Randsportart
Iveta und Lolita sollen den Erfolg nach Langenthal tragen

Der Damenhockeyklub Langenthal erhält Verstärkung: Die beiden Lettinen Lolita Andrisevska und Iveta Koka sollen die Langenthalerinnen von Sieg zu Sieg tragen.

Urs Byland
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Sportchef Thomas Jau bei der Präsentation der beiden neuen Spielerinnen des Damenhockeyklubs Langenthal. Lolita Andrisevska (Tor, links) und Iveta Koka (Sturm) sind zurzeit in ihrer Heimat in den Ferien. zvg

Sportchef Thomas Jau bei der Präsentation der beiden neuen Spielerinnen des Damenhockeyklubs Langenthal. Lolita Andrisevska (Tor, links) und Iveta Koka (Sturm) sind zurzeit in ihrer Heimat in den Ferien. zvg

Solothurner Zeitung

Früher spielten ausländische Profispieler meist nur bei Schweizer Fussball- und Eishockeyvereinen oder bei Tennisklubs. Heute hat bald jeder Verein der oberen Ligen von Randsportarten Profis in seinen Reihen. Da erstaunt die Meldung des Damenhockeyklubs Langenthal (DHCL) nicht wirklich: Sie haben zwei Lettinnen für die nächste Saison engagiert.

Damit die Spielerinnen oder Spieler in der Schweiz spielen können, müssen Regeln eingehalten werden. Spieler aus einem Drittstaat (ausserhalb Europas) müssen einen Arbeitsvertrag vorweisen, der ein Bruttoeinkommen von 3500 Franken garantiert. «Das ist Sportart unabhängig», erklärt Thomas Jau, Sportchef beim DHCL. Nach dem Arbeitsvertrag erhält die Drittstaatensportlerin eine Aufenthaltsbewilligung und erst danach die Lizenz zum Spielen. Bei EU-Bürgerinnen und -bürger sei das Prozedere ein anderes und einfacher. Hier genüge der Vereinsvertrag für den Erhalt einer Lizenz.

Lettinen arbeiten in Industrie

Deshalb sind die Europäerinnen begehrter. Die jungen Frauen werden oft als Au-pair vermittelt, arbeiten in der Industrie oder werden im Service angestellt. «Für den Verein die günstigste Anstellungsmöglichkeit, die das Gesetz zulässt, ist der Au-pair-Status», sagt Jau. «Dies ist natürlich abhängig vom Alter der Sportlerin. Eine Dreissigjährige würde kaum als Au-pair arbeiten wollen.» Grenze sei vonseiten des Verbandes ein Alter von 25 Jahren. Die Spielerinnen aus Lettland würden nicht als Au-pair arbeiten, sondern in der Industrie Jobs erhalten. Aber auch bei den Europäerinnen gilt: von Gesetzes wegen müssen sie den Lebensunterhalt mit ihrem Lohn bestreiten können. «Das Arbeitspensum beträgt meistens 50 bis 70 Prozent. Vom Verein aus können wir eine Wohnung oder ein Auto zur Verfügung stellen.»

Anders präsentiert sich die Situation für Drittstaatensportlerinnen und -sportler. «Den Amerikanerinnen kann man nicht eine Stelle als Au-pair anbieten. Ihnen muss man eine Arbeitsstelle vermitteln, sonst kommen sie nicht», sagt Thomas Nikles. Cyndy Kenyon, der amerikanische Star der Mannschaft und deren Captain, spielt bereits mehrere Jahre für den DHCL. Der Verein sorgte für eine passende Arbeitsstelle und übernimmt weitere Spesen für Auto und Wohnung.

Der Verein, der sich eine Sportlerin oder einen Sportler aus einem Drittstaat leistet, erwartet sportlich Topleute. «Im Fraueneishockey ist es die Kunst, die Spielerinnen zu holen, die es gerade nicht in die Profiligen Amerikas und Russlands schaffen. Dort erhalten die Spielerinnen 2500 bis 3000 Euro vom Verein. Wir müssen diese zweite Garde der Frauen finden», sagt Jau. Klar sei aber: «Niemand kann in unserer Sportart in der Schweiz reich werden.»

Druck von den Verbänden

Die intensivere Suche nach Verstärkungen aus dem Ausland hat aber auch andere Gründe. Die Personenfreizügigkeit macht möglich, was viele Schweizer Sportverbände sich wünschen: eine qualitative Verbesserung ihrer Sportart. Oder wie es der Langenthaler Ivo Sonderegger, Pressesprecher des Handballvereins Herzogenbuchsee (HVH), formuliert: «Handball ist bei uns eine Randsportart. Deshalb haben wir in der Schweiz nicht das Spielerpotenzial. Es gibt einfach eine zu kleine Auswahl an Handballerinnen oder Handballern in der Schweiz, die unseren Anforderungen genügen würde, damit wir unser Niveau halten können.» Die Damen des HVH spielen in der Nationalliga B und die Männer in der 1. Liga.

Thomas Gübeli, Präsident des Unihockeyvereins Burgdorf Wizards spricht vom Gleichen, wenn er sagt: «Wir engagieren seit Jahren Ausländerinnen, um uns gezielt zu verstärken und den Schweizer Spielerinnen gewisse Anreize zu geben, sich zu verbessern.» Seit drei Jahren werden Ausländerinnen in den Teams der Burgdorf Wizards integriert.

Zu wenig Schweizer Spielerinnen

Den Druck des Verbandes spüren die Damenhockeyverantwortlichen in Langenthal am deutlichsten. «Der Verband puscht das Frauenhockey. Das Niveau soll international ausgeglichener werden. Im Gegenzug haben wir hier je länger je weniger genügend einheimische Spielerinnen, die den gestiegenen Trainingsaufwand auf sich nehmen können», erklärt der Sportchef. Die Vereine würden quasi gezwungen, auf ausländische Spielerinnen auszuweichen.

«Eine Nati-Spielerin muss heute über 50 Ferientage opfern, um in der Nati spielen zu können. Das macht nicht jeder Arbeitgeber mit.» Und dies in Sportarten, in denen die Schweizer Spielerinnen noch wie üblich ihre Jahresbeiträge einzahlen, um spielen zu dürfen.

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