Buskonzept
In der Höhle des Löwen

Stadtpräsident Thomas Rufener stand Interessengemeinschaft Schoren Red und Antwort.

Urs Byland
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Solothurner Zeitung

Die Luft im Säli vom «Pintli» in Schoren war zum Zerschneiden dick. Gut 90 Personen sassen oder standen auf engstem Raum. An der Decke hingen farbige Papierbahnen und an den Wänden Pokalschränke oder eine uralte Fahne der Hornusser, auf der gerade ein Schläger zum Schlag ausholt. Hierhin wagte sich Stadtpräsident Thomas Rufener am Donnerstagabend, in die Höhle des Löwen, zu den Schorenern, die für ihre Buslinie sprachen. Der Ort des Zusammentreffens wurde von den Organisatoren Kurt Lanz und Daniel Lauterburg nicht zufällig gewählt. Die neusten Korrekturen am Buskonzept sehen die Schliessung der Haltestelle «Pintli» mitten in Schoren vor. Dafür wird der Thunstetter Bus in Schorens Süden neu die Haltestelle bei der Eisbahn bedienen und der Stadtbus 64 die Schorener im Norden bedienen. Mit dem absehbaren Nachteil, dass die Anschlüsse an die Züge Richtung Olten nicht gewährleistet sein werden (wir berichteten).

«Angebot zurück»

«Wir wollen das Angebot, wie es bis 2009 bestanden hatte, wieder zurück», brachte Daniel Lauterburg die Forderung der Interessengemeinschaft Schoren auf den Punkt. Dieses habe aus seiner Sicht für die Anschlüsse nach Bern und Olten ziemlich gut funktioniert. Es sei für ihn überhaupt nicht ersichtlich, weshalb das damalige Busangebot abgeändert wurde. Thomas Rufener wehrte sich betont sachlich und wies im Grundsatz auf die fehlende Frequenz und die Kosten hin: «Wir wollen ein gutes und ein bezahlbares Angebot.» 2009 stiegen durchschnittlich rund 20 Personen bei den Haltestellen in Schoren in die Busse. Wohlgemerkt, nicht in einen Bus, sondern täglich. «Wir hatten das Problem, dass das Busangebot gut auf das Bahnangebot abgestimmt ist, aber zu wenig genutzt wurde.»

Schon frühzeitig hätten die Verantwortlichen begonnen sich zu fragen, weshalb in Schoren nicht mehr Leute den Bus nutzen wollten. Rufener verwies auf eine Umfrage, die als Grundlage der späteren Konzeptänderung diente. Aufgrund dieser Umfrage wurden nicht mehr die Pendler, sondern die Anbindung des Quartiers an die Stadt als prioritär betrachtet. Wie nun aber die Zahlen zeigten, hat diese Konzeptänderung nicht mehr Frequenzen gebracht, worauf eben neuerliche Korrekturen (oben erwähnt) beschlossen wurden.

Welche Umfrage?

In zwei nicht unwichtigen Punkten müssen sich die Verantwortlichen für das Busangebot Kritik gefallen lassen. Die Veranstaltung am Donnerstagabend zeigte, dass niemand der Anwesenden sich an dieser Umfrage beteiligte, die laut Rufener 2004 oder 2005 durchgeführt wurde. Aufgrund dieser Umfrage wurde aber unter anderem auch das Busangebot geändert. Rufener versprach sich dafür einzusetzen, dass für die kommende Periode 2014 bis 2017 eine Erhebung durchgeführt wird.

Der zweite Punkt betrifft die ersten Korrekturen, die Ende Mai eingeführt wurden. Moniert wurde, dass diese zu wenig lang erprobt werden konnten, um aussagekräftige Erhebungen machen zu können. Aufgrund der Zahlen im Juni, dem einzigen Monat mit Normalverkehr vor den Ferien, wurden die neuerlichen Korrekturen diskutiert und entschieden. Dieses Manko wurde auch an einer Sitzung der Regionalen Verkehrskonferenz, die das Busangebot festlegt und dem Kanton beantragt, festgestellt.

«Es gibt immer Betroffene»

Zentral bleibt aber der Umstand, dass die Frequenzen im Quartier Schoren, entgegen den subjektiven Wahrnehmungen vieler Anwesenden, nicht stimmen. Der Stadtpräsident wehrte sich mit dem Hinweis, dass Schoren ein Teil des Ganzen ist. «Eines habe ich gelernt: Ändert man etwas am Bussystem, gibt es immer Betroffene.» Der öV könne sich nicht nach den Wünschen des Individuums richten, sondern sei immer ein Ausgleich der Interessen.

In der folgenden Diskussion zwischen Rufener und den Anwesenden besprachen diese die Idee, das Bussystem am Morgen und am Abend auf die Pendler auszurichten und tagsüber ein anderes System anzuwenden. Rufener verspricht, das alte Angebot, wie es bis 2009 bestand, nochmals zu prüfen. Er forderte die IG Schoren auf, ihre Forderungen schriftlich der Stadt zu hinterlegen.