Bleienbach
Hoffen auf ein bisschen Ruhe auf dem Hof der Familie Schwarzenbach

Innerhalb Minuten brannte am 26. Februar 2010 das beinahe 300- jährige Bauernhaus der Familie Schwarzenbach samt allem Hab und Gut nieder. Anderthalb Jahre danach zeigt die Familie Schwarzenbach ihr neues Zuhause.

Hannes Rettenmund
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Das neue Wohnhaus verschwindet fast neben der mächtigen Stallscheune. hrh

Das neue Wohnhaus verschwindet fast neben der mächtigen Stallscheune. hrh

Solothurner Zeitung

Aus kleinen Lautsprechern plärrende Ländlermusik weist den Besuchern den Weg zum neu erbauten Hof der Familie Schwarzenbach in Bleienbach, der im ersten Moment so gar nicht ins typische Bild von Bauernhäusern passen will. Denn kein stattliches Berner Bauernhaus erwartet die Schaulustigen, sondern moderne, holzverkleidete Gebäude. Anderes als beim traditionellen Berner Bauernhaus des Mittellandes steht der Stall im Mittelpunkt und nicht das Wohnhaus, das nun fast verschwindet.

Trotzdem passt der Neubau im Bleienbacher Oberdorf gut ins Ortsbild, mit den Jahren wird sich auch das jetzt noch helle Fassadenholz an die dunkleren Brauntöne der Umgebung angleichen.

Ungeheure Wucht

Damit Neues entstehen kann, muss oft Altes weichen. In diesem Fall geschah das aber mit ungeheurer Wucht: Innerhalb Minuten brannte am 26. Februar 2010 das beinahe 300- jährige Bauernhaus der Familie Schwarzenbach samt allem Hab und Gut nieder. Das Ereignis löste in der Bevölkerung grosse Betroffenheit aus. Es kamen viele Spenden zusammen, sowohl Geldbeträge wie auch die nötigsten Einrichtungsgegenstände und Kleider.

Diese öffentliche Anteilnahme habe denn auch der Familie durch das Schlimmste durchgeholfen, bilanziert Martin Schwarzenbach, der den Hof eigentlich vor eineinhalb Jahren von den Eltern hatte übernehmen wollen.

Durch die Katastrophe kam es anders. Nun wohnte er mit seiner Familie im erhaltenen Stöckli und betrieb einen Teil des Hofes von dort aus. Manche Feierabendstunde hat er in den Neubau investiert. Ende November soll das jetzt im Rohbau bestehende Wohnhaus bezogen werden. «Dann ist hoffentlich wieder mal ein bisschen Ruhe», findet er. «Klar haben wir im letzten Jahr auch Schönes erlebt, insgesamt war es doch vor allem anstrengend».

In gut einem halben Jahr, so rechnet Martin Schwarzenbach, wird alles wieder normal sein. «Wobei ich wohl in den ersten paar Jahren noch 20 bis 30 Prozent zusätzlich arbeiten gehen muss. Durch die Brandversicherung und die vielen Spenden ist zwar einiges zusammengekommen – ohne zusätzliches Einkommen wird es aber nicht ganz reichen.»

Auf den Ansturm vorbereitet

Viele wollten den neuen Hof sehen, doch die Familie Schwarzenbach war auf den Ansturm vorbereitet. So wartete denn auch eine Festwirtschaft auf dem Heuboden auf die Gäste. «Wir haben auf Anraten des Architekten die Eröffnung in so grossem Stil gemacht», sagt Martin Schwarzenbach. «So können alle, die wollen, schauen kommen, und niemand mehr im Dorf muss gwundrig sein.»

Bei den Besuchern aus dem Dorf kam der Neubau gut an. «Diese modernen Gebäude finde ich sehr interessant. Es ist toll für uns aus dem Dorf, dass wir uns das Ganze anschauen können», fand Margrit Bützberger. «Wobei ich das Gefühl habe, dass im Moment fast mehr Auswärtige, vor allem Bauern, hier sind, die sich für die neue Bauform interessieren.» So zum Beispiel Familie Bachmann, die aus dem Luzerner Seetal angereist war, um den Hof zu begutachten. «Durch das neue Tierschutzgesetz, das in zwei Jahren in Kraft tritt, wird wohl auch bei uns ein Neubau nötig. Deshalb wollten wir uns mal anschauen, wie das aussehen könnte.» Vom Brand hatten sie nichts mitbekommen.

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