Huttwil
Jahrmarkt Huttwil: «Es war ein ‹leider› Markt»

Huttwil am späten Mittwochnachmittag: Die Markthändler sind zum Teil bereits am Zusammenräumen. Besucher hat es nur noch vereinzelt. «Wenig Leute hatte es auch den ganzen Tag», erklärt Spielwaren-Verkäufer Werner Stöckli. «Es war ein ‹leider› Markt».

Jürg Rettenmund
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Werner und Selina Stöckli bieten Spielwaren an. Fotos: jr

Werner und Selina Stöckli bieten Spielwaren an. Fotos: jr

Solothurner Zeitung

Wenig Leute hat es auch am Abend, als die Gemeinde zum Workshop über die Weiterentwicklung der Märkte einlud. Trotzdem wurde dort engagiert und interessant diskutiert. «Unser Ziel ist es nicht, den Markt abzuschaffen, sondern ihn zu beleben», stellte Adrian Wüthrich, Gemeinderat (SP) mit Ressort öffentliche Sicherheit, einleitend klar. «2013 soll er wieder in volle Blüte stehen.» Dann feiert Huttwil 700 Jahre Stadtrecht. Zum mittelalterlichen Stadtrecht gehörte auch der Markt, selbst wenn er für Huttwil erst später explizit in den Quellen genannt wird. «Im Jubiläumsjahr wollen wir wieder einen Markt präsentieren, der dieser Tradition gerecht wird», gab Wüthrich den Zeitplan vor.

Es geht um Arbeitstage

Dabei zeigten vor allem die anwesenden Markthändler, dass sie gewillt sind, ihren Beitrag zu leisten. «Wir kämpfen um unsere Arbeitstage», erklärte Hansruedi Ginsig, «Le Caramelier» aus Höchstetten BE. Zu diesen gehörten auch die sechs Markttage von Huttwil. Neben den Spitzenmärkten wie Bremgarten AG oder Langnau i.E. brauchten professionelle Markthändler auch die durchschnittlichen, damit es Ende Jahr aufgehe.

Einig war man sich darin, dass den ländlichen Märkten die Kundschaft wegstirbt, zum Beispiel «der Knecht mit dem Rucksack». «Wir sind vom Grundversorger zum Spezialisten und Anbieter von Exklusivem geworden», erklärte Ginsig.

Klar machten die Markthändler, dass sie weder an der Anzahl Markttage, noch an den Daten rütteln wollen. «Herumschieben» habe noch jedem Markt geschadet. «Welcher Markt der beste ist, hängst stark von der Saison der Produkte ab, die ein Händler anbietet», erklärte Hansueli Fankhauser aus Wangen a/A, der mit so genannter «Altwiberschori» unterwegs ist: Schürzen, «Tüechli», Geldbeutel, Hosenträger und Gürtel; Waren, wie sie früher vor allem ältere Frauen für ihre Familien einkauften.

Kein Massstab

Auch zu gross sei der Huttwiler Markt nicht, gaben sich die Markthändler überzeugt. Der Markt vom Mittwoch sei dafür kein Massstab gewesen, weil Ostern dieses Jahr sehr spät gewesen sei. Da viele Marktdaten sich nach dem Osterkalender richteten, hätten sich dieses Jahr ungewöhnlich viele im Mai gedrängt. Walter Rohrbach, Geschäftsführer von Pro Regio Huttwil, der die Themenmärkte organisiert, gab zu bedenken, dass es auf einem kleineren Areal weniger Besucher braucht, bis eine Marktatmosphäre entsteht.

Einig war man sich darin, dass eine gute Auswahl der Händler durch den Marktort wichtig ist, und es auf einem kleinen Areal einfacher wird, die Spreu vom Weizen zu trennen. Allerdings sollte eine Verkleinerung beim nächsten grossen Andrang nicht wieder aufgeweicht werden, forderte Ginsig. «Dann müsst ihr auch Absagen versenden.»

Wichtig sei auch das Erscheinungsbild des Marktes, betonte Walter Rohrbach. «Wenigstens auf der Marktgasse sollte darauf geachtet werden, dass traditionelle Marktstände dominieren und die Verkaufsfahrzeuge nicht überhand nehmen.» Diesbezüglich stimmte seine Einschätzung mit den Markthändlern überein. Otto Rindisbacher, Präsident der Sektion Bern des Schweizerischen Marktverbandes, erklärte es so: «Wir schaffen keine Events, sondern Orte mit Tradition, an denen man sich begegnen kann.»

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