Huttwil
In Huttwil soll im Herbst 2013 eingeheizt werden

Huttwil hat grosses Interesse an dem geplanten Wärmeverbund im Städtli. Es wurde ein Perimeter bis in den Bereich der Südstrasse im Westen und die Coop-Tankstelle im Osten festgelegt. Jetzt beginnt die Akquisition der Wärmebezüger.

Jürg Rettenmund
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Die Heizzentrale des Wärmeverbundes ist an der Eriswilstrasse, im Bereich der Sägerei Schürch, vorgesehen. Der genaue Standort steht aber noch nicht fest.jr

Die Heizzentrale des Wärmeverbundes ist an der Eriswilstrasse, im Bereich der Sägerei Schürch, vorgesehen. Der genaue Standort steht aber noch nicht fest.jr

«Es geht los», sagte Lukas Müller, Regionalvertreter der Firma Renercon am Montagabend in der Pausenhalle des Huttwiler Schulhauses Hofmatt. Los geht es mit dem Wärmeverbund, der in Huttwil ein Thema ist, seit die Stimmberechtigten mit dem Projekt für ein Mehrzweckgebäude im Dornacker im Frühsommer 2010 auch einen solchen abgelehnt hatten.

Los geht es, und am Start stehen viel mehr Leute als noch vor ein paar Monaten. Das hat einmal damit zu tun, dass das Projekt selbst gewachsen ist. Der Wärmeverbund im Zusammenhang mit dem Mehrzweckgebäude hätte bloss die Gemeinde-Liegenschaften rund um das Städtli-Schulhaus und die Dornacker-Turnhalle heizen sollen. Für den Neuanfang wurde ein Perimeter bis in den Bereich der Südstrasse im Westen und die Coop-Tankstelle im Osten festgelegt.

Inzwischen haben auch die Bauherren der Neubauprojekte rund um den Bahnhof und die Jowa Interesse angemeldet. Zudem kommt die Heizzentrale voraussichtlich an die Eriswilstrasse, in den Bereich der Sägerei Schürch, zu stehen. Der Perimeter wurde deshalb auf diese neuen Eckpunkte erweitert, womit er praktisch das ganze Ortszentrum abdeckt. Schliesslich ist das Interesse der Hauseigentümer ungebrochen, was sich in einem Grossaufmarsch und vielen Fragen niederschlug.

Noch keine Verträge abgeschlossen

Los geht es vorerst allerdings noch nicht mit Baumaschinen, sondern mit der Akquisition der Wärmebezüger. Selbst mit den Grossbezügern seien noch keine Verträge abgeschlossen worden. Und auch von der Sägerei Schürch gebe es zwar positive Signale, vieles sei aber noch offen, hob Lukas Müller hervor. Die Renercon sieht mit diesem Betrieb aber viele Synergien, müsste die Sägerei doch ihre eigene Heizung ohnehin in den nächsten Jahren ersetzen. Zudem wäre sie mit ihrem Abholz ein grosser Brennstofflieferant.

Da die neue Heizung technisch auf einem neueren Stand sein wird, rechnet Projektleiter René Müller für die Anwohner trotz grösserer Heizleistung mit weniger Geruchsbelästigungen als bisher, wie er auf Bemerkungen aus dem Publikum erklärte, heute rieche man die Sägerei. Pro Jahr entwichen dem Kamin weniger als 300 Kilogramm Feinstaub, soviel wie ein emissionsarmer Mittelklasse-Personenwagen bei 2100 Kilometer Fahrt produziere.

Zu Diskussionen Anlass gaben jedoch nicht nur die Abgase der Heizung, sondern auch die fast täglichen Lastwagenfahrten, die für die Zufuhr der Schnitzel nötig sein werden. Diesen Befürchtungen hielt René Müller entgegen, dass in Holzschnitzeln bloss 1,5 Prozent graue Energie für das Häckseln und den Transport steckten, während es bei Heizöl zwischen 15 und 20 Prozent sind.

Drei Viertel müssen unterschreiben

Damit im November die Baumaschinen loslegen können, braucht die Renercon bis im August vertragliche Zusagen für drei Viertel der vorgesehenen Heizleistung. Vorgesehen ist eine Anlage mit einer Leistung von 5000 Kilowatt für 115 Anschlüsse.

50 Prozent der benötigten 10000 Kubikmeter Holzschnitzel sollen aus der Sägerei Schürch bezogen werden, die andere Hälfte aus den Wäldern der Region. Als Lieferant tritt die Emmentaler Wald & Holz GmbH auf, die unter anderem auch die Huttwiler Herdgemeinde vertritt. Die 10000 Kubikmeter Holzschnitzel ersetzen rund 1,1 Millionen Liter Heizöl, wodurch 2650 Tonnen CO2 nicht in die Umwelt gelangen.

Die Renercon rechnet mit Investitionen von 7,5 Millionen Franken, wobei rund 3 Millionen auf das Leitungsnetz entfallen. Für die Wärmebezüger sei die Fernwärme mit Gesamtkosten von 15 bis 20 Rappen pro Kilowattstunde gegenüber einer neuen Ölheizung günstiger. Gemeindepräsident Hansjörg Muralt erklärte zudem, im Fall seiner Liegenschaft sei auch der Anschluss anstelle der bestehenden Ölheizung ein Nullsummenspiel. Als Innovation bezeichnete René Müller den variablen Energiepreis, der von der Rücklauftemperatur beim Kunden abhängig ist und diesem damit einen Anreiz gibt, die Effizienz seiner Heizung zu verbessern.

Die Renercon rechnet mit einer Bauzeit von November 2012 bis Juli 2013 und einer Inbetriebnahme auf die Heizsaison 2013/2014.