Bleienbach
«Ich kann nichts anderes als schreiben»

Wann sollte man das neue Buch von Valentin Binggeli lesen? «Wenn man über den Oberaargau Grundsätzliches wissen will», sagt der Autor. Das Buch «Hügelland – Der Oberaargau i sir Sprooch» – ist vorwiegend eine Kulturgeografie.

Irmgard Bayard
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Valentin Binggeli sagt über sich: «Ich kann nichts anderes als schreiben»

Valentin Binggeli sagt über sich: «Ich kann nichts anderes als schreiben»

Solothurner Zeitung

Wann sollte man das neue Buch von Valentin Binggeli lesen? «Wenn man über den Oberaargau Grundsätzliches wissen will», sagt der Autor. Das Buch «Hügelland – Der Oberaargau i sir Sprooch» – ist vorwiegend eine Kulturgeografie.

Zwar schreibt Valentin Binggeli darin auch über Geografisches, wie etwa im Kapitel «Steihoof und Steinebärg» über Gestein aus der Eiszeit oder in «Der öltischt Oberaargouer», der Geschichte vom Nashorn von Schoren.

Die grössere Bedeutung misst Binggeli aber den Figuren bei, «die den Oberaargau beeinflusst haben oder von ihm beeinflusst worden sind». So lässt er prägende Persönlichkeiten wie Maria Waser, Robert Walser, Gerhard Meier, J.R. Meyer, Lina Bögli, Ernst Morgenthaler, Jeremias Gotthelf, Ferdinand Hodler, Cuno Amiet und andere zu Wort kommen, indem er Originaltexte oder Zitate aufnimmt.

Alle Texte, die er neu geschrieben hat, sind im Oberaargauer Dialekt verfasst, derjenigen Sprache mit Einflüssen der Nachbarkantone Luzern, Aargau und Solothurn, der er viel Aufmerksamkeit und das Kapitel «Si rede chli angers» widmet.

Die Mundart reizte

Vor acht Jahren, als er nach diversen Sachbüchern seinen ersten Erzählband, «Das Mädchen mit der Honighaut», vorlegte, sagte Valentin Binggeli in einem Interview gegenüber dem Langenthaler Tagblatt, Sachbücher und -artikel seien nicht mehr sein Ding, ausser sie seien für das Oberaargauer Jahrbuch.

Weshalb hat er sich nun anders besonnen? «Einerseits wollte ich etwas Berndeutsches machen, andererseits meine geografische Arbeit über den Oberaargau zusammenfassen, zumal die früheren Bücher längst vergriffen sind», sagt Binggeli. «Deshalb habe ich mich noch einmal aufgerafft.»

Rund zwei Jahre habe er gebraucht, sagt Valentin Binggeli, der Anfang Jahr seinen 80.Geburtstag feiern konnte. Wirklich aufraffen musste er sich nicht, denn «ich schreibe gerne. Etwas anderes kann ich nicht», sagt er und schmunzelt. Deshalb schreibe er auch immer wieder Briefe «von Hand», wie er betont.

Für seine Bücher ist Valentin Binggeli aber längst im Zeitalter des Computers angekommen. «Die Grundlage, das Gerüst schreibe ich von Hand. Danach tippe ich alles mit zwei Fingern in den PC», erzählt er. «Auf dem Ausdruck bringe ich dann noch die letzten Korrekturen an und mache den Text fertig.»

Zeit und Freude

Valentin Binggeli schreibt immer noch jeden Tag, ausser am Wochenende. «Meine Frau arbeitet während der Woche auswärts. Ich bin also tagsüber alleine und habe jeweils zehn Stunden vor mir», sagt er. Eine Stunde gehe allerdings weg für den Spaziergang mit seinem Berner Sennenhund Prinz, eine Stunde für den Garten und eine für das Lesen der Zeitung.

«Die restliche Zeit kann ich mir frei einteilen.» Der studierte und promovierte Geograf unterrichtete viele Jahre am Lehrerseminar in Langenthal. Mit 60 Jahren liess er sich frühpensionieren, um sich ganz dem Schreiben und den Wässermatten zu widmen, in deren Stiftung er lange Jahre mitarbeitete und deren Betriebspräsident er war.

Mit seiner Arbeit hat er viel dazu beigetragen, dass es die Wässermatten wieder gibt und sie sogar in die Unesco-Liste für immaterielles Kulturerbe aufgenommen wurde.

Glücklich über den Atomausstieg

Bis heute hat Valentin Binggeli «sieben grosse und sieben kleine Bücher» veröffentlicht, zwei davon waren Erzählungen. Der heute in Bleienbach lebende Langenthaler hat aber nicht nur unterrichtet und Schriften verfasst, sondern sich auch politisch engagiert. Für die SP sass er im Langenthaler Grossen Gemeinderat (heutiger Stadtrat) und im Gemeinderat, in den er 1968 als Quereinsteiger mit dem besten Resultat gewählt wurde.

Was die Jüngeren nicht mehr wissen: In den 70er-Jahren engagierte sich der SPler an vorderster Front gegen das Atomkraftwerk Graben. «Wir waren Vorläufer der Gewaltfreien Aktion Graben und haben uns jeweils in der Schwendi getroffen. Es war eine gute Zeit», erinnert sich Binggeli, der mit der «halbkonspirativen Gruppe» auch Demos in Kaiseraugst besucht hat. Deshalb freut er sich auch, «dass die Frauen im Bundesrat für einen Ausstieg gestimmt haben».

Das Buch «Hügelland – Der Oberaargou i sir Sprooch, e bäärndütschi Geografii» ist im Verlag Herausgeber.ch von Daniel Gaberell erschienen. Es umfasst 214 Seiten und viele Fotos von Willy Jost, Hans Zaugg und anderen. «Hügelland» ist im Fachhandel oder direkt beim Verlag erhältlich.

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