Nachtbus
Keine kantonalen Steuergelder für die Moonliner

Regionale Verkehrskonferenz nimmt Stellung zum kantonalen Bericht «Nachtangebot im öffentlichen Verkehr».

Anne-Regula Keller
Merken
Drucken
Teilen

Solothurner Zeitung

Heute gehen Jugendliche am Wochenende erst in den Ausgang, wenn sie vor wenigen Jahrzehnten bereits wieder zu Hause sein mussten. Das Ausgehverhalten der Bevölkerung hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Damit verschiebt sich auch der Heimweg entsprechend weit über Mitternacht hinaus. Während die Spätangebote der Fernverkehrszüge dem jetzigen Ausgehverhalten ein Stück weit angepasst wurden – die letzten Züge verkehren heute in der Regel erst nach Mitternacht –, hinkt das vom Kanton bestellte und abgegoltene Spätangebot des Regional- und Ortsverkehrs dieser Entwicklung hinten nach.

Nutzer und Gemeinden zahlen

In die Bresche sprang die Nachtliniengesellschaft Moonliner, zu der sich öffentliche und private Verkehrsunternehmen, auch die aare seeland mobil (asm, mit Linie 12 Bern–Langenthal mit Ast nach Wangen a/A.), zusammenschlossen. Finanziert wird der Betrieb zu einem grossen Teil mit den Fahrgeldeinnahmen. Eine Fahrt kostet distanzabhängig 5 bis 25 Franken. Auch die angeschlossenen Gemeinden zahlen. Abovergünstigungen gibt es keine. Verschiedene politische Vorstösse wollten dies ändern. Aufgrund einer Motion von Grossrätin Nadine Masshardt (SP) hat eine Projektgruppe einen Bericht erstellt zum Nachtangebot im Kanton Bern. Darin wurden viele Grundsatzfragen überprüft und Empfehlungen abgegeben. Der Bericht listet als grössten Handlungsbedarf eine tarifliche Bevorzugung von regelmässigen Nutzern des öffentlichen Verkehrs (ö.V.) mit Generalabo (GA) oder Streckenabo. Dies könne mit Moonliner-Ermässigungen für Abobesitzer oder durch die Schaffung eines Moonliner-Abos erfolgen. Bei beiden Varianten müsste der Kanton die Tariferleichterungen bestellen und finanzieren.

Halbpreis für ö.V-Nutzer mit Abo?

An der Ausschusssitzung der Regionalen Verkehrskonferenz (RVK) stellte Grossrat Adrian Wüthrich, Vertreter von Huttwil, den Antrag, sich für die Anerkennung der bestehenden Abonnemente für eine Preisermässigung (Halbpreis) auszusprechen. Das koste den Kanton einen Ertragsausfall von rund 400000 Franken jährlich für das Moonliner-Netz. Zugleich wurde diskutiert, ob der öffentliche Verkehr spätere Nachtverbindungen anbieten solle.

Christian Aebi, Amt für öffentlichen Verkehr Kanton Bern, lobte das einfache, gut funktionierende Moonliner-System. Als Wüthrich betonte, ein Nachtangebot sei vor allem für Jugendliche, die nicht sehr zahlungsfähig seien, wichtig; man dürfe nicht auf ihrem Buckel sparen, warf Markus Flück, Vizedirektor asm, ein: «Die Bereitschaft, für den Moonliner zu bezahlen, ist bei den Jugendlichen offensichtlich da. Das hilft, dass die Gemeinden weniger Defizitgarantie zahlen müssen. Wenn nun der Kanton in Nachtangebote investiere, fehle dafür dann Geld für das Grundangebot.»

Während die einen den Moonliner-Tarif günstig fanden im Vergleich zu Taxikosten, warnte VCS-Vertreter Fredy Lindegger davor, im Wissen, dass der Kanton kein Geld habe, gar keine Bedürfnisse mehr anzumelden.

Nicht am Moonliner schrauben

Die neun stimmberechtigten RVK-Ausschussmitglieder wollen aber angesichts des florierenden Moonliner-Systems mehrheitlich nichts ändern. Mit 6 zu 3 Stimmen lehnten sie Wüthrichs Antrag auf Vergünstigungen für Abo-Besitzer beim Moonliner-Tarif ab. Als Präsidentin Katharina Hofer, Wiedlisbach, danach über die Fachkonsultation zum Bericht abstimmen lassen wollte, fragte der VCS-Vertreter, ob wirklich keine detaillierte Stellungnahme zu den vorliegenden konkreten Fragen vorgesehen sei. Hierauf stimmte der Ausschuss der Schaffung einer gesetzlichen Möglichkeit, wonach der Kanton zwischen Mitternacht und 5.30 Uhr überhaupt Angebote bestellen und finanzieren darf, mit 6 zu 3 Stimmen zu. Dennoch lehnte er für den Moment eine Verlängerung von bestehenden Spätangeboten mit 7 zu 1 ab. Auch Handlungsbedarf für eine kantonale Subventionierung der Moonliner-Tarife, um den Unterschied zwischen ö.V- und Moonliner-Tarifen zu verkleinern, sah er nicht (6 zu 1 bei 2 Enthaltungen). Einstimmig war er für das Belassen des Nachtangebots beim Moonliner. Zudem findet der RVK-Ausschuss die Ausdehnung des Nachtnetzes auf weitere Wochentage mit 7 Stimmen (2 Enthaltungen) nicht nötig.

Blick auf den ganzen Oberaargau

Grossrat Wüthrich wies darauf hin, dass das Verkehrsangebotskonzept auf dem Regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzept Oberaargau basiere., an dessen Mitwirkung sich zurzeit jedermann beteiligen kann (siehe auch www.oberaargau.ch). «Wann besprechen wir unsere Stellungnahme?» Ob das vergessen gegangen war? Jedenfalls wurde schnell eine Extrasitzung vor Ablauf der Mitwirkungsfrist Mitte November anberaumt.

Im Übrigen hiess der RVK-Ausschuss einen Kredit von total 88000 Franken gut für eine Angebotsüberprüfung des gesamten öffentlichen Verkehrs im Oberaargau im Hinblick auf das Angebotskonzept 2014–2017. Drei Büros sollen offerieren.