Kanton Zürich
Keine tiefere Stimmbeteiligung trotz Vorlagenflut

Die Zürcher Stimmbürgerinnen und Stimmbürger gehen an die Urne - auch wenn die Zahl der Vorlagen sehr gross und die Themen völlig unterschiedlich sind. Dies zeigt eine Auswertung des Statistischen Amtes, die am Montag veröffentlicht wurde.

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Das Statistische Amt kommt zum Schluss, dass an der oft vermuteten negativen Beziehung zwischen Vorlagenzahl und Stimmbeteiligung nicht allzuviel dran ist.

Das Statistische Amt kommt zum Schluss, dass an der oft vermuteten negativen Beziehung zwischen Vorlagenzahl und Stimmbeteiligung nicht allzuviel dran ist.

Keystone

Der Abstimmungssonntag vom 17. Juni hatte es in sich: Über ganze elf Vorlagen mussten die Zürcherinnen und Zürcher entscheiden, davon waren drei eidgenössisch und acht kantonal, wobei eine Vorlage mit Stichfragen aufwartete. Je nach Gemeinde kamen noch kommunale Vorlagen dazu.

Auch die Themenpalette war gross. Selbst für Experten sei es anspruchsvoll gewesen, den Überblick zu behalten, schreibt das Statistische Amt in seiner Auswertung.

Im Vorfeld sei deshalb - wie immer bei stark befrachteten Abstimmungsterminen - die Frage aufgeworfen worden, ob der Stimmbürger nicht überfordert sei und die Beteiligung sinke. Diese Frage wollte das Amt vertieft abklären und wertete dazu alle Abstimmungstermine seit 2002 aus.

Die Analyse zeige, dass an der oft vermuteten negativen Beziehung zwischen Vorlagenzahl und Stimmbeteiligung nicht allzuviel dran sei, schreibt das Amt. Über die letzten zehn Jahre hinweg gesehen, spreche nichts dafür, dass «die quantitative Belastung der Beteiligung an der direktdemokratischen Entscheidfindung Abbruch täte». Kurz: Der Stimmbürger lässt sich nicht abschrecken.

Leer eingelegte Zettel sind aussagekräftiger

Viel aussagekräftiger als die Stimmbeteiligung ist gemäss dem Statistischen Amt aber ohnehin der Anteil der leer eingelegten Zettel. Hier könne man eher Rückschlüsse auf eine allfällige Überforderung ziehen.

Am 17. Juni beispielsweise konnten 6,1 Prozent aller Abstimmungszettel nicht für die Ermittlung des Resultates verwendet werden, im langjährigen Durchschnitt sind es nur 4,2 Prozent. Die meisten «Leeren» gingen bei der Spital-Vorlage ein: Fast ein Fünftel warfen diese Zettel unausgefüllt in die Urne.

Dies werten die Statistiker als Zeichen dafür, dass die Bürger von der Vorlage und von der Fragestellung mit zwei Stichfragen wahrscheinlich überfordert waren. Nähere Angaben können die Statistiker zum Zusammenhang zwischen Komplexität und Beteiligung nicht machen. Dafür fehlt eine Masseinheit für die Schwierigkeit einer Vorlage.

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