Lobag
Hinter den Kulissen wirds langsam «läbig»

Am 3. April wählen die Delegierten der Berner Bauernorganisation den Nachfolger von Präsident Walter Balmer

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Kandidieren für das Lobag-Präsidium (v. l.) Hans Jörg Rüegsegger, Daniel Lehmann und Hansjakob Häberli.

Kandidieren für das Lobag-Präsidium (v. l.) Hans Jörg Rüegsegger, Daniel Lehmann und Hansjakob Häberli.

AZ

Seit elf Jahren steht Walter Balmer an der Spitze der Lobag (Landwirtschaftliche Organisation Bern und angrenzende Gebiete). Nach der Delegiertenversammlung vom 3. April in Thun ist Schluss: Knapp einen Monat vor seinem 65. Geburtstag gibt der Alt-SVP-Grossrat das Präsidium ab.

Im Gegensatz zur FDP Schweiz, wo nur noch der Aargauer Nationalrat Philippe Müller neuer Präsident werden will, können die Lobag-Delegierten auswählen: Gleich drei Bauern stellen sich der Ausmarchung: Hansjakob Häberli (Allmendingen), Daniel Lehmann (Oberbottigen) und Hans Jörg Rüegsegger (Riggisberg) sind bereit, den zeitintensiven Nebenjob zu übernehmen.

«Unverbrauchter Aussenseiter»

Hans Jörg Rüegsegger (42) bewirtschaftet in Riggisberg einen 27-Hektaren-Betrieb mit Milchwirtschaft und Ackerbau. «Intensivkulturen wie Kartoffeln lohnen sich in der Hügelzone nicht mehr», erklärt Rüegsegger. Im Vergleich zu den beiden Mitbewerbern bezeichnet sich Rüegsegger als «unverbrauchter Aussenseiter». «Ich gehöre weder dem Grossen noch dem Kleinen Lobag-Vorstand an.»

Immerhin sei er aber in zwei Käserei-Kommissionen tätig und verfüge so über langjährige Lobag-Erfahrung. «Als Präsident möchte ich die Zukunft der Berner Bauern aktiv und konstruktiv gestalten.»

Die Lobag müsse vermehrt Schwerpunkte setzen, damit die Konsumentinnen und Konsumenten die Bauern besser verstehen. Das bisherige Engagement sei gut. «Aber es braucht neue Leute. Die Zeit ist gut für einen Wechsel.»

Meisterbauer und Jurist

Auch Daniel Lehmann (48) besitzt einen Betrieb mit Milchwirtschaft und Ackerbau. «Oberbottigen gehört zwar zur Stadt Bern. Mein Hof ist aber der am ländlichsten gelegene aller drei Bewerber», sagt Lehmann. Das Vieh - Milchkühe, Aufzuchtrinder und Mastschweine - bewirtschafte er zusammen mit zwei Partnern in einer Tierhaltergemeinschaft.

«Das ermöglicht mir überhaupt, das Präsidium zu übernehmen. Wenn ich weg bin, weiss ich, dass Landwirtschaft und Ausbildung weiterlaufen», sagt Lehmann, auf dessen Betrieb auch zwei Lehrlinge zupacken. Mindestens 110 Tage jährlich sei ein Präsident weg, habe man ihm gesagt. «Tendenz steigend.»

Er könne der Lobag etwas bieten, sagt der gelernte Meisterlandwirt mit einem Jus-Studium. Er kenne sich im Recht aus, wisse mit der Verwaltung umzugehen und könne sich sprachlich gut ausdrücken. «Auch auf Französisch», sagt Lehmann. Die Bauern müssten in erster Linie mit den Konsumenten und den Medien gut umgehen können. «Erst in zweiter Linie mit den Lebensmittelproduzenten und den Grossverteilern.»

Nicht nur Kühe im Kanton Bern

Der Dritte im Bunde ist Hansjakob Häberli (53). Zum Hof in Allmendingen gehören 8 Hektaren Wald und auf 21 Hektaren betreibt er Ackerbau, Obstbau und Milchwirtschaft. «Derzeit bin ich am Umstellen von der Milch- auf die Fleischproduktion. «Was und wie viel, hängt von der Wahl ab», erklärt Häberli.

Er möchte die Berner Bauern auf nationaler Ebene gut vertreten. «Die vom Bundesrat verabschiedete Agrarpolitik 2014-17 bereite ihm grosse Sorgen. «Wir Bauern geraten zunehmend unter Druck.» Von der Basis werde die Lobag derzeit eher als ein Milchklub wahrgenommen.

«Aber wir haben nicht nur Kühe im Kanton Bern», sagt der langjährige Präsident der Lobag-Pflanzenbaukommission.

Nach seinen Wahlchancen befragt, antwortet Häberli: «Auf den Zweiertickets der Regionen Oberland und Oberaargau fehlt mein Name.» Eine Schlammschlacht finde zwar nicht statt, «aber derzeit werden viele Briefe hin und her geschrieben». Es werde Aufgabe des neuen Präsidenten sein, die Reihen zu schliessen.

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