Kinderfasnacht
Immer mehr Kinder verkleiden sich an der Fasnacht als Waggis

Zu den Piraten, Prinzessinnen und Feen gesellt sich dieses Jahr auch wieder ein echter Klassiker: Wie die Geschäftsführerin des grössten Schweizer Kostümverkaufs sagt, laufe das klassische Waggis-Kostüm dieses Jahr überraschend gut.

Céline Feller
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Kinderfasnacht: Wäggis laufen überraschend gut
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Die Tierwelt ist immer wieder ein Ideengeber.
Bei den Mädchen immer beliebt: Das Feen-Kostüm.

Kinderfasnacht: Wäggis laufen überraschend gut

Juri Junkov

Organisiert ist sie nicht, die Kinderfasnacht. Sie lebt vom Spontanen und von den Vorlieben der Kinder. Traditionell bevölkern die Kleinen am zweiten Fasnachtstag die Strassen, tummeln sich in den Gässli der Stadt und bewerfen andere Fasnächtler mit Räppli.

Genau so wenig wie das bunte Treiben der Binggis strukturiert ist, fehlt es auch bei den Kostümen der Kleinen an einer einheitlichen Linie. Das einzig geltende Motto kannte schon der antike griechische Philosoph Platon, der in seinem Werk, der Politeia, festhielt: Jeder soll das Seine tun, und zwar in Art und Umfang so, wie es seinem Wesen entspricht. Oder kurz gesagt: Jedem das Seine!

Es darf bezweifelt werden, dass die fasnachtsbegeisterten Kinder sich von Platon inspirieren lassen. Dennoch gilt bei ihnen, dass jeder Knabe und jedes Mädchen sich als das verkleidet, was ihm respektive ihr gefällt. Dies bestätigt auch Doris Flükiger, Geschäftsführerin des WOP-Shops in Zunzgen, dem grössten Kostümverkauf der Schweiz: «Die Kinder kennen keine Trends. Bei ihnen gibt es kein in oder out.»

Bei Mädchen sei grundsätzlich alles beliebt, was glitzert. «Egal ob Glitzerschminke oder mit Glitzer verzierte Kostüme, das zieht immer.» Was den Mädchen der Glitzer ist, sind den Jungs die Waffen. «Pistöleli und Gewehre oder Säbel für Musketiere begeistern sie und gehören einfach dazu», weiss Flükiger.

Ganze Tierli-Familien anzutreffen

Dazugehören tun auch die – manche mögen sie als einfallslose Wiederholungen bezeichnen – jedes Jahr aufs Neue auftauchenden Kostüme: die Prinzessin, der Cowboy, der Pirat, die Fee und der Ninja. «Diese beliebten Sujets sterben einfach nicht aus. Die werden noch lange weiter existieren», weiss Flükiger. Hier schliesst sich die Fasnachtsbekleidung der generellen Mode an.

Auch auf den Laufstegen der Welt ist alles schon einmal da gewesen. Zu den immer wiederkehrenden Sujets gehören auch die Ganzkörper-Tierli-Kostüme mit eingebautem Jööö-Effekt. Jedes Jahr rennen tausende Kinder als Raubkatzen, Küken, Marienkäfer oder Bienli durch die Strassen. «Neu ist, dass sich ganze Familien gleich einkleiden», sagt Flükiger.

Überraschend gut laufen aber auch – und das möge die Puristen unter den Basler Fasnächtlern beruhigen – klassische Kostüme: «Waggis sind in diesem Jahr ein sehr starkes Thema, sogar für Babys», stellt Flükiger etwas erstaunt fest. Zum Traditions-Goschdym gehören natürlich auch die Zoggeli – em Waggis sy Holzschueh. «Die Kinder freuen sich unheimlich über ihre ersten Zoggeli», so Flükiger. Der Kauf der ersten Zoggeli scheint bei den Fasnächtlern der Aufnahme zu den Grossen gleich zu kommen.

Traditionell verläuft auch der Verkauf der Fasnachts-Utensilien: Kunden kaufen eher vor Ort ein als im Online-Shop. «Zum Schneuggen ist die Website sicher gut geeignet. Wenn es dann ums Kaufen geht, kommen viele aber lieber in den Laden, probieren die Kostüme an und schauen, ob sie ihnen auch wirklich gefallen», erzählt Flükiger. Etwas an Beliebtheit verloren haben dieses Jahr die Clown-Kostüme.

Wobei Flükiger betont, dies sei nur eine Momentaufnahme. «Ich bin mir sicher, dass auch dieses Jahr wieder Binggis in Clown-Kostümen um die Gassen ziehen werden.» Jedem das Seine eben, denn sie ist ja schliesslich nicht organisiert, die Kinderfasnacht.

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