Ratgeber Gesundheit
Hilfe bei übermässigem Speichelfluss

Seit einiger Zeit habe ich (75) viel Speichel im Mund. Mein Hausarzt verschrieb mir Silvia-Wild-Tropfen - leider ohne Erfolg. Was können Sie mir raten?

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Gesundheit Aargau

Christoph Fuchs

ärztlicher Leiter Akutgeriatrie Spital Zofingen, Facharzt für Innere Medizin und Geriatrie

Übermässiger Speichelfluss oder Speichelbildung sind für die Betroffenen häufig sehr belastend. Obwohl es sich harmlos anhört , kann es zu einem psychosozialen und medizinischen Problem werden: Die «feuchte Aussprache», das «Sabbern» wird sozial auffällig und kann zu Isolation führen; Hautinfektionen am Mundwinkel, Husten, Würgen, Schluckstörungen und Brechreiz sind ebenso möglich. Zur Unterscheidung der Ursachen sind u. a. folgende Punkte wichtig und abzuklären: 1. Lokale Ursachen wie schlecht sitzende Zahnprothesen, Zahnfleischentzündung, Mundhöhlen- oder Racheninfektion 2. Neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson, fortschreitende Muskelerkrankungen, Gesichtsnervenlähmungen 3. Nebenwirkungen von Medikamenten wie Neuroleptika, urologische Präparate für die Blase etc. können zur Speichelbildungsvermehrung beitragen. Nach Abklärung der Ursachen kann ein Therapieversuch mit pflanzlichen Mitteln wie Salbeiextrakt durchaus sinnvoll sein, da diese zu adstringierenden (leicht austrocknenden) Effekten führen. Sollte dies keine Besserung erbringen, ist eine nochmalige Überprüfung der o. g. Ursachen sinnvoll. Manchmal kann eine logopädische Untersuchung und Therapie den Betroffenen eine grosse Hilfe sein, um sowohl Kompensationsmechanismen zu erlernen als auch auf evtl. Ursachen der Störung aufmerksam zu werden (Stichwort neurologische Erkrankungen im beginnenden Alter). Weitere medikamentöse Therapieversuche sollten erst nach ausreichender Abklärung und Überprüfung der möglichen Nebenwirkungen individuell abgewogen werden. Medikamente wie Scopolamin oder Glycopyronniumbromid stehen uns im Spital bei Schwerst-Betroffenen zur Verfügung. Diese sind allerdings häufig mit Nebeneffekten auf Augeninnendruck, Prostata, Herzrhythmus und Stuhlgang verbunden. Bei sehr störendem Speichelfluss kann ein niedrig dosiertes Antidepressivum namens Amitryptilin versucht werden. Auch der therapeutische Ansatz einer Botulinum- Injektion («Botox») ist durchaus vielversprechend. Häufig lässt sich auch mit Umstellung des täglichen Essens eine zumindest leichte Verbesserung erzielen.

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