Rumisberg
Köhlerin Doris Wicki ist rund um die Uhr im Einsatz

Vom 28. Juli bis 12. August kann die Produktion von Kohle in einem Schaukohlenmeiler in Rumisberg mitverfolgt werden. Die Idee entstand am Stammtisch des Stärne-Beizlis in Rumisberg - nun ist es die einzige Event-Köhlerei in Europa.

Kurt Nützi
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Bis zum Anzünden des Meilers wartet noch viel Arbeit auf das OK. Von links: Heidi und Michelle Ryser, Yanick Pulver, Simon Bohner, Ernst Ischi, Fredy Ryser, Peter und Madeleine Kohler, Irene Ischi. knr

Bis zum Anzünden des Meilers wartet noch viel Arbeit auf das OK. Von links: Heidi und Michelle Ryser, Yanick Pulver, Simon Bohner, Ernst Ischi, Fredy Ryser, Peter und Madeleine Kohler, Irene Ischi. knr

Die Idee entstand am Stammtisch des Stärne-Beizlis in Rumisberg. Wirt Ernst Ischi äusserte vor bald zwei Jahren am runden Tisch seine Absicht: «Meine Frau Irene und ich wollen einmal etwas Besonderes auf die Beine stellen.» Das hörte Peter Kohler aus Oberbipp, der ehemalige Präsident der Musikgesellschaft Rumisberg.

Der einstige Bucheggberger erinnerte sich an ein Erlebnis: «2001 war ich dabei, als Pius Wicki, der Bruder von Doris Wicki, in Lüsslingen einen 100-Ster-Meiler aufbaute. Wäre das nicht etwas für Rumisberg, die Gemeinde, welche über ein Flair für alte Bräuche und Traditionen verfügt?»

Kohleherstellung

Zuerst wird ein Rost aus Rundhölzern und Schwartenbrettern auf dem Kies ausgelegt. Die Köhlerin liebt den Wind nicht. Sie bevorzugt windgeschützte Plätze. Allerdings kann Doris Wicki den Verkohlungsprozess mittels Windzufuhr beschleunigen oder verlangsamen. Nach dem Rost wird im Zentrum des Meilers das «Füllhaus» mit fünf, sechs senkrecht stehenden Rundhölzern gebaut.

«Früher verwendete ich dazu einen ausgehöhlten Baumstamm», sagt Wicki. Im «Füllhaus» wird die Köhlerin alle zwei bis drei Stunden Füllkohle nachfüllen. Mit fünf, sechs Helfern werden während der ersten drei Tage die 22 Ster Buchenholz zu einem Halbrund aufgeschichtet. Das Buchenholz wird danach zuerst mit einem Reisig- und anschliessend mit dem Löschmantel überzogen. Die Lösch (Kohlefeinstaub) bringt Doris Wicki mit.

Da die Köhlerin den Meiler rund um die Uhr überwachen und betreuen muss, wird vor dem Anzünden am 3. August der «Ansteller», das Fortbewegungsgerüst der Köhlerin, mit Fichtenbalken errichtet. Der Meiler wird von oben nach unten verkohlen. Eine Schicht weist ungefähr eine Dicke von 40 Zentimetern auf. Die Köhlerin sticht mit einem Eisen Löcher, damit Sauerstoff den Verkohlungsprozess ermöglicht.

Die nicht mehr verwendeten Löcher schliesst die Köhlerin mit einer Schaufel oder ihren Schuhen. Wenn der Verkohlungsprozess nach 10 Tagen abgeschlossen ist, folgt das Meiler-Ausziehen. Die Lösch wird entfernt und gesiebt, damit sie für den nächsten Köhler-Event wieder verwendet werden kann. Mit Werkzeug wird der Meiler auseinandergerissen. Am Tag darauf folgt nach dem Auskühlen das Abpacken der Kohle. (knr)

Gesagt, getan. Das achtköpfige Organisationskomitee war rasch gebildet und Doris Wicki angefragt. Sie ist die einzige Anbieterin in Europa für Event-Köhlerei. Unter ihrer Anleitung können die Besucher aus nah und fern vom 28. Juli bis 12. August unterhalb von Rumisberg miterleben, wie ein Kohlenmeiler aufgebaut, betreut und am Schluss abgebaut wird, um die wertvolle Holzkohle zu verkaufen.

Rund um die Uhr im Einsatz

Wenn Doris Wicki Ende Juli aus dem Entlebuch anreist, wird der Meiler-Standort auf dem Wiesland von OK-Präsident Ernst Ischi schon ausgekiest und die 22 Ster Buchen- und drei Ster Fichtenholz, gesponsert von der Burgergemeinde Oberbipp, zum Aufbau bereit sein. Die Köhlerin aus dem Kanton Luzern wird die ersten Tage bei der Familie Ischi logieren, nach dem Anzünden auf einem zum Wohnmobil umfunktionierten Anhänger des Oberbipper Anhänger-Spezialisten DMS neben dem Meiler.

Denn das Köhlerhandwerk ist eine Arbeit, bei dem der Prozess rund um die Uhr überwacht werden muss. Nach dem aufwendigen Aufbau (siehe Kontext), wird der Kohlenmeiler am 3. August angezündet. Nach zehn Tagen wird der Prozess abgeschlossen sein, sodass pünktlich zum Schulferienende am 11. August das Abpacken in Säcke erfolgen kann. Anteilscheine im Wert von 20 Franken für einen Sack Rumisberger Holzkohle können ab sofort bei OK-Mitglied Simon Bohner gekauft werden.

Gemütlichkeit und altes Handwerk

Den Initianten war aber klar, dass ein Kohlenmeiler alleine die Leute nicht nach Rumisberg lockt: «Wir brauchen ein attraktives Rahmenprogramm.» Fredy Ryser und Tochter Michelle, Schlager- und Country-Sängerin, konzentrierten sich beim Zusammenstellen des Unterhaltungsprogramms vor allem auf die drei Wochenenden. So findet am 27. Juli ein Unterhaltungsabend für die einheimische Dorfbevölkerung statt. Am Sonntag, 28. Juli, wird Tele Bärn zwei Sendungen der Musigstubete in Rumisberg aufzeichnen.

Mit einem Fackelumzug und der Meilertaufe mit einem prominenten Meiler-Paten (ev. Schwingerkönig Kilian Wenger) wird am 3. August das Anzünden des Meilers zelebriert. Am 4. August wird ein Demonstrations-Schwingen mit dem Schwingerkönig organisiert. Am Abend wird mit Country und Line Dance im Festzelt gefeiert. Am Sonntag, 5. August, werden alte Handwerke gezeigt, so werden ein fahrender Hufschmied und ein Korber vor Ort sein.

Am dritten Wochenende sorgen Musiker des Countrys und der Volksmusik beim Ausziehen des Meilers und beim Abpacken und Verkauf der Holzkohle für einen fröhlichen Abschluss des ersten Köhler-Events im Oberaargau.Der Event interessiert. Wirtin Irene Ischi nahm bereits erste Anmeldungen von Car-Unternehmen für eine Besichtigung des Kohlemeilers entgegen. Zum Gelingen des ersten Köhlerei-Events im Oberaargau suchen die Organisatoren aber noch Helfer oder Vereine zum Bereitstellen des Festgeländes und Aushilfe im Service.

Informationen und Holzkohlebestellung:

www.event-koehlerei.ch; www.die-kohle-ruft.ch;

Informationen für Helfer: Stärne-Beizli, Tel. 032 636 34 01.

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