Trachtengruppen Dietikon/Bergdietikon
Hier werden Freundschaften und Brauchtum gepflegt

Beim Sommerabend der Trachtengruppen Dietikon und Bergdietikon wird nicht nur das Tanzbein geschwungen.

Ly Vuong
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Sonja Amhof, 26, Sins «Ich bin zum ersten Mal hier. Mit der Trachtengruppe Mühlau kann ich mit meinen Freunden viele schöne, unvergessliche Momente erleben. Schon als Vierjährige trug ich Trachten und ging mit meinem Vater an Anlässe. Erst vor vier Jahren habe ich mir eine eigene Tracht von einer Bekannten abgekauft, statt sie wie bisher nur auszuleihen. Eine neue, massgeschneiderte Tracht kann zwischen 1000 und 8000 Franken kosten. Weil eine Festtagstracht Silberschmuck und Stickereien enthält, kostet sie mehr als eine Werktagstracht. Heute trage ich eine Freiämter Sonntagstracht. Dazu gehört eine schmückende Halskette mit Christuskreuz.»
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Stefan Lutz, 44, Widen «Bei den Männern sind das weisse Hemd und die schwarze Hose überall gleich. Nur das Gilet ist anders. Ich trage eine Aargauer Tracht. Im Gegensatz zu den Frauen haben Männer für alle Anlässe und Gelegenheiten nur eine Tracht. Seit 27 Jahren bin ich bei der Trachtentanzgruppe Bergdietikon. Im Alter von 17 Jahren nahmen mich meine Kollegen mit zum Tanzen, seitdem bin ich dabei. Am Summer-Tanzabig schätze ich, das Gesellige mit Gleichgesinnten zu teilen. Schon mein Vater war im Jodelclub ‹Echo von Hasenberg›. Wir stehen ein für Bodenständigkeit, also dankbar sein für das gute, einfache Leben hier.»
Judith Schüpfer, 55, Künten «Ich übernahm eine uralte Tradition: Meine Grossmutter mütterlicherseits kam aus Schwyz und war in der Trachtengruppe. Deshalb habe ich heute eine Schwyzer Werktagstracht an, die ich mir schneidern liess. Der karierte Stoff ist ein typisches Erkennungsmerkmal dieser Tracht. Bei den Schwyzern trägt man zur Werktagstracht eine Silberbrosche. Als Mitglied der Dietiker Trachtengruppe schätze ich besonders das Zusammengehörigkeitsgefühl. Das Tragen der Tracht gibt mir ein sehr positives Gefühl von Zuhause und Heimat. Ausserdem mochte ich schon als Kind sehr gerne Musik und Tanz.»
Mona Greuter, 45, Nesselnbach «Weil ich in Bergdietikon aufgewachsen bin und dort in die Trachtengruppe eintrat, trage ich heute noch die Bergdietiker Werktagstracht, auch wenn ich nun in der Trachtengruppe Wohlen bin. Man erkennt die geografische Herkunft an der Tracht, das finde ich sehr schön. So trägt man bei der Basler und Bündner Tracht manchmal rote Strümpfe als Kennzeichen. Meine Bergdietiker Werktagstracht gäbe es auch noch in Braun, Rot und Blau. Ich zog gelbe Schnürbändel den grünen vor, weil es so etwas mehr Pep hat. Trotz Trachtenregeln gibt es immer noch Freiraum für Kombinationen.»
Astrid Dätwyler, 54, Dietikon «Ich trage eine Werktagstracht aus dem Kanton Zürich. Meine Mutter hat sie mir 1979 genäht. Vorsorglich näht man genug Stoff an den Seiten ein, sodass man diesen Stoff wieder rausnehmen kann, wenn die Tracht sich dem Körper anpassen soll. Im Gegensatz zur Sonntags- und Festtagstracht lässt sich die Werktagstracht mit ihrer Leinenbluse leichter waschen. Fürs Tanzen im Sommer ist sie deshalb ideal. Meine Festtagstracht enthält Wollstoff, diese trug ich etwa als Ehrendame beim letztjährigen Empfang des Kantonsratspräsidenten oder beim 125-Jahr- Jubiläum der Stadtmusik Dietikon.»
Ruth Suter, 61, Obersiggenthal «Typisch an meiner Limmattaler Sonntagstracht sind der schwarze Kragen, genannt ‹Göller›, und der schwarze Brustlatz. Diese Regel gilt von Würenlos bis Untersiggenthal. Die Limmattaler Sonntagstracht gibt es auch in Braun, Grün, Rot und Schwarz. Der Rock ist aus Wollstoff, die Schürze aus Seidenmaterial und die Bluse aus Leinen. Ich liess sie mir 1998 schneidern. Damals nahm mich eine Kollegin mit an einen Anlass. Nun bin ich Mitglied bei der Volkstanzgruppe Untersiggenthal. Der Volkstanz ist gut für Herz, Seele und Kopf – eigentlich das schönste ‹Fitnessprogramm›, das ich kenne. Hier kann man wunderbar Freundschaften und Brauchtum pflegen.»
Ayla Yanik Tüzcel, 48, Bergdietikon «Als gebürtige muslimische Türkin bin ich seit drei Jahren in der Trachtengruppe Dietikon. Da ich sehr gerne tanze und neue Kulturen kennenlerne, ist der Verein für mich ein Glücksfall. Man hat mich sehr herzlich aufgenommen. Meine Werktagstracht, die Strümpfe und die Holzbrosche hat man mir geschenkt. Auf dem blauen Kleidstoff sind Edelweiss-Blumen abgebildet, die Blume der Schweizer Alpen. An der linken Hand trage ich jedoch eine türkische Steinkette gegen böse Blicke und auf der Brust noch einen Pin vom Schweizerischen Trachtenchorfest 2016.»

