Hotel-Branche kämpft gegen gekaufte Bewertungen

Hotel-Bewertungsportale und Hotelleriesuisse kämpfen gegen betrügerische Internet-Anbieter. Diese bewerten Hotels gegen Geld – ohne je einen Fuss in die Lokalität gesetzt zu haben.

Stefan Ehrbar
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Auf Seiten wie Recensionitripadvisor können Hotels positive Bewertungen für Plattformen wie Tripadvisor kaufen. Foto: istock

Auf Seiten wie Recensionitripadvisor können Hotels positive Bewertungen für Plattformen wie Tripadvisor kaufen. Foto: istock

Schweiz am Wochenende

Die bestmöglichen Bewertungen in kürzestmöglicher Zeit: Was die italienische Website Recensionitripadvisor.it seit neustem verspricht, tönt verlockend. Für knapp 1000 Franken bieten die Italiener 40 positive Bewertungen auf der von Touristen wie Geschäftsleuten genutzten Hotelbewertungs-Seite Tripadvisor. Davon können auch Schweizer Hotels profitieren. «Wir offerieren unseren Service auf der ganzen Welt und gerne auch in verschiedenen Sprachen», sagt Carlo Spina von Recensionitripadvisor. Die Seite hat ein lukratives Geschäftsmodell entdeckt, das sie längst nicht mehr exklusiv zur Verfügung stellt. Im Internet offerieren weitere Anbieter wie Real-tripadvisor-reviews das Verfassen von Positiv-Reviews. Über 8000 Bewertungen will die letztgenannte Website schon verfasst haben. Dass darunter auch Schweizer Hotels sind, ist wahrscheinlich. Entsprechende Anfragen wollte der Betreiber nicht kommentieren.
Auf der Website Tripadvisor können Gäste Hotels bewerten und Kommentare abgeben. Die reichweitenstarke Seite verknüpft die Hotels mit Buchungsseiten, sodass gleichzeitig eine Übernachtung gekauft werden kann.
Dem HotelVerband Hotelleriesuisse sind die Hände gebunden: «Es ist schwierig, dagegen vorzugehen», sagt Pressesprecherin Susanne Daxelhoffer. Die Firmen seien im Ausland tätig und kaum auffindbar. Hotelleriesuisse gehe aber davon aus, dass es sich in der Schweiz um Ausnahmefälle handle. Hotels, die Fake-Bewertungen kauften, seien nicht eruierbar.
Hotelleriesuisse sieht die Plattformen in der Pflicht. «Es liegt im Interesse der Anbieter, gefälschte Bewertungen herauszufiltern», sagt Daxelhoffer. Hotelleriesuisse setze im Kampf gegen schwarze Schafe auf Transparenz. Der Verband beziehe sich auf die von der europäischen Hotelorganisation Hotrec erarbeiteten Prinzipien für Bewertungsplattformen. Seiten wie Tripadvisor würden mit den erarbeiteten Kriterien konfrontiert und zu einer Stellungnahme aufgefordert. «Da die Resultate veröffentlicht werden, stehen die Anbieter unter einem gewissen Druck», sagt Daxelhoffer. Dementsprechend seien sich diese der Problematik bewusst.
Pia Schratzenstaller von Tripadvisor verweist auf die eigenen Bemühungen im Kampf gegen gefälschte Bewertungen. «Wir haben Experten, die rund um die Uhr daran arbeiten, dass die Authentizität der Seite gewahrt bleibt», sagt sie.
Dass Hotels Bewertungen kauften, komme vor. «Das Unternehmens-Ranking durch das Posten von gefälschten Bewertungen zu manipulieren, verstösst gegen unsere Richtlinien», sagt Schratzenstaller. «Wir werden jedes Unternehmen sanktionieren, das dabei erwischt wird, die Hilfe einer solchen Firma in Anspruch zu nehmen.» Ebenfalls behalte sich Tripadvisor weitere Schritte gegen diese Firmen vor.
Schlimmer als rechtliche Schritte dürfte allerdings der Image-Schaden beim Auffliegen sein: «Die grosse Mehrheit der Hoteliers ist sich des Risikos eines Reputations-Verlustes bewusst», sagt Schratzenstaller. «Versuche von Firmen, diese Art von Unternehmen zu nutzen, sind deshalb selten.»
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