Wahlumfrage
Innerbürgerliches Duell statt Ausbau der Mehrheit

Alle Regierungsmitglieder scheinen fest im Sattel zu sitzen und ein zweiter SVP-Sitz in weite Ferne zu rücken. Dies ist das augenfällige Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Aargauer Zeitung.

Urs Moser
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Die amtierenden Regierungsräte haben gute Chancen.

Die amtierenden Regierungsräte haben gute Chancen.

Die Aargauer Bevölkerung ist zufrieden mit ihrer Regierung. Dies das augenfällige Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Aargauer Zeitung: Würde heute gewählt, lägen alle vier bisherigen Regierungsmitglieder praktisch gleichauf und würden das absolute Mehr für die Wiederwahl locker erreichen. Je 54,3 Prozent der Befragten würden ihre Stimme Frau Landammann Susanne Hochuli (Grüne) und Landstatthalter Alex Hürzeler (SVP) geben. Roland Brogli (CVP) kommt in der Umfrage auf 54,2, Urs Hofmann (SP) auf 53,8 Prozent, wobei die Differenz der Nennungen so gering ist, dass man von einem Gleichstand aller amtierenden Regierungsräte sprechen kann.

SVP-Angriff zielt ins Leere

Aber was ist mit dem fünften Sitz des freisinnigen Baudirektors Peter Beyeler, der nicht mehr zur Wiederwahl antritt? Erwartet worden war eigentlich, dass der Angriff der SVP mit ihrem Parteipräsidenten Thomas Burgherr als zweitem Kandidaten am ehesten Sozial- und Gesundheitsdirektorin Susanne Hochuli gefährlich werden könnte. Offiziell spielt die SVP zwar nicht auf die Frau, aber es ist klar, gegen wen sich ihr Anspruch auf einen zweiten Sitz richtet: Als Vertreterin der Grünen verfügt Hochuli über die dünnste Parteibasis, und im Asylwesen bietet sie der SVP eine fussballfeldgrosse Angriffsfläche. Nun sieht es aber so aus, dass der Schuss nicht nur daneben, sondern gewaltig nach hinten losgeht: Wenn überhaupt, scheint es im Rennen um den zweiten Sitz zu einem Duell zwischen SVP-Herausforderer Thomas Burgherr und FDP-Kandidat Stephan Attiger zu kommen, dem eigentlich gar niemand die Nachfolge von Peter Beyeler streitig machen wollte.

In der Umfrage liegt der Badener Stadtammann mit 36,1 Prozent zwar deutlich vor Burgherr mit 27,5 Prozent. Ob sich bis zum Wahltag am 21. Oktober aber die Lücke bis zum absoluten Mehr füllen lässt, ist eine andere Frage. Würde die SVP in einem zweiten Wahlgang an ihrer Kandidatur festhalten, käme es so oder so nicht zu einer Stärkung der bürgerlichen Mehrheit im Regierungsrat, sondern vielmehr zu einer enormen Belastungsprobe für die Zusammenarbeit im bürgerlichen Lager.

Attiger überparteilich akzeptiert

«Wenn es so weit kommen sollte, müssten wir über die Bücher, aber darüber spekuliere ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht», sagt SVP-Präsident Thomas Burgherr. Er nimmt sein Umfrageergebnis mit Fassung entgegen: Klar wäre ihm ein besserer Wert lieber, aber er sei keineswegs deprimiert. Die Umfrage zeige ihm, dass er noch mehr «an die Säcke muss», um die Wähler auch wirklich an die Urne zu bringen.

«Sehr gut leben» kann Stephan Attiger mit dem Ergebnis. Dass es bei Persönlichkeitswahlen einen grossen Bisherigen-Bonus gibt und sein Umfragewert mehr oder weniger deutlich unter dem der amtierenden Regierungsräte liegt, damit sei zu rechnen gewesen. Noch sei aber nicht einmal das Wahlmaterial verschickt, da könne sich noch viel ändern und er wolle die verbleibende Zeit nutzen, um seinen Bekanntheitsgrad weiter zu steigern. Da der FDP-Anspruch auf eine Regierungsvertretung von keiner Seite bestritten sei und auch weil er als Einziger aus dem ganzen Kandidatenfeld aus dem Ostaargau stamme, schätze er die Ausgangslage als gut ein.

Klarer Vorteil für Attiger: Er hat einen meilenweiten Vorsprung bezüglich der Akzeptanz ausserhalb des eigenen Parteilagers. 43 Prozent der Befragten, die bei den Grossratswahlen CVP wählen wollen, gaben ihm in der Umfrage die Stimme, bei den SVP-Wählern waren es 32 Prozent, und sogar bei 22 Prozent der SP-Wähler hat sein Name auf dem Regierungsrats-Wahlzettel Platz. Thomas Burgherr kommt nur bei den FDP-Wählern auf einen annähernd so hohen Wert von 22 Prozent, lediglich 9 Prozent der CVP-Wähler und weniger als 4 Prozent der SP-Wähler sehen ihn als Regierungsrat.

Hochuli: «Botschaft kommt an»

Die ins Visier genommene Regierungsrätin Susanne Hochuli findet dagegen auch im bürgerlichen Lager eine viel breitere Unterstützung. Von den Befragten, die bei den Grossratswahlen FDP wählen wollen, sehen sie 44 Prozent auch auf dem Regierungsrats-Wahlzettel, bei den CVP-Wählern sind es sogar 63 Prozent, und selbst 18 Prozent der SVP-Wähler wollen ihr die Stimme geben. Für sie gelte, was sie immer gesagt habe: Sie kämpfe nicht gegen jemanden, sondern für etwas und gehe davon aus, dass das für alle gelte, kommentiert Susanne Hochuli das Umfrageergebnis: «Es freut mich, dass diese Botschaft offensichtlich ankommt.»