Zürich
Katholiken fordern ihren umstrittenen Churer Bischof auf, nach Zürich zu ziehen

Der Bischof sitzt in Chur, doch das Zentrum des Bistums Chur ist in Zürich, hier leben mehr als die Hälfte der Gläubigen des Bistums. Dem soll in Zukunft Rechnung getragen werden. Einige Kirchenvertreter setzten sich für den Umzug des Bischofssitz nach Zürich ein. Es ist nicht der erste Versuch.

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Möglicherweise der neue Sitz des Churer Bischof: Die Liebfrauenkirche in Zürich.

Möglicherweise der neue Sitz des Churer Bischof: Die Liebfrauenkirche in Zürich.

Keystone

Die Verhältnisse im Bistum Chur haben sich verändert. Mehr als die Hälfte aller katholischen Gläubigen des Bistums leben heute im Ballungsraum Zürich. Damit der Bischof näher am Puls der Gläubigen ist, reifen derzeit Ideen für einen Umzug des Bischofssitzes: weg von Chur mitten in die grösste Stadt der Schweiz.

«Es würde durchaus Sinn machen, wenn der Bischof dort wirkt, wo die meisten Gläubigen sind, beispielsweise in Zürich», sagt Willi Schmidlin, Präsident des katholischen Kirchgemeindeverbandes Obwalden zur Zeitung «Schweiz am Sonntag». Auch bei der katholischen Landeskirche in Nidwalden finden derzeit ähnliche Überlegungen statt. «Chur liegt geografisch am Rande des Bistums», sagt Präsident Klaus Odermatt-Prader. Ein Bischof solle jedoch nahe bei den Menschen sein und mit ihnen im Kontakt stehen. Deshalb sei die Idee eines Ortswechsels eine mögliche Variante.

Nicht der erste Anlauf

Die Geschichte wiederholt sich. Die Errichtung eines Bistums Chur-Zürich mit einer Kon-Kathedrale in der Stadt Zürich stand bereits 2006 einmal kurz vor einer Umsetzung. Doch auch damals wurde die Thematik erst kurz vor dem Ende der Amtszeit von Bischof Amédée Grab angepackt und versandete schliesslich.

Aktiv für eine Verlegung des Sitzes hatte sich vor zehn Jahren René Zihlmann als damaliger Synodalrat des Kantons Zürich eingesetzt. «In keinem anderen Land lebt und arbeitet der Bischof nicht auch dort, wo das Leben der Gläubigen stattfindet», sagt Zihlmann. Es sei gang und gäbe, dass der Bischofssitz in die Städte verlegt werde. «So entstand auch das Erzbistum München und Freising. Die Münchner Frauenkirche ist heute Kathedrale.

Dann könnte beispielsweise die Liebfrauenkirche in Zürich zum neuen Bischofssitz werden? «Sie wäre als Kon-Kathedrale sicher denkbar», sagt Joseph M. Bonnemain. Er ist im Bistum Chur als Bischofsvikar für die Beziehungen zu den staatskirchenrechtlichen Organisationen und den Kantonen zuständig. «Der Bischof könnte immer noch einige Tage in der Woche in Chur verbringen, doch sinnvoll ist sicher, wenn er mehrheitlich dort präsent ist und wirkt, wo die grösste Zahl der Menschen im Bistum leben und handeln», sagt Bonnemain.

Er rechnet einem Umzug «gute Chancen» aus. «Klar, es sind noch nicht alle Fragen geklärt, beispielsweise wie das Bistum dann heissen würde, doch anders als vor zehn Jahren könnte die Zeit reif für diese Veränderung sein.» (az)