Gretzenbach
Hier wird ein neuer Bach gebaut

Die SBB renaturiert den Unterlauf des Gretzenbachs – ab Dienstag fliesst das Wasser durch das neue, etwa 300 Meter lange Bett. Doch damit sind die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen.

Christian von Arx
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Alt: Nur noch bis Dienstag fliesst der Bach in diesem zwischen Strasse (links) und Bahnlinie eingezwängten, wenig attraktiven Bett.
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Neu: Bald schiesst das Wasser durch sein neues, grosszügigeres Bett mit mäandrierendem Bachlauf zwischen Gelände- und Wassermulden.
Renaturierung des Unterlaufs des Gretzenbachs
Seit ein paar Tagen verbindet die neue Brücke über die Mündung des Gretzenbachs den Bally-Park mit dem Aareuferweg Richtung Däniken.
Ab Dienstag fliesst der Bach durch die zwei Rohre (links); Ende 2018 dann durch den definitiven Bachdurchlass unter Strasse und Bahn (rechts).

Alt: Nur noch bis Dienstag fliesst der Bach in diesem zwischen Strasse (links) und Bahnlinie eingezwängten, wenig attraktiven Bett.

BRUNO KISSLING

Eine ungewöhnliche Baustelle ist derzeit in Gretzenbach zu besichtigen: Ein neuer Bachlauf entsteht, geplant vom Menschen, geformt von Maschinen. Eine kunstvolle Gestaltung mit dem Ziel, dem Bach und seinen Lebewesen wieder ein natürliches Bett zu bauen. Mit dem Wissen von Biologen, Wasserbauern und Planern.

Objekt ist der Unterlauf des Gretzenbachs bis zur Mündung, im Rechteck zwischen Gassler AG und Bally-Park, SBB und Aare. Heute verläuft der Bach südlich der Bahnlinie, eingeklemmt zwischen Bahndamm und Güterstrasse/Hauptstrasse, und strebt dann nach einer scharfen Kurve (Bild unten links) durch eine Unterführung hart kanalisiert zum Fluss. Für den Vierspurausbau Olten–Aarau mit der Verzweigung zum Eppenbergtunnel benötigt die SBB den Platz, wo bisher der Bach dem Damm entlang fliesst. Das Projekt der SBB erweitert die von Alpiq Hydro Aare mit der Neukonzessionierung des Wasserkraftwerks Gösgen geplante Renaturierung.

Noch zeigt sich der neue, mit seinen Mäandern etwa 300 Meter lange Bachlauf leer. Unter der Sohle wurde er mit tonig-feinkörnigem, bindigem Material abgedichtet, wie Winfried Stehle, Oberbauleiter des Teilprojekts Verzweigung Gretzenbach der SBB, erläutert. Kokosmatten, Faschinen (Weidenbündel) und ein Dutzend Arten einheimischer Gehölze schützen die Ufer vor Erosion. Erste Gräser stossen jetzt durch die Matten. Im Bachbett fallen Wurzelstöcke und grosse Blöcke (Störsteine) auf, die Ruheräume für die Fische schaffen werden. Die Mündung zur Aare, unter der neuen Fussgängerbrücke, wurde als Fischrampe gestaltet.

Neben dem Bach wird Wald und Wiese gepflanzt, Stein- und Wurzelhaufen, Gelände- und Wassermulden wurden angelegt. «Kurzzeitig überflutetes Gelände und seichte Tümpel sind ein super Lebensraum für Amphibien», freut sich Peter Vögeli, Projektleiter Umwelt, bei SBB Infrastruktur, Projekte Region Mitte. Steinlinsen dagegen – trockene flache Becken – dienen Reptilien als Besonnungsplätze. «Wir erwarten hier Eidechsen, Ringelnattern und Schlingnattern, Blindschleichen, Molche, Kreuzkröten oder Gelbbauchunken», sagt Vögeli. Das Projekt leiste einen Beitrag zum Erhalt dieser teilweise stark gefährdeten Arten.

Am kommenden Dienstag wird der Bach durch zwei Stahlrohre unter der Bahnlinie ins neue Bett geleitet. Das ist ein Provisorium bis Ende 2018. Der definitive Durchlass wird in den nächsten drei Jahren in Etappen gebaut und unterquert die Güterstrasse, den künftigen Interventionsplatz für die Tunnelrettung im Eppenbergtunnel und die Bahn. Er wird eine Fischtreppe enthalten, und Lichtluken sollen den Fischen im 68 Meter langen «Bachtunnel» die Orientierung erleichtern.

Ob alles so funktioniert, wie es sich die Biologen ausgedacht haben, muss sich zeigen. Für die nächsten fünf Jahre bleibt die SBB für die «Entwicklungspflege» zuständig, wozu unter anderem die Bekämpfung von Neophyten gehören wird. Danach wird der Unterhalt der Anlage in den Bally-Park integriert.

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