Aare
Kaum zu glauben, was alles liegen gelassen wird

Wenn das Wetter wieder angenehm warm ist und damit das Ufer zum Erholungsraum wird, müssen die Mitarbeiter der Gemeinde-Werkhöfe vermehrt aufräumen.

Jürg Rettenmund
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Spuren des ersten warmen Wochenendes an der Aare bei Bannwil. zvg Spuren des ersten warmen Wochenendes an der Aare bei Bannwil. zvg

Spuren des ersten warmen Wochenendes an der Aare bei Bannwil. zvg Spuren des ersten warmen Wochenendes an der Aare bei Bannwil. zvg

Solothurner Zeitung

«Wir sind uns am Aareufer einiges gewohnt», stellt Markus Friedli, Gemeindeschreiber-Stellvertreter in Bannwil fest. Nach schönen, warmen Wochenenden sind die Rastplätze jeweils erst nach einem massiven Einsatz der Gemeindearbeiter wieder einladend.

Doch am vergangenen Wochenende, als die warmen Temperaturen erstmals in diesem Jahr ins Freie lockten, lag nicht nur überall Müll in grossen Mengen herum. Bei der Übersetzstelle der Armee war sogar die Matratze eines Doppelbettes herrenlos zurückgeblieben.

Markus Friedli entschloss sich deshalb, die Spuren der nächtlichen Gelage auf der Homepage zu veröffentlichen und die Besucher zur Mithilfe bei der Suche nach den Verursachern aufzurufen. Noch habe der Aufruf nicht zum Ziel geführt, erklärt Friedli.

Immerhin seien am Sonntagmorgen zahlreiche Besucher am betreffenden Ort beobachtet worden. Insgesamt 15 Autos, mehrere mit Bootsanhängern sowie ein Wohnmobil wollte ein Zeuge beobachtet haben. Ausfindig gemacht werden konnten die Täter bisher allerdings noch nicht.

Zwei Touren im Sommer

Fritz Läderach, der Wegmeister von Bannwil, ist nicht der einzige, der entlang der Aare mehr zu tun hat, wenn die Tage wärmer werden und andere am Wasser Erholung und Entspannung suchen. Im Werkhof von Wynau gehen die beiden Mitarbeitenden, die sich in den «Aarekehr» teilen, im Sommer sogar zweimal pro Woche auf Tour, wie Max Kissling erklärt. Im Winter genüge einmal am Montag.

Dabei gebe es zum einen die Abfallkübel, die häufiger geleert werden müssen. «Oft sind diese aber nur zu einem Viertel gefüllt, der Rest liegt darum herum», erklärt Kissling. Dazu kämen die Robidog-Behälter, die bei weitem nicht nur für Hundekot verwendet würden, für den sie vorgesehen sind. «Flaschen und alles Mögliche» haben die Werkhof-Mitarbeitenden dort schon eingesammelt.

In Aarwangen sei die Situation für die Gemeinde etwas entschärft, seit das Aarebad in der Risi nicht mehr direkt mit dem Auto zugänglich sei, erklärt Peter Gerber, Leiter der Gemeindebetriebe. Seit ein paar Jahren versperrt eine Barriere am Waldrand die Zufahrt, die Autos müssen dort auf dem Parkplatz gelassen werden.

Das entlastet zwar die Reinigungstouren zu den offiziellen Abfallkübeln, allerdings hat sich das Problem dadurch zum Teil verlagert, wie Gerber einschränkt: Stattdessen werden vermehrt Schleichwege benützt, und der Abfall findet sich nun dort im Unterholz oder wird sogar in die Aare geworfen.

Gegenleistung

Keine Meldungen über besondere Verunreinigungen nach dem letzten Wochenende sind bis zu Peter Bühler, Gemeindeschreiber von Wangen an der Aare, vorgedrungen. Dort führte aber letztes Wochenende der Fussballclub einen seiner vier jährlichen «Putztage» durch.

Gemäss Bühler hat die Gemeinde mit den Fussballern ein Abkommen, dass diese als Gegenleistung für den Unterhalt des Fussballplatzes durch die Gemeinde diese Putzaktionen in einem Teil des Gemeindegebietes durchführt. Diese beschränken sich nicht nur auf das Aareufer. Dabei stehe nicht der Geldwert für eine Arbeit, die man anders kaum mehr bezahlen kann, im Vordergrund, betont Bühler. Ebenso wichtig sei der damit erreichte Lerneffekt.

Organisiert wurde der «Putztag» vom ehemaligen Präsidenten des FC, Erhard Gnägi. Letzten Samstag hätten ideale Bedingungen geherrscht, erklärt dieser. Einerseits sei das Wetter schön und trocken gewesen, andererseits das Gras noch nicht gewachsen. So habe der Abfall problemlos gefunden werden können.

Trotzdem sei eher weniger Abfall zusammengekommen, als bei früheren Frühlings-Putzaktionen. Habe es gewöhnlich rund fünf 110-Liter-Säcke gebraucht, um ihn zu entsorgen, so hätten diesmal 3,5 genügt. Doch auch wenn weniger Unrat herumlag: Die Wege entlang der Aare sind gemäss Gnägi auch rund ums Städtchen Wangen besonders stark belastet.

Eine Matratze fand sich dort glücklicherweise trotzdem nicht.

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