Ratgeber Gesundheit
Hilfe, sie könnte sich was antun!

Die 40-jährige Tochter einer Freundin ist seit längerer Zeit psychisch angeschlagen. Sie hat einige Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Ich vermute, dass sie eine Depression hat. Bei meinem letzten Besuch erwähnte sie beiläufig, dass sie sich als Last für ihre Familie empfinde und sie überzeugt sei, dass es allen besser ginge, wenn sie nicht mehr da sei. Ich mache mir nun grosse Sorgen, sie könnte sich etwas antun. Frau U. M. aus H.

Birgit Kräuchi
Birgit Kräuchi
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Gesundheit Aargau
Birgit Kräuchi Chefärztin Psychiatrische Dienste Aargau AG (PDAG)

Birgit Kräuchi Chefärztin Psychiatrische Dienste Aargau AG (PDAG)

Gesundheit Aargau

Ihre Sorge kann ich gut nachvollziehen, allein der Gedanke an einen möglichen Suizid kann einen sehr verunsichern. Menschen in schwierigen Lebenssituationen entwickeln nicht selten eine Depression, erleben dabei das Gefühl der Ausweglosigkeit, Hilflosigkeit und sehen keine Perspektiven mehr für sich. Das eigene Leben zu beenden, scheint dann der einzig mögliche Weg zu sein. Suizidalität ist somit ein Symptom der Depression. Nur sehr wenige Menschen entschliessen sich spontan zu einem Suizid. Vielmehr ist es ein längerer Prozess, währenddessen durchaus auch entsprechende Signale ausgesandt werden. Es ist für nahestehende Menschen nicht einfach, auf die Signale einzugehen, möglicherweise auch aus Angst, einen Suizid anstossen zu können. Es ist wichtig, die Betroffene anzusprechen und damit zu zeigen, dass sie in ihrer inneren Not wahrgenommen wird. Viele empfinden das als Entlastung und sind erleichtert, über ihre Gedanken sprechen zu können, ohne dafür verurteilt zu werden. Aber auch wenn die Betroffene Ihnen gegenüber abweisend oder aggressiv reagieren sollte, bleiben Sie ruhig und bedenken Sie, dass die Reaktion für die Betroffene in dieser Situation vielleicht die einzig mögliche ist. Empfehlen Sie eine professionelle hausärztliche oder psychiatrische Behandlung. Depressive Erkrankungen können behandelt werden! Es gibt Medikamente, psychotherapeutische Gespräche und in manchen Fällen ist eine Behandlung in einer Klinik notwendig. Damit Sie selber nicht allein bleiben mit Ihrer Sorge, teilen Sie Ihre Befürchtungen und vertrauen Sie sich einer nahestehenden Person oder Ihrem Hausarzt an. Es gibt auch Beratungsstellen, z. B. die Dargebotene Hand, die kompetent unterstützen.

Die Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) bieten in ihren Ambulatorien zu Bürozeiten sowie im Kriseninterventions- und Triagezentrum rund um die Uhr fachkompetente Behandlungen an. www.pdag.ch