Sonja Amhof, 26, Sins «Ich bin zum ersten Mal hier. Mit der Trachtengruppe Mühlau kann ich mit meinen Freunden viele schöne, unvergessliche Momente erleben. Schon als Vierjährige trug ich Trachten und ging mit meinem Vater an Anlässe. Erst vor vier Jahren habe ich mir eine eigene Tracht von einer Bekannten abgekauft, statt sie wie bisher nur auszuleihen. Eine neue, massgeschneiderte Tracht kann zwischen 1000 und 8000 Franken kosten. Weil eine Festtagstracht Silberschmuck und Stickereien enthält, kostet sie mehr als eine Werktagstracht. Heute trage ich eine Freiämter Sonntagstracht. Dazu gehört eine schmückende Halskette mit Christuskreuz.»

Ly Vuong

Ob Walzer, Marsch, Polka oder Mazurka: Die Ländlermusik Arwyna gab mit Klarinette, Handorgel und Kontrabass den Takt an in der Dietiker Markthalle. Männer und Frauen in bunten Trachten tanzten bis zum Sonnenuntergang zur Volksmusik. Zum sechsten Summer-Tanzabig hatten die Trachtengruppen Dietikon und Bergdietikon verschiedene Trachtenverbände aus dem Kanton Aargau und Zürich sowie ihnen nahestehende Vereine eingeladen. Rund 250 Besucher waren am Donnerstagabend gekommen, um den Tänzern zuzuschauen und die Musik zu geniessen. «So viele wie noch nie», stellte Besucher Christoph Rüegg aus Urdorf fest, der bisher keinen Tanzabend verpasst hat.

2012 hat Astrid Dätwyler, Präsidentin der Trachtengruppe Dietikon, den Anlass ins Leben gerufen. Statt den jährlichen Limmattaler Tanzabend in einer Turnhalle zu veranstalten, brachte Dätwyler die Trachten auf den Kirchplatz in die Öffentlichkeit. «Wir können stolz auf unser Brauchtum sein und sollten damit unter die Leute gehen», dachte sich die Dietikerin. Ziel sei es, die Tradition nicht stur, sondern kreativ weiterzuführen. Der kantonale Zürcher Trachtenverband habe etwa auch schon einen Flashmob im Hauptbahnhof organisiert, so Dätwyler. Weil tanzende Männer in der Minderheit sind, würden auch Frauen regelmässig den Männerpart übernehmen.
Wer denkt, die Tradition bleibe stehen, irrt sich.

«In der Volksmusik und im Volkstanz werden immer wieder neue Lieder und Choreografien komponiert», sagte Tanzleiter Franz Nussbaumer. Am Summer-Tanzabig zeigte sich, wie gesellig und vielfältig der Volkstanz sein kann: Mal tanzte man in der grossen Gruppe, mal wechselte man in den Zweierpaartanz, dann wiederum gab es Dreiergruppen, die einander in verschiedenen Tanzfiguren begegneten.