Lizenz entzogen
Kantonsapotheker schliesst Drogerie Burkhardt in Bützberg

Anna Rosa Burkhardt von der Drogerie Burkhardt in Bützberg wurde die Berufsbewilligung auf unbestimmte Zeit entzogen. Über die Gründe wird Stillschweigen gewahrt.

Irmgard Bayard
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Bleibt die Drogerie Burkhardt nun für immer geschlossen? Johannes Reichen

Bleibt die Drogerie Burkhardt nun für immer geschlossen? Johannes Reichen

Solothurner Zeitung

Ruft man in der Drogerie Burkhardt in Bützberg an, so wird man weitergeleitet. «Wir sind im Moment in der Drogerie beschäftigt mit unserer Kundschaft», ertönt eine Stimme ab Band. An der Tür hängt ein Schild mit dem Hinweis auf Skiferien vom 7. bis 11. März. Das stimmt so nicht, denn die Drogerie wurde vor einigen Tagen vom Kantonsapothekeramt geschlossen.

«Frau Burkhardt verfügt über keine Berufsbewilligung mehr», sagt Kantonsapotheker Samuel Steiner auf Anfrage. Diese wurde ihr auf unbestimmte Zeit entzogen. Sie könne höchstens eine Drogistin einsetzen. Details verrät Steiner keine, er beruft sich auf das Amtsgeheimnis. Es müssen aber schwerwiegende Gründe vorliegen, denn Steiner erklärt den üblichen Vorgang. «Stellen wir bei der Inspektion Mängel fest, sprechen wir eine erste Verwarnung aus. Bei geringfügigem Vergehen allenfalls eine zweite. Danach wird die Bewilligung entzogen.» Ob und wie Anna Rosa Burkhardt das Permis wieder erlangen kann, ist offen. «Sie kann es versuchen», sagt Steiner lediglich.

Bei Kontrolle aufgefallen

Auf Unregelmässigkeiten ist das Amt einerseits bei der ordentlichen Kontrolle, andererseits durch Rückmeldungen der Kundschaft gestossen. Dass Burkhardt in einem Verfahren steckt, war bereits bekannt. Auch, dass sie den Drogistenstern des Schweizerischen Drogistenverbandes nicht verwenden darf. «Das hat mit dem Verfahren nichts zu tun», sagt Steiner. Das könne andere Gründe haben.

Burkhardt ist im Dorf immer wieder aufgefallen. Zuletzt im Streit um ein angebliches Pflegekind. Man habe ihr den heute 16-Jährigen entfremdet, ihn gezwungen, die Wochenenden bei seinem leiblichen Vater in Biel zu verbringen, statt bei ihr, erzählte sie Mitte Dezember in der Sendung «Schweiz aktuell» vom Schweizer Fernsehen. Die Änderung habe mit einer neuen Vormundin in Thunstetten zu tun, erklärte damals Burkhardts Anwältin, Franziska Jöhr Batt, gegenüber dem az Langenthaler Tagblatt. Diese Frau habe den Kontakt zum leiblichen Vater erzwingen und so auch den Einfluss der Pflegemutter reduzieren wollen.

Verbale und körperliche Attacken

Der Pflegesohn lebt heute in Frankreich. Burkhardt empfand diese Platzierung als «Entführung». Die Anschuldigungen gegen die Gemeinderätin Christine Grogg gingen so weit, dass diese verbal und körperlich angegriffen wurde. Der Gemeinderat reagierte auf die Vorwürfe von Burkhardt und ihrer Anwältin und hielt fest, dass sich die Behörde durch die Aussage des Gerichts gestützt fühle. Dieses besagt, dass «im Sinne des Kindeswohls handelt, wer den Kontakt zwischen der sozialpsychologischen Mutter und dem Pflegekind unterbindet, wenn dies für die ungehinderte geistige, körperliche und seelische Entwicklung des Kindes nötig ist» (das az Langenthaler Tagblatt berichtete).

Der Clou des Ganzen: Burkhardt war zur Zeit des Streites seit mehr als drei Jahren nicht mehr Pflegemutter des Kindes. Der Fall sei noch immer hängig, sagte gestern Christine Grogg, Gemeinderätin mit Ressort Soziales. Und: «Vordergründig habe ich nichts mehr wahrgenommen.»

«Bürger für Bürger»

Schon vor diesem Streit hatte sich Anna Rosa Burkhardt mit den Behörden angelegt. In der ersten Ausgabe der «Dorf-Zytig» hielt die Gruppierung «Bürger für Bürger» mit Vorwürfen gegen den damaligen Gemeinderat nicht zurück. Vor allem die Vormundschaftskommission geriet ins Schussfeld. Die Anschuldigungen wurden aber vom Regierungsstatthalter entkräftet.

Mit der Schliessung der Drogerie und damit der «Umschlagsstelle für Gerüchte», wie das Geschäft in Dorf genannt wird, wird ein weiteres Kapitel in einer bisweilen verworrenen Geschichte geschrieben. Anna Rosa Burkhardt war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.