Lohn
In der Oberaargauer Industrie ist der Spielraum für Lohnerhöhungen klein

Die Negativ-Nachrichten ausder Wirtschafts- und Finanzwelt verheissen nichts Gutes fürdie anstehenden Lohnverhandlungen. So auch im Oberaargau. Insbesondere in der Textilindustrie sind Nullrunden angesagt. Hauptgrund ist der Eurokurs.

Franz Schaible
Merken
Drucken
Teilen
Wie bei fast allen Textilfirmen kommt es auch beim Teppichhersteller Ruckstuhl in Langenthal zu einer Nullrunde.

Wie bei fast allen Textilfirmen kommt es auch beim Teppichhersteller Ruckstuhl in Langenthal zu einer Nullrunde.

UBY

Das Resultat der Ende Oktober publizierten Lohnumfrage der UBS ist für die Arbeitnehmenden weder berauschend noch völlig enttäuschend. Im Durchschnitt sollen demnach die Nominallöhne 2012 um 1,1 Prozent steigen (siehe Kasten). Eine Kurzumfrage unter Firmen im Oberaargau zeigt aber, dass selbst eine bescheidene Lohnerhöhung alles andere als sicher ist.

Es gebe durchaus Branchen und Betriebe, die sich eine Lohnerhöhung über die Teuerung hinaus werden leisten können, erklärt Mark Hess, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Oberaargau (WVO). «Andere werden sich mit einer Nullrunde begnügen oder sogar länger arbeiten müssen bei gleichem Lohnniveau.» Noch verfügten zwar viele Betriebe über volle Auftragsbücher, aber auch über «leere Kassen». Die Exportfirmen müssten oft auf ihre Marge verzichten oder sogar unter Selbstkosten verkaufen, um im Markt zu bleiben. Besonders betroffen seien Firmen mit hoher Wertschöpfung in der Schweiz und hohem Exportanteil in den Euro- und Dollar-Raum, beobachtet Hess. «Sollte die Frankenstärke anhalten, werden einige Firmen wohl auch nicht darum herumkommen, Personal in der Schweiz abzubauen, um das Überleben der Betriebe zu sichern.»

Das trifft voll und ganz auf die Textilindustrie zu. Anfang September gab der Vorhangstoffhersteller Création Baumann in Langenthal bekannt, bis Ende 2012 mindestens zwölf Arbeitsplätze abbauen zu müssen, davon vier sofort. Die Firma sei mit hohen Währungsverlusten konfrontiert, sagt Firmenchef Philippe Baumann. «Wir rechnen im laufenden Geschäftsjahr mit roten Zahlen, auch wenn der Umsatz auf Vorjahresniveau gehalten werden kann.» Man habe deshalb mit der Personalkommission eine Nullrunde vereinbart. Ähnlich tönt es bei der traditionsreichen Teppichherstellerin Ruckstuhl AG in Langenthal. «Wir können vorerst keine Lohnerhöhung gewähren», erklärt Inhaber und Chef Peter Ruckstuhl. Der starke Franken führe zu einem massiven Rückgang der Deckungsbeiträge sowie zu rückläufigen Umsätzen. Die Schuldenkrise im Euroraum beeinflusse das europäische Kaufverhalten wesentlich. Zwar sind die Lohnverhandlungen bei der Textilgruppe Lantal noch am Laufen, aber grosse Sprünge sind nicht zu erwarten. Gab die Unternehmung doch kürzlich 17 «wechselkursbedingte» Entlassungen bekannt.

Denselben Verhandlungsstand kommuniziert der Maschinenbauer Ammann. Das Resultat sei noch offen. «Es wird aber höchstens zu einer kleinen Anpassung kommen, welche sich nach der aktuellen Geschäftsentwicklung und der wirtschaftlichen Lage richtet», sagt Ammann-Kommunikationschef Lukas Jenzer. Falls es zu einer Erhöhung komme, dann stünden individuelle Anpassungen im Vordergrund. Die Finanzkrise und die Wirtschaftslage wirkten sich auf die Auftragslage aus. Einer der Einflussfaktoren sei die Frankenstärke. «In diesem Zusammenhang sind auch Arbeitszeiterhöhungen und Lohnreduktionen im Gespräch», erklärt Jenzer.

Ein anderer Industriebetrieb im Oberaargau will nur anonym Auskunft geben. Dabei hat er Gutes zu berichten. «Wir erhöhen die Löhne für 2012. Es geht in Richtung 1 Prozent der Lohnsumme.» Weitere angefragte Firmen wie die Clientis Bank Oberaargau, die Geiser agro.com AG oder die Stadtverwaltung Langenthal haben noch keine Entscheide über mögliche Lohnanpassungen gefällt.