Solothurn
Ist das Kapuzinerkloster bald eine Flüchtlingsunterkunft?

Die Anzeichen für eine baldige Umnutzung des Kapuzinerklosters als Asylunterkunft verdichten sich. Das Solothurner Kloster könnte als Übergangslösung dienen.

Wolfgang Wagmann
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Die Ausstellung Authentica findet vom 26 bis und mit 29. Mai nochmals im Kapuzinerkloster statt – ab dann könnte dieses als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden.

Die Ausstellung Authentica findet vom 26 bis und mit 29. Mai nochmals im Kapuzinerkloster statt – ab dann könnte dieses als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden.

Wolfgang Wagmann

Meist liegt das Kapuzinerkloster still und verträumt im Norden der Solothurner Altstadt. Doch möglicherweise ändert sich das schon bald: Flüchtlinge könnten einziehen. «Aber nur in den Räumen des Erdgeschosses. Und es wird ein Baugesuch geben», hatte Domenika Sent, Leiterin der Sozialen Dienste, zuletzt im Gemeinderat verlauten lassen.

Wobei – «gebaut wird nichts, es handelt sich lediglich um ein Umnutzungsgesuch», präzisiert Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli. Dieses müsse formal erfolgen, «damit im Kloster nichts kaputt geht». Die engen Mönchsklausen in den Obergeschossen wären dagegen für die Unterbringung von Flüchtlingen «schon nur aus Sicherheitsgründen nicht geeignet».

Sollte das Kapuzinerkloster wirklich mit Flüchtlingen belegt werden, so handle es sich nur um eine vorübergehende Massnahme, betont Mäusli. Denn noch immer sei man auf Investorensuche für eine definitive Lösung des seit 2003 vom Orden verlassenen Gebäudes, «und wir machen auch immer wieder Reklame für das Kloster».

Doch derzeit sei kein konkretes Projekt in Arbeit, «aktuell hat niemand ein exklusives Planungsrecht», verweist Mäusli auf frühere Interessenten, von denen der Kanton als Besitzer des Klosters Finanzierungsnachweise über ein Investitionsvolumen von rund 20 Mio. Franken erwartet hatte.

«Sind noch am Abklären»

«Aktuell kann niemand sagen, wie die Entwicklung sein wird», stellt sich David Kummer, Abteilungsleiter im Amt für soziale Sicherheit, auf alle Eventualitäten bezüglich Flüchtlingsansturm ein. Und da hätte in einem allfälligen Notfallplan des Kantons auch das Kapuzinerkloster seinen Platz. Einerseits als mögliche Überbrückungslösung bis beispielsweise eine Unterkunft wie die Schläfli-Villa in Selzach umgebaut wäre. Andrerseits einfach dann, wenn der Strom der zu unterbringenden Flüchtlinge nochmals massiv anschwillt.

«Rund 70 Personen», könnte man in den Erdgeschoss-Räumlichkeiten unterbringen. Wann und ob, das kann Kummer unmöglich sagen. «Bis Ende Frühling sehen wir weiter.» Jedenfalls habe man den Standort Kapuzinerkloster mit der Gebäudeversicherung abgeklärt.

Und daher das Fazit: In den oberen Räumen ist eine Unterbringung unmöglich, sehen Kummer wie Mäusli vor allem Sicherheitsprobleme. Aber auch der Klostergarten sei tabu. Abklärungen erfolgten deshalb auch mit der Denkmalpflege, «denn die Räume im Erdgeschoss sind die wertvollsten und jene, die erhalten werden müssen», verweist David Kummer auf das Refektorium, den ehemaligen Speisesaal der Patres, oder den Kreuzgang.

Authentica findet noch statt

Dass sich dort schon bald etwas in Sachen Flüchtlinge tun könnte, weiss auch Urs Bucher. Der rührige Event-Veranstalter führt nämlich Ende Mai die viertägige Ausstellung Authentica erneut in Klostergarten und -Gebäude durch. Und zwar genau in den Räumen, die für die Flüchtlingsaufnahme angedacht sind – darunter die Küche oder das stimmungsvolle, ganz in Holz gehalten Refektorium.

«Die ‹Authentica› kann ich dieses Jahr sicher noch im Kloster durchführen», erklärt Bucher, «sie ist der einzige Anlass, den ich gemäss dem Kanton noch definitiv planen darf. Alle anderen Termine sind nur provisorisch» und müssten also laut Bucher jederzeit gecancelt werden. Dies gelte beispielsweise auch für eine Geburtstagsparty nur zwei Wochen nach der «Authentica» – für Bucher ebenfalls ein Indiz, dass die neuen Bewohner jederzeit zum Thema werden könnten.

«Ich suche jedenfalls schon heute nach geeigneten, stimmungsvollen Räumen für die nächste ‹Authentica›. Denn sie soll in Solothurn bleiben.» Was für Urs Bucher nicht einfach ist, denn das Kapuzinerkloster sei halt schon ideal für die Produkte-Präsentation von Klein-Produzenten gewesen – eine weitere «Authentica» fand übrigens letztes Jahr auch im Kapuzinerkloster Appenzell statt. «Und die Vorlaufzeit für die Organisation der ‹Authentica› liegt bei acht Monaten», weiss der Macher des Grossanlasses mit 60 Ausstellern und mehreren tausend Besuchern während vier Tagen.

Noch genügend Zeitreserven hätten die Organisatoren des zweiten öffentlichen Grossanlasses, der neuntägigen Ausstellung «Advent im Kloster», die vor allem Stadtgeschäfte im November durchführen. Doch habe man noch keine Informationen durch den Kanton erhalten, und warte deshalb zu, ist auf Anfrage im OK zu hören.