Interlaken
In 73 Tagen beginnt das Jodlerfest

In 73 Tagen ist es so weit: In Interlaken messen sich Nachwuchsjodler und Jungmusikanten am nationalen Final. Die Oberaargauer erwarten mehr Gemütlichkeit als 2008 in Luzern.

Bruno Utz
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Solothurner Zeitung

In 73 Tagen ist es so weit: In Interlaken messen sich Nachwuchsjodler und Jungmusikanten am nationalen Final. – Das ist der erste Anlass des diesjährigen Eidgenössischen Jodlerfestes. Enden wird das Folklorefest am Sonntag, 19. Juni, mit dem grossen Umzug.

«Selbstverständlich sind wir dabei», sagt Therese Greub. Das sei doch für einen bernischen Klub schon fast Pflicht, ergänzt die Präsidentin des Jodlerklubs «Echo Langenthal». Sie freue sich jeweils auf die verschiedenen Trachten – und diesmal ganz besonders auch auf die Berner Oberländer Natur: «Irgendwie sind die ‹Eidgenössischen› ein schweizerischer Multi-Kulti-Treffpunkt», ergänzt die gebürtige Wimmiserin im Gespräch.

Ähnlich tönt es bei den anderen Befragten: «Alle drei Jahre am ‹Eidgenössischen› teilnehmen, das gehört sich. Für uns ist es jeweils ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte», sagt Rudolf Spichiger, der den Jodlerklub Roggwil präsidiert. Er und seine Sänger freuten sich, am Fest wieder Jodlerinnen und Jodler aus der ganzen Schweiz anzutreffen. «Man steht spontan zusammen, einer stimmt ein Lied an und alle singen mit», beschreibt er das «Besondere» des Grossanlasses.

Mit anderen Klubs messen

Das Wichtigste sei jeweils eine gute Festatmosphäre, sagt auch Rolf Christen vom Jodlerklub Rohrbach. Man treffe auf Leute aus allen Landesteilen, mit denen man sonst nie Kontakt hätte. Ganz Klubpräsident verweist Christen neben dem gesellschaftlichen Aspekt jedoch auch auf den Wettkampfgedanken: «Für uns ist das ‹Eidgenössische› jeweils eine Standortbestimmung. Wir wollen uns mit anderen Klubs messen und schauen, wie unsere gesangliche Ausbildung von den Juroren beurteilt wird.»

Voraussetzung für eine Teilnahme ist übrigens die Qualifikation – mindestens die Note 2 muss an einem Verbandsfest ersungen werden. «Rohrbach» habe sich gleich zweimal für «Interlaken 2011» qualifiziert: «Einmal am kantonalen in Gstaad und letztes Jahr in Langenthal», sagt Christen.

Fünf neue Sänger aufs Mal

In Langenthal dabei war auch das Jodlerchörli Niederönz. «Aber nur als Helfer», sagt Präsidentin Rosemarie Tobler. Das «Chörli» habe wegen zahlreicher Wechsel nicht gesungen und sei somit auch nicht fürs «Eidgenössische» qualifiziert.
«Wir hatten fünf neue Sänger aufs Mal und erst noch eine neue Direktion.» Nach Interlaken ans Fest fahren würden jedoch einige Chormitglieder: «Wir freuen uns bereits jetzt auf ein gemütliches Fest.»

Nach dem Wettkampf zufrieden mit anderen Jodlern, Alphornbläsern und Fahnenschwingern Zusammensitzen, führt auch Fredy Niederberger als Motivation für die Teilnahme an. Niederberger ist Präsident der Alphornbläsergruppe Oberaargau. «Mitmachen an kantonalen und eigenössischen Festen hat bei uns Tradition. Dafür üben wir auch das ganze Jahr.» Er hoffe, dass seine Bläsergruppe mit einer 1 benotet werde.

Mehrfachteilnehmerin Henkel

Ein «Eidgenössisches» sei immer wieder etwas ganz Besonderes, sagt auch Kathrin Henkel, Dirigentin vom Jodlerklub Burgwäldli Leuzigen und vom Jodlerklub Bettlach. Mit beiden Vereinen wird Henkel in Interlaken antreten. «Und selber singe ich noch in einem Quartett mit», ergänzt Henkel.

Sie hoffe, dass in Interlaken wieder der Jodel im Vordergrund steht. Henkel: «Dass die Organisatoren nach Luzern 2008 nicht wieder einen neuen Teilnehmer- und Besucherrekord anpeilen, ist gut. In Luzern gingen die Jodler etwas verloren» (vgl. separaten Artikel).

Weniger «Kilbi» als in Luzern

Mit dieser Aussage trifft Henkel den Nagel auf den Kopf, denn sämtliche Angefragten blicken mit zwiespältigen Gefühlen auf das «Eidgenössische 2008» zurück: «Uf es bitzeli weniger Chilbi», hofft Rolf Christen. Der Samstagabend habe sich in Luzern zu einem reinen Stadtfest entwickelt. «Die Jodler waren nur noch eine Randerscheinung.» Vom Organisationskomitee habe sie gehört, in Interlaken werde das anders sein. «Angeblich soll nicht in jedem Zelt und entlang jeder Strasse Konservenmusik die Jodler übertönen», freut sich Rosemarie Tobler.

Übrigens: Umzugsbesucher des «Kantonalen 2010» in Langenthal stossen in Interlaken auf Bekannte: Die Alphornbläsergruppe Oberaargau wird mit ihrem Umzugswagen auch in Interlaken dabei sein und darauf frisch und froh musizieren.