Wangen
Kaum je wichtiger als nach dem Beben in Japan

Auf dem Waffenplatz Wangen-Wiedlisbach übte das Katastrophenhilfsbataillon den Ernstfall: Erdbeben. Das primäre Ziel der gesamten Einsatzübung lautete: möglichst schnelle Rettung aus den Trümmern.

Armin Leuenberger
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Lagebesprechung im Übungsgelände. fotos: leu
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Materialtransport am Bauch eines Super Pumas.
Katastrophenübung auf dem Waffenplatz

Lagebesprechung im Übungsgelände. fotos: leu

Solothurner Zeitung

Vom 14. März bis 1. April absolvieren rund 870 Soldaten und Kader des Katastrophenhilfsbataillons zwei ihren diesjährigen Wiederholungskurs im Raum Lenzburg. Am Montag und gestern Dienstag haben zwei Kompanien in einem aufwendigen Rettungseinsatz im Übungsdorf der Rettungsrekrutenschule Wangen-Wiedlisbach den Ernstfall geübt. Jeweils frühmorgens wurden das erforderliche Rettungsmaterial und die Wehrmänner mittels Super Puma Helikopter vom Areal der Tela in Niederbipp ins Übungsgelände an der Aare bei Walliswil-Bipp transportiert. Im Anschluss daran erfolgte der Transport der Truppe. Pro Tag sah man auf dem Übungsgelände jeweils über 150 Mann im Einsatz.

Der Lufttransport durch die Flugwaffe wurde in den beiden Übungen zu Beginn dieser Woche notwendig, weil man angenommen hat, dass durch ein Erdbeben in der Region zahlreiche Brücken über die Aare unpassierbar geworden sind, und auch viele Strassen in der Region zerstört wurden.

Szenario Erdbeben

Das Thema Erdbeben stand zwar bereits seit dem vergangenen Sommer, als die Kader den WK 2011 vorbereiteten, fest. «Das Zusammentreffen mit dem schweren Erdbeben und anschliessendem Tsunami in Japan ist also rein zufällig», sagt Oberstleutnant im Generalstab Matthias Pfister, der Kommandant des Katastrophenhilfsbataillons. Seine Feststellung, dass man kaum je eine Truppe derart konzentriert an der Arbeit sah, trügte nicht. In Rekordzeit bewerkstelligten die Suchtrupps die Rettung der 15 unter den Trümmern eingeschlossenen Figuranten.

Die Realität spielt sich zwar zehntausend Kilometer entfernt von uns ab, bei den Rettungssoldaten scheint die Katastrophe in Fukushima aber nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben. «Gerade wegen der
Katastrophe in Japan waren die Truppen mit grossem Einsatz dabei», vermutet Pfister.

Möglichst schnell retten

Das primäre Ziel der gesamten Einsatzübung lautete: möglichst schnelle Rettung aus den Trümmern. Ein kleiner ad hoc gebildeter Sanitäts-Zug nahm die Geretteten in einem grossen Zelt in Empfang und machte die Verletzten transportfähig.

Die extrem vielseitige Ausbildung eines Katastrophenhilfsbataillons dient dazu, in verschiedenen Einsätzen Hilfe leisten zu können. Unter anderem kommen die Soldaten zum Einsatz bei der Ortung und Rettung von Mensch und Tier auch unter Atemschutz, zur Mithilfe bei der provisorischen Wiederherstellung der lebenswichtige Infrastruktur oder bei der Mithilfe bei Evakuationen.

Die Ausrüstung der Rettungskompanien erlaubt es, in Katastrophenfällen selbstständig oder in Zusammenarbeit mit Formationen der Feuerwehr und des Zivilschutzes, beispielsweise verschüttete Personen zu retten, oder Grossbrände zu löschen. Auch an mehreren Einsatzorten gleichzeitig.

Hauptmann Florian Kaufmann, der Regisseur dieser Übung stellte mit Befriedigung fest, dass an beiden Tagen im Übungsdorf ausgezeichnete Arbeit geleistet wurde.