Abstimmung
Höchstens 20 Schüler pro Klasse - Initiative will klare Verhältnisse

Die Klassengrösse in der Volksschule ist ein ständiges Politikum. Kleinere Klassen: So lautet gemäss einer 2013 durchgeführten Mitglieder-Befragung des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands (ZLV) das Hauptanliegen der Lehrkräfte.

Matthias Scharrer
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Wie viele Schüler dürfens denn sein? Heute liegt die maximale Klassengrösse bei 25. Die Initiative, über die am 30. November abgestimmt wird, will höchstens 20.

Wie viele Schüler dürfens denn sein? Heute liegt die maximale Klassengrösse bei 25. Die Initiative, über die am 30. November abgestimmt wird, will höchstens 20.

mts

Die von der EVP lancierte Klassengrössen-Initiative will diesem Anliegen nun zum Durchbruch verhelfen: Sie verlangt, dass vom Kindergarten bis zur Sekundarschule Volksschulklassen im Kanton Zürich nicht mehr als 20 Schülerinnen und Schüler zählen dürfen.

Dies läge nicht nur im Interesse der Lehrer, sondern käme auch den Schülern zugute, argumentieren die Befürworter, zu denen neben der EVP auch die SP und die Lehrerverbände ZLV, SekZH und VPOD sowie der Zürcher Schulleiterverband zählen. Denn in Klassen mit maximal 20 Kindern hätten Lehrer genug Zeit und Raum, um so individuell auf die Schüler einzugehen, wie es das geltende Volksschulgesetz verlangt – ein Gesetz, das auch die Integration schwieriger Schüler in den Regelklassen vorschreibt.

Die Folge einer Annahme der Initiative wären qualitativ bessere Schulen, wovon nicht zuletzt die Wirtschaft und die Gesellschaft profitieren würden, betont das Initiativkomitee. Auch der Umstand, dass fünf Jahre nach Abschluss ihrer Ausbildung nur noch jede zweite Lehrperson unterrichte, lasse sich so bekämpfen. Burnouts bei Lehrpersonen könnten reduziert werden.

«Klassengrössen im Kanton Zürich sind pädagogisch unbedenklich», sagt Regine Aeppli (SP), Zürcher Bildungsdirektorin.

«Klassengrössen im Kanton Zürich sind pädagogisch unbedenklich», sagt Regine Aeppli (SP), Zürcher Bildungsdirektorin.

zvg

Gegenvorschlag: 100 Lehrerstellen

Im Zürcher Kantonsrat war das Anliegen jedoch nicht mehrheitsfähig. Das Parlament verabschiedete einen Gegenvorschlag, der nun am 30. November zusammen mit der Initiative zur Abstimmung kommt. Er sieht vor, dass der Kanton rund 100 zusätzliche Lehrerstellen finanziert. Sie sollen den Pool von Lehrerinnen und Lehrern ergänzen, die im Teamteaching zum Einsatz kommen, wenn die heute gültigen Klassengrössen-Grenzwerte – im Maximalfall 25 Schülerinnen und Schüler – überschritten werden. Derzeit umfasst dieser Pool 160 Lehrerstellen. Grüne, GLP, CVP, BDP und EDU gaben dem Gegenvorschlag im Parlament den Vorzug. Mit den 100 zusätzlichen Lehrerstellen könne der Kanton gezielt dort reagieren, wo es wegen zu grosser Klassen nötig sei, so ihr Hauptargument.

Regierung, FDP und SVP dagegen

Der Zürcher Regierungsrat wie auch die FDP und die SVP lehnen sowohl die Initiative als auch den Gegenvorschlag ab. Zu teuer, unnötig und schwer umsetzbar sei die Initiative, argumentieren sie. Schon heute sei es schwierig genügend Lehrkräfte zu finden. Ausserdem wären bei einer Obergrenze von 20 Schülern vielenorts zusätzliche Klassenzimmer erforderlich.

Laut Regierungsrat wären für die strikte Umsetzung der Klassengrössen-Initiative rund 1350 zusätzliche Lehrpersonen nötig – eine Zahl, die die Initianten bezweifeln. Sie gehen von 1000 zusätzlich nötigen Stellen und Kosten von 89 Millionen Franken aus. Der Regierungsrat rechnet mit Zusatzkosten von jährlich 120 Millionen Franken. Der Gegenvorschlag liesse sich mit jährlichen Mehrkosten von rund 15 Millionen Franken umsetzen.

Schon heute liegt die Realität in den Zürcher Schulen nahe beim Ziel der Klassengrössen-Initiative: Kindergartenklassen hatten im Schuljahr 2013/14 durchschnittlich 19,4 Schülerinnen und Schüler, Primarklassen 20,7 und Sekundarklassen deren 18,8. Mehr als die Hälfte aller 6734 Volksschulklassen im Kanton erfüllte die Vorgaben der Initiative bereits. «Die Klassengrössen im Kanton Zürich sind pädagogisch unbedenklich», sagte denn auch Bildungsdirektorin Regine Aeppli im Kantonsrat.

Obergrenze jetzt bei 25 Schülern

Zulässig sind allerdings gemäss der heute gültigen Regelung Klassen mit bis zu 25 Schülerinnen und Schülern auf Primar- und Sekundarstufe sowie
21-köpfige Klassen im Kindergarten. Für Sek-B- und Sek-C-Klassen sowie für Mehrjahrgangs-Primarklassen gelten restriktivere Grenzwerte. Generell gilt Folgendes: Erst, wenn die zulässigen Klassengrössen über längere Zeit um drei Personen überschritten werden, sind Massnahmen fällig. Vergangenes Jahr überschritten 125 Schulklassen den Grenzwert von 25 Schülerinnen und Schülern.

Dieser Grenzwert sei deutlich zu hoch, finden die Initianten. Und die Tatsache, dass in den meisten Zürcher Volksschulklassen ihre Ziele bereits erfüllt seien, lasse die von der Regierung genannten Umsetzungsprobleme bei einer allfälligen Annahme der Initiative als übertrieben erscheinen.