft sich dann einen menschlichen Plattenspieler, der ihr Leben durcheinanderbringt. Diesen spielt Oliver Welter, der Sänger der österreichischen Band «Naked Lunch».

Braucht es nach bald zwei Jahrzehnten mit Grissemann einen sozialen Katalysator wie Welter, damit Sie sich nicht an die Gurgel gehen?

Welter hat wirklich so ne Art Mediatorenfunktion. Das ist wichtig. Sonst hocken wir irgendwann öd zu zweit in der Garderobe wie die Wildecker Herzbuben, die sich nichts mehr zu sagen haben.

Für die Vorstellung von Stermann und Grissemann im Miller’s Studio vom 23. April verlosen wir 3 mal 2 Tickets. Rufen Sie am Mittwoch zwischen 11 Uhr und 12 Uhr auf die Nummer 058 200 57 57 an.

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