Fauna
Im Limmattal ist Wildtiernachwuchs unterwegs

Von Anfang Mai bis Ende Juli bringen Wildtiere ihre Jungen zur Welt. In Weiningen und Oetwil herrscht deshalb Leinenpflicht für Hunde.

Aline Ilk
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wildtiere limmattal
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Igel werden immer seltener.
Wer einen sieht, kann dies über eine Projektwebsite melden.
Wer einen sieht, kann dies über eine Projektwebsite melden.

wildtiere limmattal

Martin Goebel, stadtwildtiere.ch

Im Moment haben Spaziergänger oder Jogger gute Chancen, im Wald ein süsses Wildtierbaby zu sichten. Von Anfang Mai bis Ende Juli sind Wildtiere nämlich in ihrer Setzzeit. Das bedeutet, dass sie in dieser Periode ihre Jungen zur Welt bringen und aufziehen.

Auch im Limmattal sind die Tiere mit ihren Jungen jetzt unterwegs. Martin Peter, Wildhüter aus Weiningen, bittet darum Spaziergänger, im Wald auf den Wegen zu bleiben. «Die Tiere brauchen in dieser Zeit Ruhe. Auf gar keinen Fall sollte man sie anfassen, weil sie sonst von der Mutter nicht mehr akzeptiert werden», sagt er. «Rehkitze schreien zum Teil sehr laut und als vorbeigehender Spaziergänger denkt man, sie hätten Schmerzen, was nicht stimmt.» Die jungen Rehe gäben Laute von sich, damit sie ihre Mutter finden, erklärt Peter weiter.

Hündeler müssen in dieser Zeit besonders auf ihre Vierbeiner aufpassen, weil Hunde einen instinktiven Jagdtrieb haben. Laut Peter herrscht in Weiningen und Oetwil Leinenpflicht. Um die Wildtiere zu schonen, soll man zudem keine Stöcke in den Wald werfen, sagt Lukas Handschin von Grün Stadt Zürich. «Ein Wildtier kann nicht unterscheiden, ob es von einem Hund gejagt wird oder dieser einfach einem Wurfstöckchen hinterherrennt.»

Keine Sorge um Entenbabys

Aber nicht nur im Wald, sondern auch in Wohngebieten nisten Tiere. Stockenten fliegen von der Limmat oder Weihern in der Region auf Häuserblöcke. Ihre beliebtesten Nistplätze sind Balkone. «Die Enten soll man ebenfalls in Ruhe lassen und sich keine Sorgen machen», sagt Adrian Stutz, Wildhüter aus Dietikon. «Den Entenbabys macht die Höhe nichts aus, weil sie so leicht sind – einen Sturz von fünf bis zehn Meter überleben sie locker.»

Auch Igel bringen im Sommer Junge zur Welt. Ihr Zeitplan ist aber etwas anders als bei anderen Wildtieren: Zwischen März und April erwachen sie aus ihrem Winderschlaf und gehen auf Partnersuche. «Igel bringen ihre Jungen den ganzen Sommer und teilweise noch im Herbst zur Welt», sagt Wildtierbiologin Sandra Gloor vom Verein «Stadt Natur».

Obwohl Igel, ausser dem Dachs, eher wenig Feinde haben, sieht man die Tiere immer weniger. Durch das dichtere Bauen in Städten und dem stetigen Bevölkerungswachstum werden die Lebensräume der Wildtiere gefährdet. Der Verein «Stadt Natur» vermutet, dass die Igelpopulation rückläufig ist. Beweise dafür gibt es bisher aber noch keine. Der Verein möchte mit dem Projekt «Stadt Wild Tiere» deshalb nun herausfinden, ob es wirklich weniger Igel gibt. Wie Gloor sagt, läuft das Projekt ab sofort bis im Herbst. Auch im Limmattal können Personen, die einen Igel gesehen haben, ihre Beobachtungen auf der Website www.zuerich.stadtwildtiere.ch eintragen.

Igel laufen über «Stempelkissen»

Laut Gloor gibt es zwei Möglichkeiten, die Igelpopulation zu erfassen. Einerseits mittels der Beobachtungen auf der Karte. So kann man sehen, an welchen Orten Igel vorkommen und wo es weniger bis gar keine hat. Andererseits werden in der ganzen Stadt Zürich sogenannte Spurentunnel in Privatgärten aufgestellt. Kleine Tiere wie Igel oder Mäuse kriechen gerne in Höhlen und laufen deswegen automatisch durch die Tunnel. «Die plastifizierten Kartontunnel haben in der Mitte eine Flüssigkeit, die aus pflanzlichem Öl und Kohle besteht», sagt Gloor. «Die flüssige Substanz ist natürlich völlig ungiftig für Igel.» Wenn die Tiere durch die Tunnel gehen, laufen sie mit ihren kleinen Füssen wie über ein Stempelkissen und hinterlassen so ihre Spuren. «Da die Fussabdrücke von Igeln und anderen kleinen Tieren sehr unterschiedlich sind, kann man diese sehr gut einer Art zuweisen», sagt Gloor.

Innerhalb von einem Quadratkilometer hat der Verein zehn Spurentunnel aufgestellt. Laut Gloor ist das Ziel, während dem Projekt 400 Tunnel zu analysieren. Jeder Tunnel steht während einer Woche an seinem Platz und wird jeden Tag kontrolliert.

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