Oberaargau
Kinder sehen, wo die Milch herkommt

Ab Samstag öffnen wieder verschiedene Landwirte ihre Ställe für Besucher. Sie können die Tiere auf dem Bauernhof besuchen und wertvolles über die Landwirtschaft erfahren.

Andrea Marthaler
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Susanne und Michael Zbinden wollen zeigen, was Bauern heisst. ama

Susanne und Michael Zbinden wollen zeigen, was Bauern heisst. ama

Solothurner Zeitung

Über den Hof von Susanne und Michael Zbinden laufen Hühner, Katzen streunen und die trächtige Hündin schmiegt sich an Besucher. Manchmal springen auch Geissen über den Kiesplatz – im Moment hat es sechs junge. Im Stall stehen zudem 25 Kühe und 15 Jungtiere, zwei Kälber wurden erst vor wenigen Tagen geboren. Neben der Milchwirtschaft und dem Ackerbau betreiben Zbindens gemeinsam mit dem Nachbarn eine Pouletzucht für Bell. 17000 Tiere werden dort derzeit gemästet.

Der Schwanenhof in Seeberg ist einer von rund 220 Landwirtschaftsbetrieben, die bei der Aktion Stallvisite mitmachen (siehe Kasten). «Wir suchen den Kontakt zu der Bevölkerung», nennt Susanne Zbinden als Grund. Seit der ersten Durchführung des Projekts 2005 sind sie dabei.

«Für uns ist es ganz selbstverständlich, ein Tier anzufassen, doch für viele Kinder ist das neu.» Es sei erschreckend, wie wenig manche über die Landwirtschaft wissen. Viele Kinder hätten keinen Bezug mehr zur Natur. «Selbst aus Buchsi kommt immer wieder eine Familie, wo man doch meinen könnte, da sei es ebenfalls noch ländlich.» Wie aus dem Bilderbuch empfänden viele Besucher ihren Hof, sagt Michael Zbinden. «Für sie ist es ein riesen Erlebnis, wenn zum Beispiel ein Huhn brütet.» Viele Leute kämen einfach, um die Tiere anzuschauen, andere wollten Informationen.

Zur Stallzeit besonders interessant

Susanne (39) und Michael Zbinden (41) stammen beide aus einer Bauernfamilie. Er aus dem Simmental, sie ist auf dem Hof in Seeberg aufgewachsen. Von vier Schwestern war sie die Einzige, die in die Fussstapfen der Eltern treten wollte. Sie machte das Haushaltungslehrjahr und die Ausbildung zur Arztgehilfin. Als solche arbeitet sie noch zu 20 Prozent. Vor fünf Jahren konnten sie den Eltern den Hof abkaufen. Und es sieht gut aus, dass dereinst eines ihrer Kinder den Betrieb übernehmen wird.

Die Jüngste geht in die siebte Klasse, der Mittlere lernt Schreiner und der Älteste ist im Bauerlehrjahr. Im Prinzip seien sie schon immer ein offener Betrieb gewesen. Zum Beispiel machen Zbindens seit Jahren einen 1.-August-Brunch und schenken gemeinsam mit anderen Landwirten am 16. April, dem Tag der Milch, bei der Landi Milchshakes aus. Unter anderem nehmen sie auch immer wieder für einige Wochen ein Pflegekind bei sich auf. «Wir wollen den Leuten zeigen, was Bauern heisst», so Susanne Zbinden.

Die Stallvisite ist für sie ein zusätzliches Signal, um zu zeigen, dass die Leute kommen dürfen. Als Besuchszeit geben sie 10 Uhr morgens bis abends an. «Zur Stallzeit ist aber immer jemand hier. Dann ist es auch am Interessantesten», so Susanne Zbinden. Zum Beispiel kann beim Melken zugeschaut werden. Rund zehn Familien seien den letzten Sommer durch gekommen, manche von ihnen auch immer wieder. «Wir werden nicht gerade überrannt, doch jene, die kommen, suchen den Kontakt zu den Tieren und sind sehr interessiert.» Besonders die Jungtiere werden schnell ins Herz geschlossen. Und für jene, die etwas mit nach Hause nehmen wollen, bieten sie einen kleinen Hofverkauf mit Eiern, Milch und Früchten.