Weinlese
In den Weinkellern reifen edle Tropfen

Rebbaukommissär Jürg Maurer und Winzer reden von einem «tollen Jahr». Die Trauben würden eine hervorragende Qualität aufweisen. Der Wein aus dem Jahr 2011 soll ein «edler Tropfen» werden.

Bruno Utz
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Heuer wurden die Reben im Bernbiet von Hagel verschont. uz

Heuer wurden die Reben im Bernbiet von Hagel verschont. uz

Solothurner Zeitung

«Die Trauben wiesen eine hervorragende Qualität auf. Der Zuckergehalt lag einmal mehr über dem Zehnjahres-Durchschnitt.» So äussert sich die Volkswirtschaftsdirektion in einer Medienmitteilung vom Freitag zur diesjährigen Weinlese.

«Es hat einfach alles gestimmt, das ist sensationell», ergänzt Jürg Maurer auf Anfrage. Der Rebbaukommissär am Inforama Oeschberg ist verantwortlich für die Weinlesekontrolle. Die Ergebnisse schreibt er jeweils in einem umfassenden Bericht nieder. Die bernischen Winzer seien heuer von Hagelschlägen verschont geblieben. Dies im Gegensatz zum Züribiet, «wo fast alle Reben verhagelt wurden», so Maurer.

Die Witterungsbedingungen beschreibt der Kommissär als bilderbuchmässig: «Früher Austrieb, trockenes Wetter ab April, Regen im Juli, im richtigen
Moment wieder Sonnenschein und ein ‹Läset› bei sommerlichen Temperaturen.»

Hoher Zuckergehalt ...

Laut der Mitteilung lag der Zuckergehalt rund ein halbes Brix (+3,5 Prozent), bei Pinot noir sogar 1,5 Brix (+6,3 Prozent) über dem zehnjährigen Schnitt. Der höchste Zuckergehalt bei den wichtigsten Sorten sei bei einem Posten Pinot Gris mit 28,1 Brix (120 Oechsle) am Bielersee am 24.September gemessen worden. Das Traubengut sei ausnahmslos von ausgezeichneter Qualität gewesen. «Das gilt für beide grossen Weingebiete im Kanton Bern, die Region Bielersee und die am Thunersee», sagt Maurer.

... und grosse Mengen

Dieses Jahr wurden im Kanton Bern 2,023 Millionen Kilo Trauben geerntet. Das ist nur eine leicht geringere Menge als im Grosserntejahr 2009. Aufgefallen seien die zahlreichen Wespen, die den Ertrag an einzelnen Standorten und je nach Sorte zum Teil beträchtlich dezimierten.

Im Kanton Bern sei mit knapp 800Tonnen immer noch der Chasselas/Gutedel die Hauptsorte, gefolgt vom Pinot Noir/Blauburgunder. Die anderen Sorten umfassten mittlerweile beachtliche 526 Tonnen. Der Anbau von Spezialitäten habe in den letzten Jahren stetig zugenommen. Und diese Weine erfreuten sich grosser Beliebtheit bei den Konsumenten. Laut Maurer sind dies bei den weissen Sorten hauptsächlich Chardonnay, Pinot Gris und Sauvignon blanc, bei den roten Sorten Gamaret, Malbec, Dornfelder und die Neuzüchtung Garanoir. Die Rebfläche sei mit 244 Hektaren praktisch unverändert geblieben.

Der Traubenmost der rund 200 Bewirtschafter reife nun bei den rund 90 Selbsteinkellern zu verkaufsfertigen Weinen. Die Gärung sei abgeschlossen. Vielfach habe schon der biologische Säureabbau eingesetzt.

«Ich bin rundum zufrieden»

«Im Keller bestätigt sich bereits, was wir im Herbst geerntet haben: Es entwickelt sich ein wunderschöner, fruchtiger Wein», bestätigt Fredi Marolf die von Maurer gemachten Feststellungen. «Der 2011er wird sicher ein sehr guter Wein. Von einem Spitzenjahrgang will ich nicht schon wieder reden, sonst glaubt es bald niemand mehr», flachst der Weinbauer aus Erlach. Er sei rundum zufrieden. «Wenn man sich ein Jahr wünschen kann als Weinbauer, dann wünscht man sich ein solches wie 2011.»

Bezüglich der hervorragenden Wetterbedingungen für die Reben der letzten drei Jahre in Folge sieht Jürg Maurer einen Zusammenhang mit der Klimaveränderung. Auch andere Pflanzen trieben früher aus. «In einem Langzeitvergleich stellten wir beispielsweise bei der Apfelsorte Golden eine Verschiebung um rund einen Monat fest.»

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