Bützberg
Kampf gegen das Ulmensterben

Die Girsberger AG pflanzt für jeden Tisch aus Ulme einen neuen Baum und bekämpft so das Ulmensterben. Viele der Bäume leiden unter einer tükischen Krankheit.

jürg rettenmund
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Projektleiter Andreas Kramer mit einer der Ulmen, die die Girsberger AG in Buetzberg bei ihrem Betrieb gepflanzt hat. jr

Projektleiter Andreas Kramer mit einer der Ulmen, die die Girsberger AG in Buetzberg bei ihrem Betrieb gepflanzt hat. jr

Solothurner Zeitung

Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass aus den rund zweijährigen Bäumchen, die die Girsberger AG neben dem Firmengebäude in Bützberg gepflanzt hat, dereinst Massivholztische gefräst und gehobelt werden können. Und doch ist das so: «In rund 100 Jahren werden hier stattliche Ulmen stehen», sagt Andreas Kramer, Projektleiter Marketing bei Girsberger. Kramers Urenkel werden sich daran erfreuen können. Für einen Massivholztisch braucht es im Durchschnitt das Holz einer gefällten Ulme.

Doch was bei anderen Baumarten von selbst durch den natürlichen Aufwuchs und Pflanzungen der Besitzer in den Wäldern geschieht, ist bei den Ulmen gegenwärtig in Gefahr. Diese leiden unter einer Krankheit, Ulmenwelke genannt. Ein Pilz befällt die Bäume und verstopft ihnen die Wasseradern, sodass ihr Laub welk wird und die Bäume absterben. Der Ulmensplintkäser, ein Holzschädling aus der Familie der Borkenkäfer, überträgt den Pilz von einem Baum zum andern.

Nicht nur in den Städten

Aufsehen erregte die Ulmenwelke bisher vor allem in den Städten, wo seit etwa 1975 Bäume in Alleen und Pärken gefällt werden mussten. Ulmen kommen jedoch auch in Wäldern vor. Es gibt allerdings kaum kompakte Ulmenwälder, sondern vorwiegend Einzelbäume in Mischwäldern.

Heute fällt dort rund die Hälfte der Bäume dem Schädling zum Opfer. «Deshalb», erklärt Kramer, «sind sie für die Waldbesitzer und Forstbetriebe nicht mehr attraktiv.» Dass Ulmen vom Pilz befallen werden, wurde bereits früher beobachtet, erstmals zwischen 1918 und 1940. Damals erholten sich die Bäume jedoch wieder von der Krankheit. In der jüngsten Epidemie ist das bis jetzt nicht der Fall.

Von Kunden viel verlangt

Girsberger will aber auch in Zukunft Tische aus Ulmenholz anfertigen können. Das Holz sei sehr wertvoll, erklärt Kramer. Es ist rötlich-braun, je nach Standort dunkelrot bis dunkelbraun und teilweise mit grünlichen Venen versetzt. «Es wird deshalb auch von den Kunden viel verlangt.»

Bis heute kann die Ulmenwelke nicht direkt bekämpft werden. Am aussichtsreichsten ist es, dem Absterben mit vielen Neupflanzungen zu begegnen. In den Wäldern findet jedoch aus den erwähnten Gründen eher das Gegenteil statt. Hier greift nun Girsberger ein: Der Möbelbauer pflanzt für jeden verkauften Tisch aus Ulmenholz einen jungen Baum.

Neben den drei Sprösslingen auf dem eigenen Firmenareal geschieht dies bisher vor allem in den Forstbetrieben von Lengnau BE und Bucheggberg SO. Das hängt gemäss Kramer vor allem damit zusammen, dass persönliche Kontakte zu den dortigen Forstbetrieben bestehen. «Wir knüpfen jedoch Kontakte, um auch in den Wäldern der Region pflanzen zu können.» Seit vergangenem Oktober hat Girsberger bereits über 100 Ulmen gepflanzt

Forschung unterstützen

Dass im aufgeforsteten Wald bereits bisher Ulmen standen, ist nicht Voraussetzung, im Gegenteil: Bei weit auseinanderliegenden Standorten ist die Gefahr geringer, dass die Krankheit vom Ulmensplintkäfer übertragen wird. Ulmen bevorzugen nährstoffreiche, kalkreiche und lockere Böden. «schweizerulme.ch» nennt die Girsberger AG ihr Engagement für diesen Baum. Nebst weiteren Forstbetrieben hofft Girsberger, auch Forschungsbetriebe mit ins Boot zu holen. Die Bützberger Firma denkt daran, künftig gezielt Forschungsaufträge für die Ulme zu unterstützen. Bisher stellen das Bildungszentrum Wald Lyss und die Gruppe Waldmanagement/Waldbau der ETH Zürich ihre aktuellsten Informationen für den Kampf gegen die Ulmenwelke zur Verfügung.

Infos im Internet: www.schweizerulme.ch, www.wsl.ch (Merkblatt zur Ulmenwelke)