Korps
Kantonspolizei erreicht bald den lang ersehnten Sollbestand

Seit 15 Jahren strebt die Kantonspolizei Zürich den Bestand von 2247 Vollzeit-Korpsangehörigen an. Das Ziel ist fast erreicht, auch weil Kleinstpensen erlaubt sind.

Thomas Schraner
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Polizisten kontrollieren einen Lastwagen anlässlich einer Car- und Schwerverkehrskontrolle der Kantonspolizei Zürich in Winterthur.

Polizisten kontrollieren einen Lastwagen anlässlich einer Car- und Schwerverkehrskontrolle der Kantonspolizei Zürich in Winterthur.

Keystone

Darauf arbeitet die Kantonspolizei schon seit 1999 hin, jetzt hat sie ihr Ziel fast erreicht: den Sollbestand des Korps, der mit 2247 Vollzeitstellen definiert ist. Zum Korps zählen ausgebildete und vereidigte Polizistinnen und Polizisten. Wie viele Stellen zum Soll noch fehlen, lässt sich die Sicherheitsdirektion nicht entlocken. «Wir werden das Ziel aber noch in dieser Legislatur erreichen», sagt Sprecher Urs Grob. Bis spätestens April 2015, ist damit gemeint.

Die vorsichtige Formulierung hat einen Grund. Der Sollbestand ist eine heikle politische Grösse. Ist er erfüllt, könnte das Kantonsparlament in der Budgetdebatte in Versuchung kommen, den Rotstift anzusetzen mit der Begründung, das Ziel sei ja erreicht.

Wenig Teilzeit im Korps

Wie nahe dran die Kantonspolizei ist, lässt sich aus den Zahlen im aktuellen Jahresbericht ableiten. Gemäss diesem gehörten Ende letzten Jahres 2260 Personen zum Korps. Diese Zahl liegt zwar bereits über dem Soll, aber es handelt sich um Köpfe und nicht um Vollzeitstellen, wie Grob präzisiert. Allerdings, so räumt er ein, hält sich die Zahl der Teilzeitler im Korps in engen Grenzen.

Dass man das Ziel so gut wie erreicht hat, bestätigt auch EVP-Kantonsrat Peter Reinhard. Der Verbandspräsident der Zürcher Kantonspolizei (VKPZ) sagt: «Unsere damalige Forderung ist erfüllt.» Er weist aber darauf hin, dass der Sollbestand eine uralte Planungsgrösse ist. Sie wurde gemäss Reinhard am 28. April 1999 fixiert. Seither hat sich in der täglichen Polizeiarbeit eine Menge geändert. Die Wohnbevölkerung im Kanton Zürich ist um 200 000 Personen auf gut 1,4 Millionen gestiegen, so stark, wie man damals noch nicht ahnen konnte. Zudem sind neue Deliktformen wie Internetkriminalität hinzugekommen.

Darum sagt Reinhard: «Der Zeitpunkt ist gekommen, um wieder über den Sollbestand zu sprechen.» Eine neue Planzahl will er noch nicht nennen, um – wie er sagt – unbelastet in die Diskussion mit Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP) steigen zu können. Er weiss, dass die finanzielle Lage des Kantons in den nächsten Jahren keine grossen Sprünge zulässt. Viel eher drohen Sparprogramme, die auch die Kantonspolizei treffen könnten.

Der Korpsbestand der Kantonspolizei stieg in den letzten sieben Jahren kontinuierlich von 2070 Personen im Jahr 2007 auf die besagten 2260 Ende 2013. Die Erfüllung des Sollbestandes entspricht einem Legislaturziel der Regierung. Der Kantonsrat zog mit, indem er in den Budgetdebatten jeweils die nötigen Kredite bewilligte. Konkret wurde in die Nachwuchsförderung und die Polizeischulen investiert. Um die Frauen im Korps bei der Stange zu halten, erlaubte man Kleinstpensen bis 20 Prozent. Der Erfolg zeigt sich in der Statistik: Der Anteil der Frauen im Korps lag Mitte Jahr bei 17,3 Prozent, was 396 Polizistinnen (inklusive Aspirantinnen) entspricht. 2007 machte der Anteil der Polizistinnen erst 10,3 Prozent aus.

Assistentinnen gut vertreten

Weit höher liegt der Frauenanteil bei den nicht vollständig ausgebildeten Polizisten, den sogenannten Sicherheitsassistenten. Diese werden etwa zur Betreuung von Gefängnisinsassen oder für Gefangenentransporte eingesetzt. Von den insgesamt 241 Personen sind 38 Prozent Frauen. Bei den Sicherheitsbeauftragten, die am Flughafen arbeiten und die Flugpassagiere nach verbotenen Gegenständen absuchen, sind derzeit sogar mehr als die Hälfte Frauen: Knapp 55 Prozent von 957 Mitarbeitenden.

Da weibliche Reisende bei Kontrollen ausschliesslich von Frauen am Körper abgetastet werden dürfen, strebt man in dieser Funktion ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis an. Zurzeit werden hier bei gleicher Qualifikation männliche Bewerber bevorzugt, wie von der Sicherheitsdirektion zu erfahren ist.