Lotzwil/Niederbipp
Ida Grogg fliegt mit 92 Jahren das erste Mal ans Meer

Zwölf Senioren fliegen am kommenden Montag für eine Woche nach Teneriffa. Mina Affolter wird mit ihren 95 Jahren die älteste Teilnehmerin sein. Speziell ist auch, dass die 92-Jährige Ida Grogg das erste Mal am Meer sein wird.

Andrea Marthaler
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Ida Grogg (92), Emilie Heiligtal (83) und Mina Affolter (95) (v.l.) fliegen nach Teneriffa. Organisiert haben die Reise Beat Hirschi (l.), Alterszentrum Jurablick in Niederbipp, und Christian Zaugg, Alterszentrum am Dorfplatz in Lotzwil.

Ida Grogg (92), Emilie Heiligtal (83) und Mina Affolter (95) (v.l.) fliegen nach Teneriffa. Organisiert haben die Reise Beat Hirschi (l.), Alterszentrum Jurablick in Niederbipp, und Christian Zaugg, Alterszentrum am Dorfplatz in Lotzwil.

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«Das wird meine letzte grosse Reise sein», sagt Mina Affolter. Sie ist mit 95 die älteste Teilnehmerin der Ferienwoche in Teneriffa. Als sie davon erfuhr, dass Bewohner des Alterszentrum Jurablick in Niederbipp die Möglichkeit haben, Ferien in Teneriffa zu machen, war sie sofort begeistert.

«Ich bin immer gerne gereist.» Auch wenn sie in ihrem Leben nicht viele Ferien hatte und Reisen in die Ferne erst recht nicht üblich waren, war sie beispielsweise doch bereits in Marokko. Auch nach Amerika hätte sie fliegen können. «Aber das wollte ich nicht, dorthin ging mein Mann alleine.»

Die Reise, zu der sie am Montag aufbricht, bezeichnet Mina Affolter als einen der Höhepunkte, «den ich noch erleben darf». Denn sie habe sich immer für Geografie interessiert und jeweils auf dem vom Sohn geschenkt bekommenen Globus nachgeschaut, wo die Länder liegen.
Hotel ist vollständig rollstuhlgängig
Initiiert hat die Teneriffareise Christian Zaugg, Heimleiter des Alterszentrums am Dorfplatz in Lotzwil. Vor drei Jahren verbrachte er mit einem Familienangehörigen, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, Ferien in Los Cristianos auf Teneriffa.

Im behindertengerecht gebauten Hotel residierte zeitgleich eine Seniorenreisegruppe mit Teilnehmern aus ganz Europa. «Ich habe gesehen, dass dies problemlos war, und habe gedacht: das will ich auch probieren», so Zaugg. Dass er gleich so viele Teilnehmer findet, damit hat er allerdings nicht gerechnet. Je sechs Bewohner des Alterszentrum Jurablick sowie des Alterszentrum am Dorfplatz, darunter einige, die in den Alterswohnungen in Madiswil wohnen, werden mitfliegen. Dazu noch sieben körperlich behinderte Einzelpersonen.
Gestern trafen sich erstmals die Reiseteilnehmer aus den beiden Institutionen. Letzte Informationen wurden gegeben und Fragen geklärt. So herrschte bei den Senioren noch eine gewisse Unsicherheit, wie sie auf dem Flughafen die Strecke zurücklegen können und inwiefern sie auf Teneriffa mobil sein können. Zaugg konnte die Sorgen austreiben: «Das ganze Hotel ist behindertengerecht. Auch die Ortschaft Los Cristianos hat sich darauf spezialisiert.» So sei beispielsweise die Strandpromenade rollstuhlgängig und an einem Strandabschnitt besteht die Möglichkeit, sich über den Sand und ins Meer fahren zu lassen. Zudem werden zehn Betreuer während der Ferienwoche für die Reisegruppe mit insgesamt 19 Teilnehmern sorgen. Zaugg reist ebenfalls mit.
4 der Gruppe sind noch nie geflogen
Vier der Senioren werden am Montag das erste Mal fliegen, zwei von ihnen sogar erstmals am Meer sein. So auch Ida Grogg. Sie ist mit 92 Jahren die zweitälteste Teilnehmerin. «In jungen Jahren habe ich die ganze Schweiz abgefahren, erst per Velo, später mit dem Auto.»

Fürs Ausland dagegen habe sie sich nie interessiert. «Dafür habe ich lediglich drei Schweizer Pässe nicht gemacht.» Gemeinsam mit ihrem Mann wegzufahren wäre sowieso nicht möglich gewesen, da sie ein Geschäft für Früchte und Gemüse führten. Nun, da der Bewohnerin einer Alterswohnung in Madiswil das Angebot der Teneriffareise offen steht, nutzt sie die Gelegenheit aber gerne. «Ich sagte mir: Wenn der Doktor es erlaubt, so fliege ich.» Es sei ein schöner Zufall, dass sie nun die Möglichkeit zur Reise hat. «Wobei man auch sterben kann, ohne am Meer gewesen zu sein.»
Andere mit Reisevirus anstecken
Mit der erstmals organisierten Auslandsreise will Christian Zaugg andere Heimleiter und Senioren ermutigen, so etwas zu wagen. «Im Vorfeld bin ich oft belächelt worden, doch nun da wir gehen ist das Interesse gross.» Er hat die Reise selber organisiert, das Hotel direkt und nur den Flug über ein Reisebüro gebucht. Die Kosten pro Person belaufen sich auf rund 1100 Franken, wobei nur 400 Franken von den Teilnehmern berappt werden müssen, der Rest wird über Spenden finanziert. «Das zeigt, dass eine solche Reise für die meisten Senioren bezahlbar ist.» Auch die Angehörigen sowie die Heimärzte zogen am selben Strick. Dass eine Auslandsreise für Senioren aber alles andere als selbstverständlich ist, zeigt folgende Tagsache: Sieben der zwölf Reiseteilnehmer musste extra eine ID machen lassen.

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