Knebelverträge für «The Voice»-Kandidaten

Beim Schweizer Fernsehen werden wieder echte Stars gesucht – ein Sieg bei der Castingshow lohnt sich jedoch kaum

Sacha Ercolani
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Sahnen bei «The Voice of Switzerland» kräftig ab: Juroren Marc Sway, Stress, Stefanie Heinzmann, Philipp Fankhauser (v. l.). Foto: SRF/Siro Micheroli

Sahnen bei «The Voice of Switzerland» kräftig ab: Juroren Marc Sway, Stress, Stefanie Heinzmann, Philipp Fankhauser (v. l.). Foto: SRF/Siro Micheroli

Schweiz am Wochenende

Bei der zweiten Staffel von «The Voice of Switzerland» treten ab dem kommenden Samstag (20.10 Uhr, SRF 1) wieder die besten Gesangstalente der Schweiz gegeneinander an. Die vier bekannten Coaches Stefanie Heinzmann, Stress, Marc Sway und Philipp Fankhauser unterstützen sie dabei.
Wer die Castingshow am Ende gewinnt, erhält einen Plattenvertrag bei Universal Music Schweiz. Klingt lukrativ. Ist es aber nicht. Recherchen zeigen, was die Kandidaten an Liveshows, Konzerten, CD-Verkäufen und Werbeverträgen tatsächlich verdienen.
Die Verträge
Sämtliche Teilnehmer müssen, bevor sie den ersten Ton singen, zwei mehrseitige Vereinbarungen unterschreiben. Die knallharten Vertragswerke regeln von der Mitwirkung an der Show über die Rechteübertragung, das Merchandising, das Booking und die Konzerte alles bis ins letzte Detail. Neben dem Schweizer Fernsehen (SRF) sind weitere Firmen involviert. Darunter Constantin Entertainment (Produzentin der Show), Universal Music Schweiz und ein Tochterunternehmen aus dem Imperium des niederländischen Show-Erfinders John de Mol (58). Gemäss der Produktionsfirma Constantin Entertainment handelt es sich um «ganz normale TV-Kandidatenverträge». Die Verträge, die in ähnlicher Form bei «Voice of Germany» zur Anwendung kamen, seien von einem Schweizer Anwalt geprüft und nicht beanstandet worden.
Die TV-Show
Für die Produktion der Sendung müssen die Talente 5 bis maximal 26 Tage aufwenden inklusive die Liveshows. Geld erhalten sie dafür aber nicht. Lediglich Reise- und Übernachtungskosten sowie Verpflegung werden je nach Aufwand und in Absprache mit der Produktion übernommen.
Die CDs
Die Plattenfirma Universal Music Schweiz bezahlt dem Sieger die erste Single- und eine Albumproduktion. Produzent und Produktionsort bestimmt die Plattenfirma. Der Künstler wird an den Verkäufen beteiligt – gemäss Aussagen zwei unabhängiger Branchen-Experten, sind das jedoch lediglich rund 15 Rappen pro verkauften Song, der beispielsweise bei iTunes heruntergeladen wird.
Die Konzerte und die Werbeverträge
Die Gagen für einen Liveauftritt des Siegers nach der Castingshow variieren je nach Veranstaltung von mindestens 500 Franken bis weit über 5000 Franken. Klausel: Die Hotels haben mindestens drei Sterne. Aber: Minibar und Pay-TV werden nicht übernommen. Der Künstler muss mindestens 20 Prozent der Gage aus Tourneen, Einzelauftritten, TV oder anderen Honoraren wie etwa Werbeverträgen abtreten.
Bis zum Pop-Millionär ist es ein weiter Weg. Das weiss auch Nicole Bernegger (36). Sie gewann die erste Staffel von «The Voice of Switzerland» und wurde damit nicht reich. Ihr Siegersong «No Matter» stieg bei der Veröffentlichung im vergangenen März zwar hoch auf Platz 4 ein, dümpelte aber danach drei Wochen lang zwischen den Rängen 50 bis 60 und verkaufte sich keine 10 000 Mal. Auch das Album floppte, und einen fetten Werbevertrag angelte sich Nicole Bernegger ebenfalls nicht. Bei den «The Voice»-Siegern in England, Deutschland oder Amerika ist das nicht anders, ihre Lieder sind kaum in den Hitparaden anzutreffen.
Erfolg hat vor allem einer: TV-Produzent John de Mol. Der Holländer beweist seit Jahrzehnten, dass er ein Gespür für erfolgreiche Shows hat. Nach Verkaufsschlagern wie «Traumhochzeit», «Big Brother» und «Wer wird Millionär?» begeistert «The Voice» in über 30 Ländern weltweit. Nicht die Casting-Gewinner selbst, sondern de Mol sahnt das grosse Geld ab – und natürlich die prominenten Coaches, die mit Gage und Promotion verdienen. Während bei «Music Star» die Juroren zum Teil bis 5000 Franken pro Folge kassierten, sahnen jetzt Stefanie Heinzmann, Philipp Fankhauser, Stress und Marc Sway deutlich mehr ab. Wie viel, will man beim SRF nicht kommentieren.
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