Hunde
Hunde werden zu schwarzen Schafen

Die Tierheime nehmen bis zu 50 Prozent mehr Tiere auf als früher – vor allem Hunde. Gründe sind gesellschaftliche Entwicklungen, Wirtschaftskrise und ein massiv verschlechtertes Hunde-Image.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Birgit Günter

Vor ein paar Jahren war die Welt für die Hunde und Hundehalter noch in Ordnung. «Bello» war der beste Freund des Menschen. Dann kam das Pitbull-Drama von Oberglatt. Drei Pitbulls bissen im Winter 2005 einen Sechsjährigen zu Tode. Und die friedliche Welt der Hundehalter zerbrach in Scherben.

«Heute wird man schon fast geächtet, wenn man mit einem Hund unterwegs ist», erzählt die Lauwilerin Erika Städeli, Präsidentin des Anfang Juli gegründeten Hundehalter-Clubs Schweiz (HCS). Eine Bekannte, die mit ihrem Labrador spazieren ging, musste sich von Spaziergängern beschimpfen lassen. «Fahren Sie ab mit ihrem Kampfhund», hätten diese gesagt. Auch Städeli macht ähnliche Erfahrungen: «Hunde werden als Kot-Tölen beschimpft.»

Rottweiler fällt Rentnerin an

In den Langen Erlen in Riehen hat ein Rottweiler am Dienstag eine 66-Jährige angegriffen und ihr im linken Bein mehrere Bisswunden zugefügt. Dies schreibt der «Blick» in seiner gestrigen Ausgabe. Die Rentnerin war unterwegs mit ihren beiden Hunden. Als sie sich auf einer Bank ausruhte, kamen diese angerannt, gehetzt von einem Rottweiler. Dieser biss zu - und erwischte das Bein der Rentnerin. Der Hundehalter ist Polizist. (bz)

Die Folge: Die Hundehalter mögen irgendwann nicht mehr und sie geben ihren Hund ins Tierheim. Doch damit verlagern sie das Problem nur: Denn die Tierheime stossen nun vermehrt an ihre Kapazitätsgrenzen. «In manchen Tierheimen verzeichnen wir Zunahmen um bis zu 50 Prozent», be-tont Heinz Lienhard, Präsident vom Schweizer Tierschutz STS. Immer häufiger müssen Heime Ferientiere abweisen, weil sie schon übervoll sind.

Städelis Argument der schleichenden Stigmatisierung und Terrorisierung der Hundehalter kann er ein Stück weit nachvollziehen: «In manchen Orten werden die Leute wirklich geplagt. Sie müssen pro Familienmitglied einen Strafregisterauszug einreichen und für mehrere hundert Franken eine Halterbewilligung beantragen», so Lienhard.

Uneinig sind sich Lienhard und Städeli aber bezüglich des Einflusses der Wirtschaftskrise. «Wegen der ständig steigenden Gebühren wird die Hundehaltung zu einem Luxus - gerade in den heutigen Zeiten», glaubt Städeli. «Nein», findet jedoch Lienhard. «In einer Durchschnittsfamilie hängt man viel zu sehr am eigenen Hund - und spart sicher nicht zuerst daran.»

Für die Überfüllung der Tierheime listet der STS noch andere Gründe auf. In der heutigen Konsumgesellschaft könne man einfach via Internet Tiere kaufen - und schiebe diese wieder ab, wenn sie einem verleiden. Zudem würden mafiaähnliche Tierzuchten stets Nachwuchs auf den Markt werfen. Laut Schätzungen gibt es in der Schweiz bereits eine halbe Million Hunde. «Je mehr Hunde, desto mehr Probleme», kommentiert Lienhard.

Wenn es so weitergehe, gebe es aber bald weniger Hunde und Hundehalter, ist Städeli überzeugt. «15 000 Jahre des Zusammenlebens zwischen Mensch und Hund neigen sich dem Ende zu», meint sie düster.

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